Gefahrenzone (German Edition)
fragte Ryan.
Caruso schlug den Kopf vor lauter Frust rückwärts gegen die Kopfstütze. »Wir rufen Granger an, erzählen ihm, was passiert ist, und dann fliegen wir heim und lassen uns anschreien.«
Ryan stöhnte und drückte, so fest er konnte, den Lenkradring zusammen, während ihm noch das Adrenalin durch die Adern schoss.
Ja. Genau so würde es sich wohl abspielen.
54
D as Telefongespräch zwischen dem Präsidenten der Vereinigten Staaten Jack Ryan und dem Präsidenten der Volksrepublik China Wei Zhen Lin fand auf Ryans Initiative statt. Er wollte in einen Dialog mit Wei eintreten, da er trotz dessen öffentlicher Bekundungen ebenso wie die meisten seiner Berater glaubte, dass Su den Konflikt in der Taiwan-Straße und im Südchinesischen Meer in einem Maße vorantrieb, das Wei eigentlich im tiefsten Innern Sorge bereiten musste.
Ryan hoffte, zu Wei durchdringen zu können, indem er ihm die Gefährlichkeit des Wegs aufzeigte, den sein Land gegenwärtig einschlug. Aber selbst wenn ihm das nicht gelingen sollte, war Ryan der Ansicht, dass er es zumindest versuchen sollte.
Weis Büro hatte am Tag zuvor Botschafter Kenneth Li angerufen und einen Termin am folgenden Abend chinesischer Zeit vereinbart.
Jack traf sich vor dem Anruf im Oval Office mit Mary Pat Foley und CIA-Direktor Jay Canfield. Gemeinsam wollten sie entscheiden, ob er die Morde in Georgetown bei seinem Gespräch mit dem chinesischen Präsidenten erwähnen sollte.
Sowohl Foley als auch Canfield waren fest davon überzeugt, dass man Zha umgebracht hatte, bevor er Chinas Verwicklung in die Cyberangriffe auf den Westen, vor allem auf Amerika, enthüllen konnte.
Über Dr. K. K. Tong und seine Pläne war bisher zwar nur wenig bekannt, aber je tiefer die NSA nachforschte, desto sicherer war man sich, dass es sich um eine chinesische Operation und nicht um die Cyberverbrechen irgendwelcher Hongkonger Triaden handelte. Zhas Beteiligung an der Attacke auf die Drohnen war nicht mehr zu leugnen, auf die falsche Softwarefährte in den Iran waren die Computerspezialisten der NSA nicht hereingefallen, und mehr und mehr Angriffe gegen wichtige Netzwerke der US-Regierung trugen das Kennzeichen von Zhas Code.
Alle diese Indizienbeweise waren zwar noch nicht endgültig erhärtet, aber schlüssig. Ryan selbst war davon überzeugt, dass China hinter den Attacken auf die Netzwerke und die Drohnen stand und dass die Morde in Georgetown eine Operation der chinesischen Regierung waren.
Natürlich wollten Canfield und Foley Vergeltung für den Tod der fünf Geheimagenten, das konnte Jack gut verstehen. Trotzdem spielte er in dieser Situation die Rolle des Advocatus Diaboli und teilte ihnen mit, dass er konkretere Beweise benötige, dass die Volksbefreiungsarmee und/oder das MSS Centers Netzwerk leiteten, bevor er die Chinesen öffentlich irgendeiner Sache beschuldigen könne.
Er entschied sich, die Georgetown-Morde beim heutigen Telefongespräch nicht zu erwähnen. Stattdessen würde er sich auf die Aktionen konzentrieren, die China nicht abstreiten konnte, also auf alles, was im Südchinesischen Meer und der Taiwan-Straße passiert war.
Sowohl Ryan als auch Wei würden ihre eigenen Dolmetscher benutzen. Jacks Mandarin-Sprecher saß im Situation Room. Seine Stimme wurde auf Jacks Ohrhörer übertragen, während Jack Weis eigene Stimme über sein Telefon hörte. Das würde die Unterredung natürlich beträchtlich verlangsamen, was dem US-Präsidenten allerdings ganz recht war. Er würde seine Worte äußerst sorgfältig wählen müssen. Ein wenig zusätzliche Zeit, um darüber nachzudenken, könnte ihn vielleicht daran hindern, Präsident Wei zu aggressiv anzugehen.
Das Gespräch begann, wie alle diplomatischen Gespräche auf höchster Ebene begannen. Es war höflich und gestelzt, was in diesem Fall die Dolmetscher nur noch verstärkten. Aber bereits nach kurzer Zeit ging Ryan zum Hauptthema der Unterredung über.
»Herr Präsident, mit äußerster Besorgnis möchte ich mit Ihnen über die militärischen Aktionen Ihrer Nation im Südchinesischen Meer und der Straße von Taiwan reden. Im letzten Monat gab es zahlreiche Angriffe vonseiten der VBA, die Hunderte von Menschen das Leben gekostet und Tausende aus ihrer Heimat vertrieben haben. Vor allem haben sie jedoch den freien Verkehrsfluss durch diese Region beeinträchtigt, was der Wirtschaft unserer beiden Länder in hohem Maße geschadet hat.«
»Präsident Ryan, auch ich bin besorgt. Besorgt über Ihre
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