Gefaehrten der Finsternis
Ewigen aufgebracht.
»Aber ich sehe keinen Grund dafür!«, erwiderte der andere. »Syrkun kann standhalten. Es hat tausend Mal standgehalten, du warst selbst dabei, also leugne es nicht. Wir wissen von keinem von beiden, wie lange sie brauchen werden. Im Norden liegt die Ödnis, die einen müssen also erst einmal ihre Vorräte auffrischen, wenn sie dort hindurch wollen. Und dann weiß ich weder, welchen Weg sie wählen, noch wo sie Rast einlegen wollen. Und auf die Verstärkung muss man warten, bis die Männer dem Ruf zu den Waffen gefolgt sind, und ich habe keine Ahnung, wie lange das dauern wird.«
»Aber wenn du ihnen von der Grenze erzählst? Ich will sie ja nicht zur Eile antreiben, Greyannah. Aber sie müssen doch Bescheid wissen, dass die Grenzregion verloren ist! Dass der Regent der Letzten Stadt hier in Syrkun ist! Und sogar der junge Mirnar!« Jetzt lauschte Tyke noch aufmerksamer, auch, weil der Ewige jetzt leiser sprach. »Du weißt doch, Greyannah, dass wir diesen Krieg nie gewinnen werden, wenn ich es nicht schaffe, Myrachons Sohn wiederzufinden. Wir können mit all unserer Kraft kämpfen, aber wir werden nicht siegen.«
»Ich verstehe aber nicht,was es dabei helfen kann,wenn ich einen Boten nach Dardamen loshetze,Vandriyan«, erwiderte Greyannah.
»Sie werden jemanden schicken!«, rief Vandriyan. »Also bestimmt die Berittenen Blitztruppen. Fünfhundert der besten Männer unter Führung von Brandan Stolzblitz.Wenn sie uns zu Hilfe kämen, könnte ich beruhigt aufbrechen, ohne mir Sorgen zu machen, dass ich dich hier schutzlos zurücklasse.«
»Schutzlos!« Greyannah wiederholte dieses Wort so verächtlich, als wäre es eine der schlimmsten Beschimpfungen. »Ich habe eine Garnison von tausend Mann, dazu die Leute aus den Städten im Norden und hundert Männer aus der Letzten Stadt, obwohl von denen nur sechzig in einem Zustand sind, der es ihnen erlaubt, uns zu unterstützen. Also, wie du siehst, bin ich keineswegs schutzlos! Nimm dir nur deine Leute vom Geflügelten Sturm mit, vielen Dank! Oder glaubst du etwa, ich bin nicht in der Lage, mich selbst zu verteidigen?«
»Aber nein, Greyannah, so habe ich das doch nicht gemeint«, erklärte Vandriyan hastig. »Ich stelle deine militärischen Fähigkeiten keineswegs in Frage und weiß genau, wie mutig du bist. Aber es ist eine Frage der zahlenmäßigen Unterlegenheit. Hast du gehört, was die Leute aus der Letzten Stadt erzählt haben? Dann müsstest du doch einen Eindruck bekommen haben, wie stark der Feind ist. Nicht einmal der geschickteste Stratege kann viel
ausrichten, wenn das zahlenmäßige Verhältnis zwischen ihm und dem Feind eins zu dreihundert lautet. Ich wäre viel beruhigter, wenn du wenigstens doppelt so viele Soldaten hättest, bevor ich aufbreche. Das ist alles.«
Danach blieb es einen Augenblick still. Schließlich hörte man wieder Greyannahs Stimme, die diesmal ruhiger klang. »Ach, darum machst du dir also Sorgen, alter Freund? Tut mir leid, wenn ich dich missverstanden habe. Na gut, ich werde einen Boten nach Dardamen schicken, falls du dich dann besser fühlst. Aber ich bezweifle, dass sie so schnell Verstärkung schicken können.«
»Ich werde auf jeden Fall ihre Ankunft abwarten«, erklärte Vandriyan entschieden. »Und jetzt reden wir nicht mehr darüber. Wenden wir uns lieber wichtigeren Dingen zu. Dieser Sache mit dem jungen Mirnar zum Beispiel. Ich habe alles gehört, was der Regent zu erzählen hatte, aber ich möchte noch mehr über ihn wissen.«
Tyke fuhr zusammen, als er Greyannah in ein kräftiges Gelächter ausbrechen hörte. »Ach,Vandriyan, du bist wirklich gut!«, hörte er ihn laut sagen. »Ich habe den jungen Mann nur einmal von Weitem gesehen und ausgerechnet mich bittest du um Erklärungen? Warum fragst du ihn nicht selbst?«
Tyke schluckte, als er Vandriyan antworten hörte: »Weil er seit drei Tagen da drinnen liegt und keine Anstalten macht aufzuwachen, darum!«
»Von wegen ›keine Anstalten aufzuwachen‹!«, rief Greyannah heiter, und Tyke schwankte der Boden unter den Füßen. »Wenn er doch schon seit einiger Zeit da hinter der Tür steht und alles belauscht, was wir sagen!«
Fast wäre Tyke wieder ohnmächtig geworden.
Am Morgen des vierten Tages nach seiner Begegnung mit Irdris erwachte Lyannen aus unruhigem Schlaf. Er hatte von seiner Mutter, seinen Brüdern und Schwestern geträumt, von Eileen
und seinen engsten Freunden. Er hatte geträumt, sie seien in Gefahr und er sei der Einzige,
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