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Gefaehrten der Finsternis

Titel: Gefaehrten der Finsternis Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Chiara Strazzulla
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Idee, denn bei den Elben hätte es nur einen Toten gegeben und danach haben die losgelegt und gekämpft und fast ihre ganze Truppe vernichtet. Nur vier von den Pixies haben überlebt. Er erinnerte sich an den Halbsterblichen, weil der mit einer außergewöhnlichen Wut zugeschlagen hat. Das müsste nicht länger als eine Woche her sein. Sie hielten sich im Süden auf, in dem Gebiet, wo sich die Tore zum Feenreich befinden sollen. Die Elben waren in Richtung Norden unterwegs, ganz sicher und entschieden, und ich bezweifele, dass sie inzwischen eine andere Richtung eingeschlagen haben. Das ist alles.«
    »Ich … äh, danke«, stotterte Slyman. »Wirklich, ich weiß gar nicht …«
    »Du musst uns nicht danken, Kleiner«, sagte der Mann mit den kupferfarbenen Haaren lächelnd. »Das war ein fairer Handel. Es ist eine Freude, mit dir Geschäfte zu machen.«
    Ferlandan brach in ein Kichern aus. »Du verkaufst dich aber zu billig, Mann«, sagte er. »Für diesen hübschen Goldkram hätten wir dir eigentlich mehr als diese Geschichte liefern müssen.«

    »Na schön, aber jetzt müssen wir aufbrechen, um uns ein Zimmer zu suchen«, unterbrach Rabba Nix das Gespräch. Er stand auf und packte Slyman am Arm. »Wir müssen morgen in aller Frühe los und brauchen unseren Schlaf.«
    Rabba Nix kehrte dem verräucherten, überfüllten Raum den Rücken und zog Slyman über die Treppe des Gasthauses hinter sich her nach oben.
    Ferlandan stand auf und klopfte sich den zerrissenen, schweren Umhang ab. Dieser Abend war äußerst positiv für ihn verlaufen. Er hatte auf Kosten anderer getrunken und dazu noch ein hübsches Sümmchen verdient, ohne sich groß dafür anstrengen zu müssen. Jetzt konnte er sich gut noch ein Bier holen.
    »Setz dich, Sterblicher.«
    Eine kalte, harte Stimme warf ihn wieder auf seinen Stuhl zurück und nagelte ihn dort buchstäblich fest. Die hochgewachsene, in einen Umhang gehüllte Gestalt, die bis jetzt in der Ecke gesessen hatte, stand plötzlich vor Ferlandan, die Hände in die Hüften gestützt, das Gesicht noch immer durch die Kapuze verdeckt.
    Ferlandan schluckte. »Was wollt Ihr?«, fragte er.
    »Eine Antwort.« Zwei beunruhigende grüne Augen starrten ihn aus dem Schatten der Kapuze an. »Der junge Elbe, der Euch die Ohrringe gegeben hat.Wer war das?«
    »Das weiß ich nicht. Ich habe ihn noch nie gesehen«, sagte Ferlandan zögernd. »Noch nie vor heute Abend.«
    Der Mann mit der Kapuze setzte sich. »Wie viel willst du für die Ohrringe haben?«
     
    Der Kamin zog nicht sehr gut und so füllte sich das Zimmer mit Rauch. Bei dem allgemeinen Zustand des Gasthauses hätte Slyman eigentlich damit rechnen müssen. Andererseits schloss auch das Fenster nicht richtig, und wenn man bei der Zugluft das Kaminfeuer ausgelöscht hätte, würde man den Tod durch Erfrieren in Kauf nehmen. Nachdem sie eine Weile darüber nachgedacht hatten,
war es ihm und Rabba Nix gelungen, das Fenster so zu fixieren, dass es gerade so weit geöffnet blieb, dass Rauch abziehen konnte und trotzdem möglichst wenig Kälte eindrang. Nun war die Luft im Zimmer einigermaßen erträglich.
    Slyman hatte sich auf seine Pritsche direkt an der rechten Wand fallen lassen. Rabba Nix hatte sich auf dem Boden vor dem Kamin zusammengerollt, und beide starrten, in ihre eigenen Gedanken versunken, ins Feuer. Die tanzenden, züngelnden Flammen hatten etwas Faszinierendes.Wenn man sie zu lange anstarrte, konnte man nichts anderes mehr sehen, selbst wenn man den Blick abwandte. Ihr Widerschein zeichnete seltsame Reflexe auf das grünliche Gesicht von Rabba Nix und ließ es ganz anders wirken. Woran der Ka-da-lun, der so abwesend vor dem Feuer saß, wohl dachte? Slyman konnte nur noch an die Aufgabe denken, die ihm der Einsame anvertraut hatte - die Rebellen zu finden -, und an den Einsamen selbst. Seit er ihn verlassen hatte, hatte er viele Dinge entdeckt, die er sich vorher nicht einmal hätte vorstellen können. Unter anderem, dass die Welt keineswegs dem Bild entsprach, das er sich vorher aufgrund von Büchern ausgemalt hatte. Selbst der Wald, der sich doch eigentlich nicht verändert haben konnte, wirkte anders als zu der Zeit, als er ihn mit dem Einsamen durchquert hatte. Die Wege zwischen den Bäumen waren plötzlich viel schwerer zu finden gewesen und die Vorstellung von einer Stadt, die sich unten im Tal versteckte, war mit einem Mal alles andere als romantisch. Kalka Nadd war wirklich kein idyllischer Fleck, dieses Gasthaus war es noch

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