Gefaehrten der Finsternis
wunderbar auf der Welt. Und zwar so gut, dass die Götter, deren Aufgabe es eigentlich war, für das Wohl und den Frieden in der Welt zu sorgen, nie etwas zu tun hatten. So begannen sie allmählich, sich zu streiten. Weißt du, wenn man sich langweilt, bekommt man sich leicht aus nichtigem Grund in die Haare. Jetzt stell dir das mal vor, wie die Götter sich streiten! Da es hier um Götter geht, sind das natürlich nicht einfach nur die üblichen Wirtshausraufereien. Irgendwann hatte der Gott der Götter genug von diesen schlecht gelaunten Unsterblichen, die ihm den lieben langen Tag verdarben, weil sie versuchten, einander umzubringen, was ihnen natürlich nicht gelang, und entschied, dass er irgendein Mittel finden musste, damit sie mit ihrem Gezanke aufhörten.«
Langsam hatte Rabba Nix Geschmack am Erzählen gefunden und begleitete seine Geschichte mit theatralischen Gesten, sodass er wie die Karikatur eines Barden wirkte. Slyman musste sich zurückhalten, damit er nicht laut loslachte.
»Also überlegte er und kam darauf, dass er den Göttern am Besten etwas zu tun geben sollte, also für sie unten auf der Welt irgendwelche Schwierigkeiten erfinden sollte. Kurz gesagt: Er versuchte, etwas Bewegung in die Sache zu bringen. Und er erschuf zwei weitere Völker: die Goblins und die Kobolde. Da ihm beim ersten Wurf die Ewigen und die Feen schlichtweg zu gut gelungen waren, bemühte er sich diesmal, die neuen Wesen möglichst hässlich, ordinär und unpassend zu erschaffen. Und wenn du mir diese Bemerkung erlaubst - das ist ihm doch ausgezeichnet gelungen! Also, der Gott der Götter schickt die Goblins und die Kobolde in die Welt und glaubt, nun hätte er wenigstens für eine Weile seine Ruhe, weil die Götter damit beschäftigt sein würden, die neuen Wesen in Schach zu halten. Ein großer Irrtum! Als die Goblins und die Kobolde in die Welt kommen, nehmen die dortigen
Bewohner in ihrem Großmut die Neuankömmlinge herzlich auf, so hässlich die auch sein mögen, und unterweisen sie darin, wie zivilisierte Wesen zu leben.Tja, und die Goblins und die Kobolde, die zwar grob und vulgär sind, aber auch etwas schlicht im Geiste, gehorchen ihnen ganz brav und bereiten nicht die geringsten Schwierigkeiten. Der Gott der Götter traut seinen Augen nicht!«
Jetzt nahm Rabba Nix einen so komischen Ausdruck der Verzweiflung an, dass Slyman laut herausplatzen musste.
»Die Götter streiten sich untereinander noch schlimmer als vorher! Also entschließt sich der Gott der Götter, zu drastischeren Maßnahmen zu greifen, und er erschafft die Sterblichen - in der Annahme, dass die, sobald sie die Ewigen sahen, furchtbar neidisch würden und er endlich ein nettes Problem hätte, das gelöst werden muss. Also kommen nun die Sterblichen in die Welt und werden von allen dortigen Bewohnern aufgenommen und tatsächlich werden sie beim Anblick der Ewigen ein wenig neidisch. Doch der Gott der Götter hatte sich wieder geirrt und sie zu freundlich und klug erschaffen. Die Sterblichen befinden ziemlich schnell, dass es sehr hässlich wäre, auf die neidisch zu sein, die sie so gut behandelt haben, und dann sehen sie die Goblins und die Kobolde und begreifen, dass sie es auch viel schlechter hätten treffen können. Und es geschieht - nichts.«
Rabba Nix machte eine lange dramatische Pause, während das Feuer im Kamin knisterte und von unten aus dem Schankraum der Lärm einer Schlägerei bis zu ihnen nach oben drang.
Slyman beugte sich zu Rabba Nix herüber. »Und dann? Was tut der Gott dann?«
»Das möchtest du wohl wissen, was?« Rabba Nix kicherte. »Der Gott der Götter ist verzweifelt. Denn inzwischen haben sich die Streitigkeiten zwischen den Göttern zu einer riesigen weltumspannenden Rauferei entwickelt, hunderttausendmal lauter als die, die du von da unten hörst. Daraufhin schließt der Gott der Götter
sich in sein Arbeitszimmer ein - er muss schon eins haben, wo auch immer das sein mag -, und er denkt zehn Tage und zehn Nächte lang nach, um ein Volk zu erfinden, das gleichzeitig schlau und betrügerisch, intelligent und streitlustig ist, dem äußeren Anschein nach harmlos und doch vom Wesen her gefährlich. Und schließlich erschafft er uns! Er erschafft uns nicht nur als ein Volk, sondern gleich als vier verschiedene Stämme und sendet uns in die ganze Welt hinaus. Und genau, wie er es vorhergesehen hatte, kommen die Gnome - wie uns die anderen nennen - mit den vorherigen Bewohnern aus, aber sobald wir einander ansehen
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