Geliebte der Ewigkeit (German Edition)
Zehn mit Sternchen auf ihrer persönlichen Verwesungsskala und das war selbst in ihrem Beruf keine Alltäglichkeit.
Es sei denn, die Leiche hatte in einem Ölfass am Grunde eines Sees gesteckt und glich einer käsigen, stinkenden Masse. Oder war in einem Faultank geschwommen. Eine beeindruckende Kollektion organischer Abfälle an ihren Einzelteilen klebend, inmitten eines widerlichen Gewusels von Kakerlaken, die, was ihren Speisesaal angeht, nicht wählerisch sind. An diese beiden Höhepunkte für ihren Geruchssinn erinnerte sie sich deshalb so genau, weil sie den Auftakt ihrer inzwischen beendeten beruflichen Karriere dargestellt hatten. Zwei äußerst peinliche Anfangsakkorde. Damals hatte sie ihren Mageninhalt nicht besonders gut unter Kontrolle und übergab sich vor versammelter Polizeimannschaft. Ein Höhepunkt für die erfahrenen Beamten und auch für die, die nur ein paar Dienstjahre auf dem Buckel hatten und ebenfalls mit ihrem Frühstück beziehungsweise Abendessen kämpften. Noch heute war es ihr kein Trost, wenigstens die Leichen mit ihrem Erbrochenen verschont zu haben. Eine Form der Selbstbeherrschung, an der sie angesichts des beißenden Gestanks, der durch jede Pore ihres Körpers drang, zu zweifeln begann.
„Was hast du hier verloren? Raus, sofort!“ Quinn hatte zwar nicht geschrien, aber seine Anweisung war dennoch unmissverständlich.
Sie schüttelte den Kopf und näherte sich dem Etwas auf dem Fußboden. „Nein, Quinn, du hast hier nichts verloren. Es sei denn, du wärst hier der Pathologe oder wenigstens der Cop.“
„Wenn ich mich recht erinnere, liegt das County Clare ein wenig außerhalb deines Zuständigkeitsbereichs. Welcher war das noch mal?“ Er legte den Finger an sein Kinn und sah nach oben, als müsste er nachdenken. „Boston, wenn ich mich nicht irre. Und das lag das letzte Mal, als ich auf der Karte nachgesehen habe, noch auf der anderen Seite des Großen Teichs.“
„An deiner Stelle würde ich meine Finger nicht in die Nähe meines Gesichts bringen.“ Sie spähte an ihm vorbei. Diesmal war der Blitz ein nützlicher Helfer. Er warf sein Licht auf etwas, das einmal ein menschliches Gesicht gewesen sein musste.
„Danke der Fürsorge, aber ich habe die Leiche nicht angefasst.“
Sie hatte den Blödsinn satt und schob sich an Quinn vorbei, obwohl sie wusste, dass es ihr nicht gelänge, ihn beiseitezuschieben. Erstaunlicherweise hinderte er sie nicht, aber er begleitete sie mit einem gequälten Laut. Sie kümmerte sich nicht darum. Wenn er ein längerfristiges Interesse an ihr haben sollte, musste er sich daran gewöhnen, dass sie kein Mäuschen war, das nach seiner Pfeife tanzte. War er wirklich so verrückt, sich auf sie einlassen zu wollen? War sie es? Verdammt …
Sie ging neben dem Körper in die Hocke und beugte sich flach atmend darüber. „Ich werde meine Ausrüstung brauchen.“
Quinn ging ebenfalls neben der Leiche in die Hocke. „Sag nicht, du nimmst Pathologenspielzeug mit auf Urlaubsreisen.“
Mist. „Nur das Nötigste.“
„Existieren keine Sicherheitsvorschriften mehr auf internationalen Flügen?“
„Ich hatte nichts davon in meinem Handgepäck, dafür einen langen Zwischenstopp in Dublin.“ Ihr kam wohl auch zugute, nicht ins Profil der üblichen Verdächtigen für eine Stichprobe des Zolls zu fallen.
„Und da gehst du Pathologenspielzeug kaufen?“
„Es ist kein Spielzeug und es ist antik.“ Sie kämpfte einen Moment um ihr Gleichgewicht. Es war nicht professionell, auf die Leiche zu kippen. Quinn griff helfend nach ihrem Arm, als hätte er sein ganzes Leben nie etwas anderes getan, als auf sie zu achten.
Sie konzentrierte sich wieder auf den toten Körper. Er war aufgedunsen und übersät von flüssigkeitsgefüllten Blasen und Rötungen. Zu gern wüsste sie, was das verursacht hatte. Blieb nur der winzige Punkt, in dem Quinn recht hatte. Dies war nicht ihr Zuständigkeitsbereich.
„Wir sollten die Polizei informieren.“ Sie erhob sich. „Oder glaubst du, man könne so etwas unter den Teppich kehren?“ Sie erschrak beinah zu Tode, weil er unerwartet vor ihr stand und sie vor seine Brust prallte. „Es nervt gewaltig, wenn du das tust.“ Ihre Stimme wurde durch sein Hemd gedämpft, in das ihr Gesicht vergraben war. Anscheinend nahm er an, sie würde wie ein Gummiball von ihm abprallen und sich auf den Hintern setzen. In der ersten Schrecksekunde dachte sie das selbst.
Er roch gut. Nach Regen, Herbst und ein wenig nach Dunkelheit. Sie
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