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Gefaehrten der Finsternis

Titel: Gefaehrten der Finsternis Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Chiara Strazzulla
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offenem Mund anstarrten. Schnell ging er zu ihnen.
    »Was war …?«, fragte Validen besorgt, als er bei ihnen war. Er beendete seine Frage nicht.Wie die anderen schien er völlig verwirrt und verschreckt.
    »Ich weiß es nicht«, sagte Lyannen kopfschüttelnd und ließ sich neben sie fallen. »Er scheint geheilt zu sein, einfach so und urplötzlich. Aber er ist nicht mehr derselbe. Er hat gesagt, dass er gestorben und dann zurückgekehrt ist und dass er Dinge gesehen hat, die wir nicht sehen dürfen. Und er hat auch die Finsternis erwähnt, aber ich habe nicht verstanden, was er damit sagen wollte. Ich erkenne ihn überhaupt nicht wieder. Er ist so fremd, so verändert.Viel härter. Irgendwie reifer. Ich weiß nicht, ob ich mich klar ausgedrückt habe. Ihr werdet es ja gleich selbst sehen.«
    »Und wo ist er jetzt hin?«, wollte Dalman wissen.
    »Zum Fluss. Er wollte sich waschen und umziehen. Und er hat gesagt, dass er Hunger hat.« Lyannen schaute sich um. »Haben wir noch was zu essen?«
    »Kartoffeln, aber die sind kalt«, antwortete Drymn. »Wir könnten sie ihm ja aufwärmen.«
    Lyannen nickte. »Er kam mir so abweisend vor. Und er wollte allein sein.«
    »Glaubst du, dass ihm was zustoßen könnte?«, fragte Elfhall.
    »Nein.« Lyannen schaute in den Wald, in den Ventel verschwunden war. »Ich denke, dass nichts auf dieser Welt ihm noch etwas anhaben kann.«
    Eine Zeit lang sahen und hörten sie nichts von Ventel. Sein Pferd Ardir schien auch gemerkt zu haben, dass sich etwas verändert hatte, denn es kam zu ihnen, schnaubte und stampfte unruhig mit den Hufen auf. Schließlich, nach einer längeren Zeit, in
der die anderen tatenlos warteten, erschien Ventel zwischen den Bäumen, kam mit großen Schritten auf sie zu und setzte sich zu ihnen ans Feuer, direkt gegenüber von seinem Bruder. Er hatte eine dunkelblaue Uniform mit hellblauen Stickereien angezogen, die Lyannen noch nie zuvor an ihm gesehen hatte, und wieder seine Lederhandschuhe übergestreift. Das Schwert glänzte im Gürtel an seiner Seite, seinen Reisesack hatte er sich quer über die Brust gehängt und unter dem rechten Arm trug er den zusammengelegten Umhang aus Mondseide. Seine blonden Locken fielen ihm wild auf die Schulter, doch das Gesicht des jungen Mannes war ernst. Eine beeindruckende Aura schien ihn zu umgeben.
    »Schön zu sehen, dass du wieder gesund und munter bist, werter Herr Ventel Weißhand«, meinte Dalman fröhlich.
    Ventel warf ihm einen schneidenden Blick zu, seine blauen Augen funkelten. »Ventel Weißhand ist tot«, verkündete er. Seine Stimme klang beinahe ausdruckslos.
    Erschrocken wich Dalman einen Schritt zurück.
    Ventel ließ seinen Reisesack und seinen Umhang zu Boden fallen und setzte sich ans Feuer. Er warf einen flammenden Blick in die Runde. »Was zu essen!«, befahl er. »Und was zu trinken!«
    Mit fast ehrfürchtiger Scheu reichte ihm Drymn den Teller mit den Kartoffeln und die Wasserflasche.
    Ventel bedankte sich nicht. Er sagte kein Wort mehr, bis er zu Ende gegessen und getrunken hatte. Dann stellte er Teller und Flasche auf die Erde, erhob sich schnell und nahm den Sack und den Umhang wieder auf. »Also, was ist jetzt?«, fragte er knapp. »Wenn wir uns nicht ranhalten, werden wir nirgendwo rechtzeitig ankommen.«
    Lyannen schaute ihn bestürzt an. Nie zuvor hatte Ventel in diesem Ton geredet. Das passte eigentlich gar nicht zu ihm. Und was hatte er damit gemeint, dass Ventel Weißhand tot sei? Was konnte ihm zugestoßen sein, dass er sich so verändert hatte?

    »Beeilen wir uns also!«, sagte Ventel harsch. »Löscht dieses Feuer und macht euch zum Aufbruch bereit. Es ist euch vielleicht nicht klar, aber wir müssen noch das ganze Reich der Wälder durchqueren und wir haben keine Zeit zu verlieren. Wenn wir in dem Tempo weitermarschieren, dann ist alles vorbei, bis wir die Grenze erreichen.«
    »Die Grenze?«, fragte Lyannen verwirrt.
    »Das feindliche Heer wird sich wohl kaum im Druidenkreis niederlassen, um da die rätselhaften Prophezeiungen auf den Felsbrocken zu entschlüsseln«, entgegnete ihm Ventel. »Sie werden sich selbstverständlich in Richtung Grenze bewegen, und dabei werden sie Eileen mit sich nehmen, keine Frage. Denn uns steht die größte Schlacht der letzten Jahrtausende bevor. Die alles entscheidende Schlacht.« Er warf Lyannen einen durchdringenden Blick zu. »Und frag mich jetzt nicht, woher ich das weiß.«
    Lyannen hörte auf, seinen Bruder anzustarren, und packte seine Sachen

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