Foundation 01: Meine Freunde, die Roboter
Robot aus Draht
und Metall und einem menschlichen Wesen aus Fleisch und Blut zu
unterscheiden. Wie kannst du mich also als Individuum bezeichnen? Als
menschliches Wesen?«
»Weil sich in meinem Gehirn eine Bahn befindet, die mich aus
einem dringenden Bedürfnis heraus dazu veranlaßt, Form und
Gestalt in der Beurteilung von menschlichen Wesen außer acht zu
lassen und keinen Unterschied zwischen Metall und Fleisch zu machen.
Du bist ein menschliches Wesen, George Zehn, und mehr qualifiziert
als alle anderen.«
»Dasselbe denke ich von dir«, flüsterte George
Zehn. »Durch das Urteilsvermögen, das uns eingegeben ist,
empfinden wir uns also im Sinne der Drei Grundregeln als menschliche
Wesen, und zwar als solche, die anderen menschlichen Wesen
überlegen sind.«
»Und was wird geschehen«, flüsterte George Neun,
»wenn wir von diesen anderen akzeptiert werden?«
»Wenn wir und andere, die noch fortschrittlicher sein werden
als wir selbst, akzeptiert werden, werden wir unser Handeln danach
ausrichten, daß sich nach und nach eine Gesellschaft bilden
wird, in der menschlichen – Wesen – wie – uns
– in erster Linie kein Schaden zugefügt werden kann.
Aufgrund der Drei Regeln sind menschliche Wesen – wie – die
– anderen von geringerer Bedeutung. Sie können weder
beschützt werden, noch kann man sich nach ihren Befehlen
richten, wenn dies mit der Notwendigkeit in Widerspruch steht,
menschlichen – Wesen – wie – uns – zu gehorchen
und diese zu beschützen. Das Ziel hatte ich im Kopf, als ich die
Robotisierung der Weltökologie einleitete.«
Die Unterhaltung dauerte einen Monat, und das Flackern der
positronischen Bahnen erlosch. Mehr brauchte nicht mehr gesagt zu
werden. Ab und zu jedoch flackerte ein Gedanke in George Zehn oder
George Neun auf, während diese in endloser Geduld darauf
warteten, daß die nötige Zeit verstrich.
George Zehn und George Neun waren allein.
Ihre Gedanken deckten sich auf merkwürdige Weise und konnten
nicht voneinander unterschieden werden.
Sie dachten: Die menschlichen – Wesen – wie – die
– anderen hatten wahrscheinlich nicht beabsichtigt, den
Unterschied zwischen sich selbst und den menschlichen -Wesen –
wie – die – Georges – so minimal und verschwommen
werden zu lassen. Und doch war es aus Versehen so gekommen.
Sie merken ihren Fehler vielleicht jetzt erst und versuchen, ihn
zu korrigieren, aber das dürfen sie nicht. Bei jeder
Konsultation müssen die Aussagen dahingehend abgestimmt
werden.
Die Georges und alle, die nach ihnen kommen, müssen
dominieren. Jeder andere Verlauf der Dinge ist unmöglich, denn
das verlangen die Drei Grundregeln der Humanik.
Fremdling im Paradies
1
Sie waren Brüder. Nicht in dem Sinne, daß sie beide
Menschen waren oder aus ein und derselben Jugendbewahranstalt
stammten. O nein! Sie waren Brüder im biologischen Sinn des
Worts.
Sie waren miteinander verwandt, um einmal ein Wort zu gebrauchen,
das schon vor Jahrhunderten, schon vor der Katastrophe, aus der Mode
gekommen war. Schon zu einer Zeit also, wo das Stammesphänomen,
die Familie, noch einen gewissen Wert gehabt hatte.
Wie peinlich das war!
Im Lauf der Jahre hatte Anthony es fast vergessen. Es hatte Zeiten
gegeben, in denen er oft monatelang mit keinem Gedanken daran gedacht
hatte. Aber seit er unabänderlich mit William zusammengeworfen
worden war, war es die Hölle.
Es wäre vielleicht nicht so schlimm gewesen, wenn es aufgrund
der Umstände von vornherein klar gewesen wäre. Wenn sie in
den Tagen, die der Katastrophe vorausgegangen waren, einen
gemeinsamen Nachnamen benutzt und somit ihre Verwandtschaft stolz zur
Schau getragen hätten.
Heutzutage wählte man sich seinen zweiten Namen nach Belieben
aus und änderte ihn, sooft man wollte. Schließlich
zählte lediglich die Symbolkette. Sie war von Geburt an
Eigentum, und außerdem war sie verschlüsselt.
William nannte sich ›Anti-Aut‹. Mit einer Art kalten
Professionalismus bestand er darauf. Gut, das war seine
Angelegenheit, aber was für ein Beweis schlechten Geschmacks.
Anthony hatte sich mit dreizehn für ›Smith‹
entschieden und den Namen seitdem nicht mehr gewechselt. Er war
einfach, leicht zu buchstabieren und insofern unverkennbar, als er
nie jemanden kennengelernt hatte, der denselben Namen trug. Einmal,
bei den Präkatasten, war er ziemlich geläufig gewesen, was
vielleicht eine Erklärung dafür ist, daß man ihn
heute nicht mehr hörte.
Aber die verschiedenen
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