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Gefaehrten der Finsternis

Titel: Gefaehrten der Finsternis Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Chiara Strazzulla
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und merken, dass wir vier verschiedene Stämme sind, beginnen wir sofort, einander zu hassen, und schwören uns blutige Feindschaft. Und wenn wir uns streiten, wirkt eine Rauferei zwischen Göttern dagegen wie ein Kinderspiel. Als die Götter mitbekommen, was los ist, raufen sie sich vor Verzweiflung die Haare.«
    Auch Rabba Nix, der völlig in seiner Rolle als Erzähler aufging, fuhr sich dramatisch mit den Händen durch seine roten Haare, die danach völlig zerwühlt zurückblieben.
    »Die Götter hören sofort mit ihren eigenen Kämpfen auf und versuchen, etwas zu tun, um unsere vier Stämme in Schach zu halten. Aber vergebens! Wir sind verdammt starrköpfig und noch dazu schlau und hören nie mehr auf, uns zu streiten. Aus diesem Grund hat der Gott der Götter keine weiteren Völker mehr erschaffen. Das brauchte er nicht mehr.Wir können die Götter mühelos bis ans Ende aller Zeiten in Atem halten.«
    Auf Rabba Nix’ spitzes, kleines Gesicht legte sich im Schein des Kaminfeuers ein feierlicher Ausdruck. Slyman starrte ihn ein Weilchen an und lachte dann. »Das hast du dir doch selbst ausgedacht«, sagte er. »Niemand kann so naiv sein, ein solches Märchen für wahr zu halten.«
    »Wie du meinst.« Rabba Nix zuckte mit den Schultern und hob hochmütig eine Augenbraue. »Aber du wirst hoffentlich zugeben, dass es dir gefallen hat.«

    »Oh ja, und zwar richtig gut!«, gestand Slyman. »Es war fantastisch. Hast du je daran gedacht, Barde zu werden?«
    Rabba Nix stand auf, holte den Schürhaken, der an der Wand lehnte, stocherte damit zwischen den Holzscheiten herum und wedelte den Rauch mit der Hand weg. »Nein, noch nie. Ich denke mal, das würde nur wieder ein Reinfall, wie jedes Mal. Ich habe dir doch von meinen Blamagen erzählt.«
    »Kann sein.« Slyman streckte sich auf der durchgelegenen Matratze aus und starrte gedankenversunken an die Decke. Jetzt hätte er gern geschlafen. Doch es hatte nicht den Anschein, als würde das Getöse von unten sich beruhigen. Stattdessen schallte nun auch noch ein Lied herauf. »Aber ich glaube nicht, dass es diesmal wieder ein Reinfall werden würde.«
    »Danke«, erwiderte Rabba Nix trocken. Dann stellte er den Wandschirm vor dem Kamin auf, woraufhin das halbdunkle Zimmer nur noch von einem leichten rötlichen Feuerschein erhellt wurde. Die Augen des Ka-da-lun leuchteten durch die Dunkelheit. »Nicht etwa, dass mir die Meinung eines Elben etwas bedeuten würde«, fügte er hastig hinzu.

SECHZEHN
    W IEDER WAR ES Scrubb Vyrkan, der den Herrn der Finsternis zur Vernunft brachte. Gylion tobte vor Wut, als er erfuhr, dass Tyke von Mirnar entgegen allen Erwartungen seinen Verfolgern entkommen konnte - noch dazu mit einem Goblinsäbel und einem Dämonenumhang, unter dem er sich verstecken konnte. Zu allem Unglück waren die vier Dämonen gezwungen gewesen, den Riesenork zu töten, um ihre eigene Haut zu retten. Der Ork hatte ein paar Untote, die vom Lager als Unterstützung herbeigeeilt waren, in Stücke gerissen, und nun irrten diverse Einzelteile ihrer Körper durch die Gegend und suchten einander. Also eine vollkommene Niederlage. Der junge Sterbliche hatte es geschafft, das größte Heer zu demütigen, das seit der Urnacht aller Zeiten von der Finsternis zusammengezogen worden war.
    »Das darf niemals bekannt werden!«, fauchte Gylion, nachdem die Dämonen hinausgegangen waren und er mit Scrubb allein zurückgeblieben war. »Wenn herauskommt, dass die Schwarzen Truppen von einem kleinen Jungen an der Nase herumgeführt wurden, dann ist alles verloren!«
    Scrubb gähnte träge. »Ganz ruhig, davon wird schon niemand erfahren«, erwiderte er gelassen. »Man kann alles geheim halten, wenn man nur will, auch das hier. Oder besser: das hier ganz besonders gut. Jetzt benutz doch mal deinen genialen Verstand, alter
Freund, und denk nach. Unser kleiner Ausreißer ist allein da draußen, ohne Wasser oder andere Vorräte. Er muss unser ganzes Lager durchqueren und dann noch ein recht großes Waldstück, bevor er eine Möglichkeit hat, sich in Sicherheit zu bringen. Schon jemand, der gesund und gut ausgerüstet ist, hätte damit so seine Schwierigkeiten … Und er ist verletzt, denn soweit ich gehört habe, hat der Ork ihm eine ganz schöne Wunde verpasst. Was für eine Überlebenschance gibst du ihm also?«
    »Eine kleine«, musste Gylion zugeben.
    »Sag ruhig: gar keine. Der spielt uns direkt in die Hände«, sagte Scrubb. »Und jetzt erklär ich dir alles. Prinz Tyke von Mirnar, der

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