Gefährlicher Fremder - Rice, L: Gefährlicher Fremder
auf der Stufe unter ihr stehen blieb. Dadurch befand sich ihr Gesicht fast auf derselben Höhe mit seinem.
Sein Gesicht war faszinierend – so grundlegend und unmissverständlich männlich.
»Wie fühlst du dich?« Sein Blick suchte ihren.
»Besser, ob du es glaubst oder nicht.« Sie schüttelte leicht den Kopf. »Obwohl es mir ein bisschen peinlich ist, dass ich mich an deiner Schulter ausgeheult habe.«
»Jederzeit.« Sein harter Mund verzog sich zu einem halben Lächeln. Er nahm ihre rechte Hand, zog sie an seine Lippen und legte sie dann auf seine linke Schulter. »Betrachten Sie meine Schulter als die Ihre.«
Es war eine interessante Vorstellung. Es war eine interessante Schulter. Caroline knetete den harten Muskel unter dem weichen Baumwollstoff seines Sweatshirts. Sie hatte ihn inzwischen schon ein paarmal in ihren Armen gehalten, aber es erstaunte sie immer wieder, wie eisenhart er sich anfühlte, so als wäre er aus härterem Material gemacht als aus bloßer menschlicher Haut und Muskulatur.
Ihre Hand strich leicht von seinem Schlüsselbein zu der großen Rundung seiner Schulter und sie erinnerte sich überdeutlich daran, wie er sich nackt angefühlt hatte. Ohne den mildernden Effekt seiner Kleidung wirkte er beinahe erschreckend in seiner ganzen Kraft – der stärkste Mann, den sie je gesehen hatte.
Sie beobachtete sein Gesicht, während sie mit der Hand über die breiten, starken Muskeln fuhr. Es war ihr unerklärlich, wie ein Mann, der keineswegs hübsch war, so attraktiv sein konnte. Er trug das lange schwarze Haar jetzt offen statt zu einem Pferdeschwanz zurückgebunden, sodass es sein starkes, schmales Gesicht umrahmte und dessen Züge weicher erscheinen ließ. Es war beinahe unmöglich zu erraten, wie alt er war, obwohl sie vermutete, dass er in etwa ihr Alter haben musste, auch wenn ihm sicher nicht die segensreichen Auswirkungen von Feuchtigkeitscremes zugutegekommen waren, die sie mit nahezu fanatischem Eifer benutzte. Seine Haut war wettergegerbt, mit schwachen weißen Fältchen, die sich fächerförmig von seinen Augenwinkeln ausbreiteten.
Er hatte sich heute Morgen rasiert – sie hatte den elektrischen Rasierapparat surren hören –, aber jetzt waren seine Bartstoppeln schon wieder deutlich zu sehen. Ob er sich in Afghanistan einen Bart hatte stehen lassen? Auf den Fotos von den Männern, die den Präsidenten beschützten, waren viele Bartträger.
Wo kam er her? Jack Prescott – ein absolut gewöhnlicher Name für einen ungewöhnlichen Mann. Seine Haut und seine Augen waren so dunkel, einer seiner Vorfahren musste wohl hispanischer oder – angesichts seiner hohen Wangenknochen – indianischer Herkunft gewesen sein.
Sie hätte stundenlang eine Stufe über ihm dastehen und ihn ansehen können. Sein Gesicht war so faszinierend. Sie hatte noch nie jemanden getroffen, der ihm auch nur im Mindesten geähnelt hätte, und doch konnte sie das leise Gefühl des Wiedererkennens nicht abschütteln, das sie jedes Mal überkam, wenn sie sein Gesicht musterte.
Sie konnte nur annehmen, dass das am Sex lag. Sie hatten die normale Kennenlernphase übersprungen, und der heiße Sex mit ihm hatte einen solch bleibenden Eindruck bei ihr hinterlassen, dass sie das Gefühl hatte, ihn schon seit Ewigkeiten zu kennen. Déjà-vu-Sex.
»Komm mit runter«, sagte Jack und legte ihr seinen starken Arm auf den Rücken. Caroline fragte sich, was er wohl darüber dachte, dass sie einfach stundenlang so dastand und ihn anstarrte. Zum Ausgleich würde sie ihm ein unvergessliches Abendessen zubereiten.
»Was hättest du denn gern zum Abend…« Caroline verstummte. Etwas fehlte. Sie gingen die Treppe hinunter, und etwas fehlte. Da hätte doch etw… »Die Stufen! Du hast die Stufen repariert! Oh du meine Güte!« Sie drehte sich um und fiel Jack in einem Anfall von Dankbarkeit um den Hals. »Dankedankedankedanke!«
Das war einer der Punkte auf ihrer Dringend-erledigen-Liste. Genau genommen Nummer 476 auf ihrer Superdringend-erledigen-Liste. Schreiner anrufen, damit er die Stufen repariert, bevor sich noch jemand den Hals bricht. Aber sie wusste, dass sie das erst dann tun konnte, wenn sie etwas Geld übrig hatte. Was bedeutete: niemals.
Er hatte sofort seine Arme um sie geschlungen und hielt sie fest an sich gedrückt. »Wenn ich gewusst hätte, dass du so darauf reagierst, hätte ich sämtliche Treppen repariert. Die quietschen nämlich alle ein bisschen. Allerdings habe ich noch deine Regale im Badezimmer
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