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Gefaehrliche Verstrickung

Gefaehrliche Verstrickung

Titel: Gefaehrliche Verstrickung Kostenlos Bücher Online Lesen
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Schönheitsfehler ihrer Kundschaft wirkungsvoll zu vertuschen. Die Prinzessin hatte einen makellosen Körper, schmal, aber dennoch wohlgeformt, und was sie für eine Figur wie diese entwarf, würde Aufsehen erregen. Schade, dachte sie, dass man keine Aussteuer für sie in Auftrag gegeben hatte.
    »Ihr Haar, wie werden Sie es tragen? Offen oder hochgesteckt?«
    »Ich weiß nicht. Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht.«
    »Dann wird es aber höchste Zeit. Ihre Frisur sollte unbedingt zum Kleid passen.« Sie probierte ein wenig mit Adriannes Haaren und trat dann einen Schritt zurück. Sie war eine hagere Person mit schmalen, hausbackenen Zügen, aber wunderschönen grünen Augen. »Geflochten, würde ich vorschlagen. Französisch. Schlicht wie das Kleid, aber keinesfalls streng. Sehr weiblich, auf alle Fälle.« Zufrieden ließ sie ihr kritisches Auge über ihr Werk schweifen. »Werden Sie Schmuck tragen? Etwas Spezielles?«
    Sie dachte daran, wie Sonne und Mond auf dem Hochzeitskleid ihrer Mutter gefunkelt hatten. »Nein, keinen Schmuck.« Vom Flur hörten sie plötzlich ein aufgeregtes Geschnatter und Gekicher.
    »Die Damen der Hochzeitsgesellschaft.« Dagmar rollte mit ihren grünen Augen. »Nach dieser Woche werden wir erschöpft zu Boden sinken, aber alles wird perfekt sein.«
    »Madame, wieviel berechnen Sie für dieses Kleid?«
    »Eure Hoheit!«
    »Ich möchte wissen, was dieses Kleid kostet.«
    Achselzuckend kniete sich Dagmar hin und zupfte den Saum gerade. »250 000 Franc in etwa.«
    Adrianne nickte und berührte die Spitze am Halsausschnitt. Ihre Kommission für die St.-John-Juwelen lag noch über diesem Betrag. Es schien ihr angebracht, wenn es auch nicht einer gewissen Ironie entbehrte, dieses Geld für ihr Brautkleid zu verwenden. »Die Rechnung geht an mich, nicht an den König.«
    »Aber Hoheit!«
    »Die Rechnung geht an mich«, wiederholte Adrianne. Sie würde niemals ein Kleid tragen, das er bezahlte.
    »Wie Sie wünschen.«
    »Die Hochzeit findet in Jaquir statt, Madame.« Adrianne lächelte wieder. »Aber ich bin Amerikanerin. Es ist nicht leicht, mit alten Gewohnheiten zu brechen.« Adrianne betrachtete das Thema als erledigt und wandte sich um, als die Tür aufging. Die Damen der Hochzeitsgesellschaft und mehr als ein Dutzend anderer Frauen drängten schnatternd herein. Letztere waren mitgekommen, um Tee zu trinken, bei den Anproben zuzusehen und dabei über Hochzeiten und Mode zu plaudern. Adrianne schätzte, dass Dagmar am Ende der Anprobe mindestens sechs neue Aufträge in der Tasche haben würde.
    Die Frauen zogen sich bis auf die Unterwäsche aus. Da Wäsche bei ihnen mindestens ebenso hoch im Kurs stand wie Schmuck und Juwelen, reichte die Palette der Modelle von bezaubernd bis frivol. Rote Strapse und schwarze Spitze, weißer Satin und durchsichtige Seide. Unter lautstarkem Palaver wurden die Kleider dann anprobiert und entsprechend bestaunt, wobei Dutzende Fragen nach Blumenschmuck, Geschenken und Plänen für die Flitterwochen aufgeworfen wurden. Die ganze Situation hätte Adrianne eigentlich amüsieren oder sogar anrühren können, wären da nicht die bohrenden Kopfschmerzen gewesen, die sie quälten. Die Hochzeit mochte ja nur eine Farce sein, eine zeitlich begrenzte, notwendige Maßnahme, die zweifellos Vorteile mit sich brachte, doch die Vorbereitungen dazu waren bitterer Ernst.
    Sie beobachtete, wie ihre kleine Schwester in ein Kleid gezwängt wurde, das von der Machart her einer älteren Dame geschmeichelt hätte. »Nein«, bedeutete Adrianne der Frau, die gerade das Oberteil abstecken wollte. »Das steht ihr nicht.«
    Yasmin raffte den weiten Rock mit beiden Händen. »Mir gefällt es aber sehr gut. Keri und die anderen tragen doch das gleiche.«
    »Du siehst aber darin aus wie ein kleines Mädchen, das heimlich die Kleider seiner Großmutter anprobiert.« Auf Yasmins enttäuschte Miene hin winkte sie Dagmar zu sich. »Ich wünsche etwas Besonderes für meine Schwester, etwas Passenderes für ihr Alter.«
    »Ihr Herr Vater hat aber angeordnet, dass alle Damen die gleichen Kleider tragen.«
    Adriannes Blick und der der Schneiderin trafen sich im Spiegel. »Und ich sage Ihnen, dass meine Schwester dieses Kleid nicht tragen wird. Ich stelle mir für sie etwas Schmeichelnderes vor, etwas...« Sie verkniff sich das Wort jugendlich und sagte statt dessen: »Etwas Zeitgemäßeres. In Rose vielleicht, so dass es sich von den anderen Kleidern abhebt.«
    Yasmins Augen leuchteten

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