Gefaehrten der Finsternis
gerade mal fünfhundert Jahre alt, müde und staubbedeckt, im Sattel eines ebenso erschöpft wirkenden Pferdes. Er sah aus, als hätte er sich keinen Augenblick ausgeruht, seit er die Hauptstadt verlassen hatte. Die Leute, die ihm folgten, wirkten jedoch frisch und kampfbereit. Ganz offensichtlich kamen sie aus Mymar, der Stadt in den Wäldern. Sie waren sehr groß und strahlten Stolz und Selbstbewusstsein aus. Ihre sehr blonden bis silbernen Haare fielen ihnen mindestens bis zur Taille und waren meistens zu komplizierten Zopffrisuren zusammengenommen. Sie trugen keine Uniform, sondern kurze, blendend weiße Gewänder und Schienbeinschoner aus hellem Leder. Ihre Waffen waren Bogen aus dunklem Holz und schwarz gefiederte Pfeile, sowie lange Schwerter, die ganz offen ohne Scheide an ihren Gürteln hingen. Sie wirkten so entschlossen zum Kampf, dass die Leute bei ihrem Anblick begeistert in die Hände klatschten. Doch bald verstummte der Beifall wieder und machte enttäuschten Bemerkungen Platz, als klar wurde, dass die Männer aus Mymar nur eine kleine Gruppe waren, nicht mehr als dreihundert Krieger. Man hatte sich von dort wenigstens das Doppelte erwartet.
Die Männer aus Mymar durchquerten schweigend und mit stolz erhobenen Häuptern die Stadt auf dem Weg zur Residenz. Kurze Zeit später hatten die Soldaten in Weiß neben dem Heer von Dardamen auf dem Hauptplatz ein Lager aufgeschlagen und ihr Anführer war mit dem Boten zum Gespräch beim König. Schon bald wurde der Grund klar, warum nur so wenig Leute geschickt worden waren: Mymar wollte sich nicht all seiner Kräfte berauben, da es zuerst um sein eigenes Los besorgt war und dann erst um das der Hauptstadt. Sie hatten fürs Erste ihre dreihundert besten Männer gesandt, unter dem Befehl von Hauptmann Leidhall, einem alten Kämpen, der schon im letzten Krieg gegen die Finsternis gekämpft hatte.Wenn möglich, würden sie später noch andere Männer direkt an die Front schicken. Niemand nahm ihnen das übel.Alle konnten die Gründe der Leute aus Mymar verstehen und eine kleine Schar war immer noch besser als nichts. Der Sire zeigte sich dankbar für die Unterstützung und bot Leidhall eines der besten Zimmer in der Residenz als Unterkunft an. Der lehnte die Einladung allerdings freundlich ab und sagte, er sei Luxus nicht gewöhnt und würde lieber in der Nähe seiner Männer bleiben. Danach verabschiedete er sich und schlug sein Lager an der Spitze seiner Abteilung auf dem Platz auf. Diese Begebenheit verbreitete sich rasch in der ganzen Stadt und jeder bewunderte das Verhalten des Hauptmanns. Und man wartete gespannt weiter.
Tags darauf kehrten zwei Boten aus dem Norden zurück, die wenn möglich noch erschöpfter waren als der erste. Es waren zwei Soldaten vom Geflügelten Sturm - niemand anders hätte Hunderte von Kilometern in so kurzer Zeit zurücklegen können. Sie kamen aus Syrkun beziehungsweise aus den Städten südlich der Feste und waren beide allein. Der aus Syrkun brachte ein paar hoffnungsvolle Worte von Greyannah, der mitteilen ließ, dass Hauptmann Vandriyan auf der Suche nach dem Sohn des Königs mit einer Abteilung des Geflügelten Sturms zu ihm gekommen
sei und dass sie dem Angriff noch länger standhalten könnten. Greyannah dankte dem König schon im Voraus für die zu erwartenden Truppen. Der andere Bote berichtete, dass die Städte rund um Syrkun schon alle verfügbaren Truppen zur Festung geschickt hätten. Eigentlich waren das gute Nachrichten, doch die Leute in Dardamen wollten nichts als Verstärkung sehen. Und so wartete man weiter gespannt.
Am gleichen Abend kehrte der vierte Bote zurück, aus dem Westen. Er kam aus der Goldenen Stadt, der wohl ungewöhnlichsten Ansiedlung der Benachbarten Reiche. Die Goldene Stadt lag außerhalb des Ewigen Königreiches und Gnomen, Ewige, Zentauren, Sterbliche und sogar Kobolde lebten dort friedlich zusammen. Der Bote hatte Verstärkung mitgebracht, allerdings waren das nur wenige und schlecht bewaffnete Männer: eine Hundertschaft Ewige, viele von ihnen Halbsterbliche, groß und kräftig mit wilden gelb- oder rotblonden Haaren, und ebenso viele Sterbliche mit roten oder kastanienbraunen Haaren, muskulösen Körpern und sehr dunkler Haut, alle mit Streitäxten bewaffnet. Sie hatten keinen richtigen Hauptmann, doch ein Ewiger namens Ulfhart - auch er hatte sterbliches Blut in den Adern - führte sie an und begab sich zum Gespräch mit dem König. Diesmal drang von der Unterredung nichts nach
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