Gefaehrten der Finsternis
drau-ßen. Doch die Leute fühlten sich etwas getröstet - auch wenn die neue Truppe noch nicht einmal zweihundert Mann stark war. Niemand hatte überhaupt damit gerechnet, dass die Goldene Stadt Krieger schicken würde.
Auch dieser Abend verging eigentlich heiter: Die Männer aus der Goldenen Stadt hatten Essen und Trinken mitgebracht; sie brieten Fleisch und Würste über dem Feuer und tranken dazu literweise Bier - das beste Bier der Benachbarten Reiche. Zu den Gesängen der Ewigen gesellten sich nun andere Lieder in der harten Sprache der Sterblichen aus den Wäldern, die den Ewigen aus der Goldenen Stadt besser vertraut war als denen des Ewigen
Königreiches. Bis zum nächsten Morgen kam niemand mehr. Und man wartete weiter gespannt.
Am frühen Morgen des folgenden Tages kam noch ein Bote aus dem Osten, aus Ardistar, der Stadt der drei Flüsse, und brachte ein weiteres Kontingent Ewiger mit. Sie standen unter dem Befehl eines gewissen Amannon, von dem man später erfuhr, dass er entfernt mit der Königsfamilie verwandt war. Amannon trug seine Haare unter einem auffallenden Turban aus leuchtend roter Seide verborgen, der mit einer scharlachroten Feder geschmückt war. Auch diese letzte Gruppe zählte nicht mehr als vierhundert Mann und die Entschuldigungen dafür ähnelten denen aus Mymar. Die Ewigen aus Ardistan waren groß und feingliedrig und wirkten eher melancholisch. Sie hatten helle Augen und ihre Haare waren gewellt oder gelockt. Alle trugen rote oder orangefarbene Gewänder und Stirnbänder und waren mit kostbaren Schwertern mit Griffen aus Gold oder Silber bewaffnet. Sie schritten würdevoll daher. Mit traurigen Stimmen sangen sie traurige Lieder und wirkten wie ein Volk, das viel hatte durchleiden müssen.
Ein letzter Bote erreichte Dardamen am späten Nachmittag. Er kam aus dem Südosten, aus der am Fluss Hallvard gelegenen Stadt Irgist, und brachte eine Schar von zweihundert Reitern mit. Das waren große, muskulöse Ewige aus dem sogenannten »Starken Volk«. Sie hatten tiefblaue oder violette Augen und hellblonde Haare, in die sich hier und da eine dunkle Locke mischte, und standen unter dem Befehl eines gewissen Damarius, eines sehr großen Mannes von mächtiger Statur, den man als schön angesehen hätte, wenn sein Gesicht nicht über und über mit Narben bedeckt gewesen wäre.
An diesem Tag kam niemand mehr und jetzt fehlten auch nur noch zwei Boten: der Mann, der nach Feenquell aufgebrochen war, und der, der nach Süden ans Meer gezogen war. Auf letzteren wartete man am sehnlichsten. Die Städte im Süden waren
bedeutende Hafenstädte und blühende Metropolen, sie hätten gewaltige, entscheidende Kräfte aufbieten können, doch die Beziehungen zwischen Dardamen und ihnen waren schon immer sehr locker gewesen und hatten sich in letzter Zeit noch weiter gelöst. Bis jetzt hatte niemand aus dem Süden auf die wiederholten Hilferufe des Königs geantwortet. Deshalb hatten die Leute aus Dardamen begonnen, ihre Blutsverwandten aus dem Süden als Verräter anzusehen. Tatsächlich hätten alle auch jetzt bereitwillig beschworen, dass der Bote aus dem Süden zum wiederholten Mal allein kommen würde.
Doch stattdessen kehrte der Bote gar nicht zurück. Der, den man nach Feenquell ausgesandt hatte, kam am folgenden Morgen, und seine Nachrichten blieben allein dem König und seinen Feldherren vorbehalten. Doch das Volk hatte seine Ankunft kaum bemerkt, da sich alle Blicke nach Süden richteten und dort verharrten, ohne dass drei Tage lang irgendetwas geschah. Als am Abend des dritten Tages immer noch niemand gekommen war, ließ der König verkünden, man würde nun noch zwei weitere Nächte warten und dann mit oder ohne Truppen aus dem Süden aufbrechen. Das Ziel: Syrkun.
Am nächsten Morgen drängte sich eine Menge von Leuten, die dort eigentlich nichts verloren hatte, auf die Stadtmauern und erforschte den Horizont in Richtung Süden. Alle rechneten damit, dass der Bote noch am gleichen Tag oder am nächsten Morgen zurückkehren würde. Doch den ganzen Tag über war niemand zu sehen und schließlich zogen sich die Leute müde zurück und ließen nur die Wachen auf den Stellungen. Mittag war schon vorüber und alle waren an ihre Arbeit zurückgekehrt, als von den Stadtmauern eine Stimme erscholl.
»Ein Segel! Seht, dort auf dem Fluss, ein Schiff!«
Was auf dem Fluss aufzog, war nicht nur ein Schiff, sondern eine ganze Flotte, mindestens hundert Schiffe mit leicht gebauten Rümpfen aus dunklem Holz
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