Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen

Gefaehrten der Finsternis

Titel: Gefaehrten der Finsternis Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Chiara Strazzulla
Vom Netzwerk:
ohnmächtig vom Pferd gesunken. Erinnerte sich an die Menge, das Durcheinander und dass niemand von seiner Anwesenheit Notiz zu nehmen schien. Er war erschöpft gewesen und der Schmerz um Aturs Tod hatte unerträglich auf ihm gelastet. Ohne es zu merken, war er aus dem Sattel in den Staub gesunken. Als er wieder aufwachte, hatte er als Erstes das Gesicht des Regenten vor sich gesehen, das zwar von tiefem Schmerz gezeichnet war, doch immer noch schön und entschlossen wirkte. Um ihn herum nur die endlose Leere der Ödnis.Von der letzten Stadt war nur noch ein Faden Rauch weit hinten am Horizont zu erkennen. Tyke hatte versucht, sich zu bewegen, aber er war nur wieder hingefallen. Er hatte über dem Sattel eines Pferdes gehangen, wo man ihn abgelegt hatte, damit man ihn nicht tragen musste. Die Letzte Stadt war verloren, aber einige hatten sich gerettet.
    Der Regent hatte ihm alles erklärt. Unter dem Palast gab es einen geheimen Gang, den man gegraben hatte, damit sich die Bewohner im Falle einer Belagerung retten konnten. Er verlief zwei Meilen weit unter der Erde, bevor er in der Ödnis herauskam. Der Regent hatte all die um sich versammelt, die noch fliehen
konnten - Männer, Frauen und Kinder - und sie hinunter in den Gang geführt. Gerade noch rechtzeitig, denn der Feind war mit einem Rammbock zurückgekehrt, und es war ihm schließlich gelungen, das Stadttor zu durchbrechen.
    Die Durchquerung der Ödnis war schrecklich. Sie führten Verwundete mit sich, außerdem Frauen und kleine Kinder. Bei ihrer überhasteten Flucht hatten sie nur wenig Wasser und noch weniger Essen mitnehmen können. Die Pferde hatten nicht lange durchgehalten. Sie hatten viele Verluste beklagen müssen und die Ödnis schien nicht enden zu wollen. Doch der Regent führte sie hartnäckig weiter, und sie schritten vorwärts, wenn auch mühsam. Inzwischen nur noch von der Kraft der Verzweiflung getrieben. Sie waren Tag und Nacht marschiert, ohne jemals anzuhalten. Das Letzte, woran Tyke sich erinnern konnte, war, dass er jemanden rufen hörte, er könne Syrkun sehen. Doch seine Augen erkannten nichts mehr. Sein Blick war getrübt und die Beine trugen ihn nicht.
    Er musste wieder ohnmächtig geworden sein. Ja, so war es bestimmt. Und nun? Wo war er jetzt? Und was war mit den anderen? Was war mit dem Regenten geschehen, mit seiner Frau, seiner Tochter Irmya, die mit einem tapferen Hauptmann verlobt war? Wo waren die heldenhaften Überlebenden der Freien Garde geblieben und ihre Familien? Was war aus den untröstlichen Witwen geworden, die dennoch die Leichen ihrer Ehemänner auf dem Schlachtfeld zurückgelassen hatten, um ihre Kinder in Sicherheit zu bringen? Wie viel Schmerz, wie viel Leid! Nur das machte den Krieg aus.
    Als Tyke versuchte, vom Bett aufzustehen, bemerkte er überrascht, dass es ihm gelang. Jetzt konnte er auch wieder klar sehen. Er machte ein paar unsichere Schritte durch das Zimmer und schaute sich um. Der Raum war klein, hatte einen Ziegelboden und weiß getünchte Wände und war ziemlich spartanisch eingerichtet: eine Liege mit grünen Leinenlaken, ein Korbstuhl
und ein kleiner Nachttisch, auf dem eine randvoll gefüllte Karaffe Wasser und ein Glas standen. Vor der Liege lag eine Matte und an den Fenstern hingen grüne Vorhänge. Die Wand vor ihm schmückte ein Teppich, auf dem ein Symbol abgebildet war, und zwar ein großes S, von Dornenranken umgeben, aus denen drei Rosenknospen erblühten, eine weiße, eine rote und eine gelbe. Das gleiche Symbol fand sich auf der Fußmatte wieder.
    Da endlich wusste Tyke, wo er sich befand. Es war das Wappen von Syrkun. Er musste in der Feste sein, in Sicherheit. Doch diese Sicherheit würde nicht ewig dauern, dachte er düster.Trotz allem fühlte er sich aber befreit. Er setzte sich wieder auf die Liege, trank einige Schlucke Wasser und glättete sich die Haare. Er überlegte schon, ob er den Regenten und die anderen suchen sollte, als etwas seine Aufmerksamkeit erregte.
    Hinter der Tür hörte man zwei Männer, die sich laut stritten. Der Klang ihrer Stimmen und die Sprache wiesen die beiden als Ewige aus.Tyke verstand ihre Sprache, wenn auch nicht vollkommen, und seine Kenntnisse reichten aus, um dem Gespräch in den Grundzügen folgen zu können.Was machte es schon aus, wenn er ihnen ein wenig zuhörte? Sie redeten schließlich so laut. Er legte das Ohr an die Tür und lauschte.
    »Also, du siehst doch genau, dass wir jemanden schicken müssen, Greyannah«, sagte einer der beiden

Weitere Kostenlose Bücher