Gefaehrten der Finsternis
blieb nichts anderes übrig, als ihm zu folgen.
Slyman brauchte nicht lange, um zu merken, dass Rabba Nix die Wahrheit gesagt hatte: Kalka Nadd war wirklich kein schöner Ort. Die meisten Leute, die durch die Straßen zogen, waren betrunken, schmutzig und stanken, und man sah keinen einzigen ehrbaren Mann. Ob Ka-da-lun, Zentauren, Goblins, Kobolde oder Menschen aus dem Wald - auf Slyman wirkten sie alle wie Räuber, Mörder, Halsabschneider und Dirnen. Hier hätte man nicht einmal für Geld jemanden gefunden, der vertrauenswürdig aussah.
Slyman schaute sich unruhig um. Und rückte näher an seinen Begleiter Nix heran. »Rabba Nix«, raunte er. »Bist du wirklich sicher, dass das der richtige Ort für uns ist?«
»Ganz sicher.« Rabba Nix zuckte mit den Schultern. »Vertrau mir, ich weiß, was ich tue.«
»Hoffentlich.« Slyman verdrehte die Augen. Er wusste nicht warum, aber er hatte ein sehr ungutes Gefühl.
Er folgte Rabba Nix bis zur Tür einer zwielichtigen Kneipe. Slyman sah zu dem alten, von Holzwürmern zerfressenen Schild empor. Den verblassten Runen nach mussten sie vor der Taverne zum Schwarzen Adler stehen. Slyman fragte sich, wie viele der Stammgäste wohl in der Lage waren, diese Runen überhaupt zu lesen. Aus dem Innern des Lokals drangen Gelächter, Gesänge
von Betrunkenen, Stimmengewirr und Gläserklirren nach draußen, außerdem etwas, das Slyman unschwer als die lauten Geräusche einer Schlägerei erkannte.
Er sah Rabba Nix noch einmal forschend an. »Hör mal, Rabba Nix, vielleicht ist es doch keine so gute Idee...«
Umsonst. Der Ka-da-lun hörte ihm nicht einmal zu, drückte die Tür auf und verschwand sorglos pfeifend im Raum dahinter. Slyman seufzte. Die Sache lief nicht so, wie er sie sich vorgestellt hatte. Aber der Gedanke, allein auf der Straße zurückzubleiben, war auch nicht gerade verlockend, also blieb ihm nichts anderes übrig, als ebenfalls einzutreten. So drückte Slyman die Tür auf, die sich quietschend öffnete, und machte ein paar unsichere Schritte nach drinnen, wobei er die Tür einfach wieder hinter sich zufallen ließ.
Eine Welle von Gestank stieg ihm in Nase, sobald er den Raum betreten hatte. Drinnen im Schankraum war es dunkel, nur einige Öllampen an der Decke gaben ein wenig Licht. Trotz der stickigen Hitze brannte in einer Ecke ein Kaminfeuer, die Luft war hier zum Schneiden. Slyman schaute sich im verräucherten Halbdunkel des Lokals suchend nach Rabba Nix um. Er brauchte ein Weilchen, bis er ihn ausgemacht hatte. Das Gasthaus war überfüllt, und unter den Gästen gab es zahlreiche Ka-da-lun, die für Slyman auf den ersten Blick alle gleich aussahen. Alle trugen ihre traditionelle Kleidung, hatten die typischen spitzen Gesichter und banden sich die Haare genauso im Nacken zusammen wie Rabba Nix. Doch schließlich erkannte Slyman seinen Begleiter. Rabba Nix war ein wenig größer als der Durchschnitt und seine Haare waren leuchtend orange. Seine Narben waren besonders lang und ausgezackt, und seine Tätowierung auf dem Schulterblatt spielte ein wenig ins Violette. Und vor allem hatte er weder so dunkle Ränder unter den Augen wie die meisten Gäste noch diesen leicht betrunkenen Ausdruck auf dem Gesicht. Rabba Nix stand an den Tresen gelehnt und unterhielt sich
halblaut mit einer Gruppe von Männern, die in schwere Umhänge gehüllt waren. Ein Stück weiter weg hatten einige Fey - Gnome, die im Sumpf lebten - aufgehört zu trinken und starrten Slyman neugierig an. Schnell und verlegen durchquerte der junge Ewige daraufhin den Raum und gesellte sich zu Rabba Nix an den Tresen.
Sobald sie ihn kommen sahen, drehten sich die drei Männer, mit denen Rabba Nix redete, zu ihm um. Sie waren ungefähr so groß wie Slyman, aber während er ja noch ein Jüngling war, handelte es sich bei ihnen um gestandene Männer. Der Größte von ihnen erreichte knapp einen Meter achtzig, der Kleinste war ungefähr zehn Zentimeter kleiner. Sie waren in zerrissene Reiseumhänge aus braunem Stoff gehüllt, deren Kapuzen den größten Teil ihrer Gesichter verbargen, doch Slyman konnte im Gegenlicht an ihren Profilen erkennen, dass sie Köhler aus dem Wald waren.
Der Größte von ihnen deutete auf den jungen Ewigen und fragte leise mit tiefer, männlicher Stimme: »Ist er das?«
Rabba Nix nickte.
»Wir reden noch darüber«, sagte der zweite Mann. »Besorgen wir uns erst was zu trinken.«
Als habe er diesen letzten Satz gehört, beugte sich nun von der anderen Seite ein junger Gnom
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