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Gefaehrten der Finsternis

Titel: Gefaehrten der Finsternis Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Chiara Strazzulla
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genügt mir. Du wirst mir immer ein Rätsel bleiben, aber im Grunde ist das nicht wichtig. Du bist ein tüchtiger Bursche. Mehr kann ich von einem Reisegefährten nicht erwarten.«
    »Belassen wir es dabei«, sagte Viridian. »Reden wir lieber darüber, was wir tun wollen. Gut, dass ich mich wieder ein wenig beruhigt habe, vielleicht kann ich dann besser denken. Der Anblick war wirklich schrecklich.«
    »Oh ja.« Der Einsame wechselte schnell das Thema. »Und unser Weg wird dadurch nicht leichter. Ich dachte eigentlich, dass wir hinter dem Schroffen nicht mehr so wachsam sein müssten. Stattdessen sind wir nun, wo die Grenzstädte verloren sind, gezwungen, doppelt so vorsichtig zu sein. Und wir können auf keinen Fall unserer geplanten Route folgen.«
    »Hatten wir nicht schon beschlossen, dass wir durch die Unbekannten Länder nach Süden gehen und erst später die Grenze zum Ewigen Königreich überschreiten?«, erinnerte ihn Viridian.
    »Also an der Ödnis vorbei, sodass uns die erspart bleibt? Dann würden wir uns Syrkun von Osten her nähern?« Der Einsame dachte noch einen Moment lang nach, aber es war klar, dass er für seinen Teil schon eine Entscheidung getroffen hatte. »Das scheint mir eine gute Idee«, verkündete er schließlich.

    Viridian stieß einen Seufzer der Erleichterung aus. Immerhin kannte er seinen Gefährten schon so gut, dass er wusste: Wenn dieser sich seinem Plan nicht angeschlossen hätte, hätte er stundenlang diskutieren müssen, um ihn doch noch davon zu überzeugen.
    »Es wäre nicht schlecht, wenn wir heute Abend losziehen. Es ist noch nicht dunkel und wir können dann irgendwo unterwegs Rast machen«, sagte der Einsame. »Ich möchte keine Zeit verlieren, da wir jetzt eine deutlich längere Strecke vor uns haben. Es ist noch nicht spät und der Weg müsste sicher sein. Außerdem möchte ich so schnell wie möglich fort von hier - fort aus der Nähe der Feinde.«
    Viridian musste ihm zustimmen, denn auch ihm war nicht wohl bei dem Gedanken, dass der Feind mit einer so großen Übermacht direkt in ihrer Nähe lagerte.Wenn man sie entdeckte, hätte das bestimmt schlimme Folgen für sie. Er wog die Vor- und Nachteile eines sofortigen Aufbruchs ab und beschloss dann, dass die Vorteile überwogen. »In Ordnung, dann brechen wir also auf«, meinte er, doch er klang etwas resigniert dabei. »Ich muss den Droqq Bescheid sagen. Ich wette, sie haben gedacht, dass wir über Nacht hierbleiben.«
    »Dann wirst du sie wohl enttäuschen müssen«, sagte der Einsame ziemlich harsch. »Wenn wir noch irgendetwas ausrichten wollen, dann müssen wir vor den Schwarzen Truppen in Syrkun sein. Sie sind zwar langsamer und unbeweglicher als wir, aber sie ziehen auch nachts weiter und in der Ödnis können sie einfach immer geradeaus marschieren - oder zumindest beinahe. Unser Weg dagegen könnte viel komplizierter sein.Wenn ich mich hier auskennen würde, wüsste ich bestimmt eine Abkürzung. Aber auch so ist wohl klar, dass wir hier nicht weiter unsere Zeit vertrödeln sollten.«
    »Das habe ich auch nie gesagt«, antwortete Viridian etwas gereizt. »Und vielleicht kennen ja die Droqq eine Abkürzung.«

    »Ich traue deinen Droqq nicht«, sagte der Einsame noch einmal.
    »Aber dir wird nun mal nichts anderes übrig bleiben«, erwiderte Viridian zornig. Nach diesen Worten stand er auf, drehte sich demonstrativ um und ging zu den Anführern der Droqq hinüber.
     
    Der Einsame blieb sitzen und starrte in das verlöschende Feuer. Er ließ es niederbrennen - noch war es nicht dunkel, obwohl sich am Himmel finstere Wolken zusammenballten, und es gab keinen Grund, das wenige verbliebene Holz mit einem nutzlosen Feuer zu vergeuden. In der Ferne dröhnte ein Donnerschlag. Der Einsame erschauerte und wickelte sich enger in seinen violetten Umhang. Er zog die Schultern hoch. Das Bild von der gefallenen, zerstörten Letzten Stadt hatte sich wie ein Brandmal in sein Gedächtnis gebrannt. Der Verlust der Grenzregion, die letzte und schlimmste in einer langen Reihe von schändlichen Niederlagen, war wie ein Fanal. Er zeigte, wie mächtig der Feind war, wie sehr die Ewigen ihn unterschätzt hatten. Arme Welt, und er hatte sich so lange vorgemacht, sie kümmere ihn nicht mehr! Und wie sie das tat! Musste dafür erst das Schicksal sein boshaftes Spiel mit ihm treiben? Er hatte sich geschworen, dass er nie zurückschauen und sich nicht mehr um die Sorgen und Nöte der Ewigen kümmern würde. Und nun war er hier, auf dem Weg

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