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Galileis Freundin (German Edition)

Galileis Freundin (German Edition)

Titel: Galileis Freundin (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Gunter Tschauder
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die nur leicht angelehnte Tür. Die Stimmen der beiden Kirchenvertreter waren auch dort noch deutlich zu hören.
    „Alessandro Buondelmonti, ihr habt mich schriftlich wiss en lassen, was euer Begehr ist.“
    R o berto hinter der Tür zeigte keinerlei Interesse für die Kirchenpolitik oder für die Verbindung zwischen der Kirche und dem Staat Toskana. Ihm sollte es gleich sein. So stellte er sich auf eine langweilige Wartezeit vor der Tür zum Audienzsaal ein. Er durfte auf keinen Fall einschl a fen und musste dem Ruf seines Herren sofort Folge leisten.
    „Eminenz“ begann der Pfarrer aus Impruneta seine Vorstellung, „die große Sorge um die B e lange der Mutter Kirche hat direkt etwas mit meiner Familie zu tun.“
    „Ich weiß, ehrwürdiger Monsignore Buondelmonti, ihr habt es mir in eurem schriftlichen B e gehr mitgeteilt. Ihr wisst um die grenzenlose Hochachtung, die ich eurem Hause gegenüber hege. Leider nun ist euer frommer Bruder, der Träger des Familiennamens und der Erbe des starken Handelsgeschlechtes Buondelmonti, Lorenzo del Senatore Altobianco de’Buondelmonti, zu früh an einer teuflischen Krankheit dahingeschieden. Ich habe an dem Leid eurer Familie mitgetragen, Monsignore.“
    Der Kardinal verneigte sich vor dem Pfarrer, um ihm sein Mitgefühl zu zeigen.
    „Über die Gerüchte, die sich anschließend wie ein Verbrechen über unsere Stadt legten, will ich schweigen. Wir sollten nicht den Gerüchten unser Gehör schenken, sondern uns nur den Tats a chen widmen.“
    „Doch die Gerüchte sind es, Eminenz, die den gläubigen Sinn meiner verehrten Mutter, Gott hab’ sie selig, verwirrten und meinen keuschen Schwestern die Nachtruhe rauben. Die Gerüc h te lassen uns nicht zur Ruhe kommen. Ich wende mich in meinen berechtigten Zweifeln an eure Eminenz mit der Bitte, diese Zweifel zu beseitigen. Es ist die Witwe meines verstorbenen Br u ders, es ist Caterina Picchena, die unsere Gemüter aufheizt, es ist die treulose Gattin des e h renwerten Lorenzo.“
    „Nun, es ist nichts bekannt geworden, Monsignore. Doch sprach man schon vor der Beerd i gung eures Bruders von seltsamen Geschehnissen in eurem Hause.“
    Giancarlo hatte sich mit einem süffisanten Lächeln zu Alessandro vorgebeugt.
    „Es hieß zur damaligen Zeit, einer meiner Pagen, ein gewisser Giorgio, habe die körperlichen Wünsche der Caterina Picchena befriedigt. Eurem Bruder wurden von den Schandmäulern Kontakte zu hübschen Knaben angelastet. Doch die verwerflichen Quatschmäuler wollen wir nicht noch ehren, mein Freund. Niemand soll das Ansehen des ehrenwerten Hauses Buonde l monti in den Schmutz ziehen. Später ist ja auch der Page Giorgio auf geheimnisvolle Art ums Leben gekommen“
    Giancarlo lehnte sich grinsend noch weiter vor.
    „Auch in dem Zusammenhang, mein Glaubensbruder, wurde die Picchena genannt.“
    Don Alessandro entdeckte ein feuriges Aufglühen in den Augen des Kardinals. Dieses Licht machte ihm Mut.
    „Es sind zu viele Gerüchte, die meine, zu Spenden bereite Familie, in den Schmutz ziehen“. Buondelmonti griff die Anregungen seines Gegenübers auf.
    „Eine neue Gefahr droht vollends den Wert unserer Sippe in den Schmutz zu ziehen. Die Ve r lässlichkeit der ehrenwerten Familien aus Florenz steht auf dem Spiel. Die Gerechtigkeit fordert schnelles Handeln, Eminenz. Kein Kloster, keine Kirche wird sich in Zukunft stolz der Spe n den, der Gemälde und der G old belegten Altäre aus dem Hause Buondelmonti rühmen können. Wer wird schon gerne aus einem Mörderhaus, in dem hinterlistige Mordgelüste, Ehebruch und Vergeudung gemeldet werden, seinen Ruhm beziehen?“
    „Recht habt ihr, mein Freund, ihr solltet die Witwe in eurem Palazzo zu mehr Anstand und einem Lebenswandel ohne Tadel auffordern.“
    „Eminenz, man sagt, verzeiht mir, denn auch das ist nur ein Gerücht, dass selbst euer Name mit den sittenlosen Umtrieben der Caterina in Verbindung gebracht wird. Ihr solltet einen Riegel rechtzeitig vor die Öffnung des schlechten Leumunds legen.“
    „Monsignore Alessandro, ihr wisst , ich kann mich mit dem Namen der Medici vor falschem Zeugnis und hinterhältigen Gerüchten schützen. Doch wie steht es um die Mähr, dass ihr samt Caterinas ersten Buben, doch wohl um ein gehöriges Erbteil bangt, das letztlich ihr, der Pi c chena, gebühren würde, wenn sie sich einen neuen Freund zum Manne nähme?“
    „Ich sehe, eure Durchlauchtigste Hoheit“, spann der Buondelmonti sogleich sein Fliegennetz erneut weiter, „

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