Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Georgette Heyer

Georgette Heyer

Titel: Georgette Heyer Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Junggesellentage
Vom Netzwerk:
sie von Mrs. Chartley mit dem Unvergleichlichen gesehen
worden war oder nicht. Sie fuhr wie in einem glücklichen Traum dahin und schob
die guten Ratschläge leichten Herzens von sich. Sie war nun sicher, daß Mrs.
Chartley Sir Waldo falsch beurteilt hatte. Aber das hatte auch sie getan.
Wahrscheinlich waren sie beide in ihrer Ablehnung der Korinthier nicht vorurteilsfrei;
fast sicher waren sie dabei von ihrem gesunden Menschenverstand beeinflußt
worden. Weder sie noch Mrs. Chartley waren romantisch veranlagt, und zumindest
sie selbst hatte schon in frühen Jahren erkannt, daß es eine Dummheit ist,
phantastischen Träumen nachzuhängen, die ins Märchenland gehören. Und was
könnte phantastischer sein als die Annahme, daß der Unvergleichliche eine
Ähnlichkeit mit dem schönen Prinzen aus dem Märchen habe, dessen verträumte
Liebe sich Aschenbrödel zuwendet? Konnte man ihnen ihre Zweifel eigentlich
übelnehmen? Wenn sie auch in der Kunst der Tändelei unerfahren war, konnte sie
doch nicht länger zweifeln, sie konnte nur staunen. Mochte sie sich noch so
sehr den Kopf zerbrechen, vermochte sie nicht zu ergründen, warum der
Unvergleichliche aus all den adeligen und reizenden Frauen – die nur zu
glücklich wären, einen Antrag von ihm zu erhalten – gerade sie auserwählt
hatte. Es schien so unwahrscheinlich – so unwirklich! Und wenn sie sich noch so
sehr bemühte, dem, was er gesagt hatte, einen anderen Sinn zu geben, überlegte
sie, war nichts von all dem so unwahrscheinlich wie ihre überstürzte Liebe. Und
daß es so weit mit ihr gekommen war, stand außer Zweifel.
    Sie
erreichte Staples wie auf einer Wolke. Selbst Mrs. Underhill, sonst keine sehr
gute Beobachterin, war erstaunt über das Glühen ihrer Wangen, das Leuchten
ihrer Augen und erklärte, daß sie sie noch nie in so strahlender Schönheit
gesehen habe.
    «Ist er am
Ende mit der Frage herausgerückt?»
    «Nein,
nein, Ma'am», sagte Ancilla errötend und lachend.
    «Nun, wenn
er noch nicht gefragt hat, so bin ich doch sicher, daß Sie jetzt wissen, daß er
fragen wird! Was sonst könnte Sie in eine so gehobene Stimmung versetzen?»
    «Bin ich in
gehobener Stimmung? Das wußte ich nicht. Liebe Mrs. Underhill, ich flehe Sie an
– fragen Sie mich nicht – ich kann nicht antworten.»
    Mrs.
Underhill hielt sich freundlich von jeder weiteren Frage zurück, konnte aber
nicht umhin, die Tücke des Geschicks zu verwünschen, die sie gerade dann von
Staples fernhalten würde, da sie sehr gewünscht hätte, anwesend zu sein.
    «Denn
Männer sind so unberechenbar, daß sie ein wenig geschubst werden müssen, und –
das hätte ich tun können!»
    Obgleich
Miss Trent tief innerlich dankbar war, daß Mrs. Underhill nicht anwesend sein
würde, um dieses Geschäft zu besorgen, erkannte sie die freundliche Absicht und
dankte ihr, so ernst sie konnte, sagte aber, sie wolle von einem Manne, der
geschubst werden müsse, lieber keinen Heiratsantrag bekommen.
    «Ja, das
sagt sich sehr leicht!» antwortete Mrs. Underhill. «Wenn Sie nichts zu tun
haben als Ja oder Nein zu sagen, was vielleicht der Fall ist. Ein Mann aber,
der sich so weit durchgerungen hat, höchstwahrscheinlich die ganze Nacht kein
Auge zugemacht hat, um sich eine schöne Rede zurechtzulegen und sie auswendig
zu lernen, braucht ein wenig Ermunterung! Er muß ja schüchtern sein, wenn er
eine gute Figur machen soll, und das wollen die Männer, meine Liebe!»
    Miss Trent
konnte sich den Unvergleichlichen nicht schüchtern vorstellen, doch das
verschwieg sie. Da sie eine Unterredung, die unliebsam zu werden drohte, nicht
verlängern wollte, murmelte sie etwas Zustimmendes und versuchte, Mrs.
Underhill auf andere Gedanken zu bringen. Sie zeigte ihr eine Liste all der
Dinge, die noch erledigt werden mußten, ehe Mrs. Underhill mit ruhigem Gewissen
Staples verlassen konnte. Glücklicherweise war es eine lange Liste mit vielen
komplizierten Angelegenheiten, vor allem der Frage der neuen Vorhänge für den
Salon. Sie sollten von einer armen Witwe, die in einem Dorf in einigen Meilen
Entfernung wohnte, angefertigt werden. Teils durch die Langsamkeit der Witwe,
teils durch die Ungeschicklichkeit des Seidengeschäftes, das einen Futterstoff
sandte, der in keiner Weise zu den schweren Brokatvorhängen Mrs. Underhills
paßte und deshalb großen Ärger verursachte, war die Sache nun dringlich
geworden.
    «Nie klappt
etwas richtig», erklärte Mrs. Underhill. «Mir wurde versprochen, zuverlässig
noch diese Woche

Weitere Kostenlose Bücher