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Gefaehrten der Finsternis

Titel: Gefaehrten der Finsternis Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Chiara Strazzulla
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rauem bräunlichem Pergament und war äußerst detailliert. Hier und da fielen Notizen in einer seltsamen Runenschrift auf, die der Einsame nicht lesen konnte, die Viridian ihm aber nur zu gern übersetzte.
    »Das ist die Sprache der Droqq«, erklärte er ihm. »Ich war wirklich verblüfft, als ich erfahren habe, dass sie schreiben können. Das würde man von Kerlen wie ihnen nicht unbedingt erwarten, was? Doch sie können es, und schau mal, ähneln diese Zeichen nicht den Runen der Ewigen? Deswegen sind sie auch so leicht zu übersetzen. Meine persönliche Theorie dazu lautet, dass in der Vergangenheit ein Ewiger bis hierher gekommen sein muss und ihnen das Schreiben beigebracht hat.«
    Der Einsame nickte. »Das kann sein. Aber du hast doch die Karte gezeichnet, oder?«
    »Wie hast du das erraten?« Viridian lachte fröhlich, er hatte seine übliche gute Laune wiedergefunden. »Ja, das war ich, ich habe mich dabei auf meine eigenen Beobachtungen gestützt und auf das, was mir die Droqq erzählt haben. Sie brauchen keine Landkarten und haben nie welche besessen, aber ich wollte etwas Schriftliches haben, um bei Bedarf nachschauen zu können. Die
hier wird nicht ganz genau sein, denn die Droqq haben ihre eigene Art, sich auszudrücken, und manchmal fällt es schwer, sie zu verstehen. Aber sagen wir mal: Sie ist ausreichend.Versuchen wir, deinen Weg bis hierher nachzuverfolgen.«
    Der Einsame runzelte die Stirn. »Wozu?«
    »Damit du eine Vorstellung davon bekommst, wo du jetzt bist«, erwiderte Viridian. »Und wo alles andere ist.Wenn du nur zu deinem Vergnügen unterwegs bist und es dich nicht kümmert, wohin du gehst, dann brauchst du keine Karte, aber wenn du ein bestimmtes Ziel vor Augen hast, solltest du genau wissen, wo du dich befindest. Also, wo hast du die Grenze zu den sogenannten Unbekannten Ländern überschritten?«
    »Auf Höhe der Letzten Stadt«, antwortete der Einsame. »Ich weiß nicht, ob du dich nach all dieser Zeit noch daran erinnerst, aber sie müsste sich einige Meilen südwestlich von diesem Ort hier befinden.«
    »Ich weiß, wo die Letzte Stadt liegt«, sagte Viridian und beugte sich über den Tisch, um die entgegengesetzte Ecke der Karte zu erreichen. »Da ganz unten rechts von dir, wo der rote Punkt ist, siehst du? Ja, gut, genau dort. Die gestrichelte Linie daneben stellt die Grenze dar. Bist du unter dem Schroffen vorbeigekommen?«
    Der Einsame nickte. »Ich glaube, ich bin noch einige Meilen weitergegangen, bis ich an einen Fluss kam. Also ehrlich gesagt war es eher ein Bächlein. Ziemlich trüb, aber das Wasser war trinkbar. Ich weiß nicht, ob es ein ständiger Wasserlauf ist.«
    »Immer geradeaus, hast du gesagt?« Viridian verfolgte mit dem Finger den Weg auf der Karte. »Ja, hier verläuft ein Bach. Es müsste der sein. Er fließt einige Meilen hier entlang, bis er sich im Süden am Rand der Ödnis verliert. An dieser Stelle hättest du, wenn du immer weiter geradeaus gegangen wärst, auf eine felsige Steilwand stoßen und deshalb deine Richtung ändern müssen. Stimmt das?«
    »Ja, tatsächlich bin ich dann nach Norden gewandert«, bestätigte
der Einsame, »nachdem ich ein kurzes Stück zurückgegangen war. Ich habe dann eine gewisse Zeit, so drei, vier Tage diese Richtung verfolgt. Dann, als mein Wasservorrat aufgebraucht war, habe ich eine Quelle erreicht.«
    »Das ist die hier.« Viridian zeigte auf eine Stelle auf der Karte. »Und da haben dich die Droqq gefunden. Sie haben mir erzählt, es sei ein harter Kampf gewesen und du hättest viele von ihnen getötet, bevor du das Bewusstsein verlorst.Während deiner Ohnmacht haben sie dich gut drei Meilen durch die Ebene nach Osten bis hierher geschleppt, in die Große Stadt der Droqq. Und hier habe ich dich gefunden, wie du umgekehrt von einem Balken gebaumelt hast.«
    Der Einsame schaute auf die Landkarte. »Wir sind nicht sehr weit vom Druidenkreis entfernt.«
    »Das ist wohl richtig, aber es wäre sinnlos, dorthin zu gehen«, erwiderte Viridian.
    »Und warum?« Auf der Stirn des Einsamen bildete sich eine nachdenkliche Falte. »Soweit ich weiß, sammelt sich der Feind am Druidenkreis. Wenn wir also gegen ihn kämpfen wollen, müssen wir genau dorthin.«
    »Nicht mehr.« Viridian schüttelte den Kopf. »Manchmal dringen Nachrichten selbst durch den dichten Nebel, der ständig über den Unbekannten Ländern liegt. Der Feind hat seine Truppen schon seit einiger Zeit vollzählig versammelt und geht nun zum Angriff über, wobei er

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