Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Geschichte des Westens

Geschichte des Westens

Titel: Geschichte des Westens Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Heinrich August Winkler
Vom Netzwerk:
(She has a total ineptitude for politics, for she lacks political virtue). Da sie keine sozialen Instinkte besitzt, kann sie auch keine intellektuellen Fähigkeiten für schöpferische Kunst oder Organisation entwickeln.» Wie Sanderson sahen auch andere führende Rechtsintellektuelle, unter ihnen Douglas Jerrold, ab 1931 Herausgeber der «English Review», und Anthony Ludovici, ein prominenter Autor dieser Zeitschrift und Bewunderer Friedrich Nietzsches, im Feminismus und der angeblichen Feminisierung der Gesellschaft eine Gefahr für alles, was England groß gemacht hatte, und vor allem für die Frau selbst, die nach Meinung Ludovicis doch nur eine Aufgabe hatte: «Hüterin und Förderin des Lebens» zu sein, also ihre Fortpflanzungsfunktion zu erfüllen.
    Die ersten Wahlen, bei denen nach dem neuen Wahlrecht gewählt wurde, waren die vom Mai 1929. Was die Stimmenzahlen angingen, lagen die Konservativen knapp vor der Labour Party: 8,66 Millionen gegenüber 8,36 Millionen. Auf die Liberalen entfielen 5,3 Millionen. Bei der Verteilung der Sitze kam die Arbeiterpartei aber auf 287 Mandate gegenüber 261 für die Konservativen und 59 für die Liberalen.Der Erfolg von Labour erklärte sich zu einem guten Teil aus der Tatsache, daß die Regierung Baldwin trotz einiger sozial fortschrittlicher Gesetze wie dem zur Witwen-, Waisen- und Altersversicherung von 1925 (mit gleich hohen Beiträgen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern) und der Reform der Armengesetzgebung durch den Local Government Act von 1929 seit ihren Maßnahmen gegen die Gewerkschaften als arbeiterfeindlich galt. Auf der anderen Seite half es der Labour Party, daß sie sich unter der Führung Ramsay MacDonalds während des Generalstreiks von 1926 zurückgehalten hatte. In ihrem neuen Programm «Labour and the Nation», das der Historiker R. H. Tawney entworfen und die Jahreskonferenz von Birmingham im Oktober 1928 nach ausgedehnter Debatte angenommen hatte, bekannte sich die Partei zum evolutionären Übergang von der kapitalistischen zur sozialistischen Gesellschaft. Kontinuierlich, aber ohne Überstürzung sollten zunächst das städtische und landwirtschaftliche Grundeigentum in Nationaleigentum überführt, der Bergbau, die Elektrizitätswerke, die Eisenbahnen und das Transportwesen verstaatlicht und die Bank of England staatlicher Kontrolle unterworfen werden.
    Einen Auftrag, dieses Programm in die Tat umzusetzen, konnte die Labour Party aus dem Wahlergebnis nicht ableiten. Um regieren zu können, war die Arbeiterpartei wie bei der Bildung ihrer ersten Regierung im Januar 1924 auf die Tolerierung durch die Liberalen angewiesen. Wie damals wurde auch jetzt wieder Ramsay MacDonald von König Georg V. mit der Kabinettsbildung beauftragt. Außenminister wurde Arthur Henderson, der schon dem ersten Kabinett MacDonald als Innenminister angehört hatte. Schatzkanzler wurde Philip Snowden, ein überzeugter Verteidiger des Goldstandards, des Freihandels und eines ausgeglichenen Budgets, Kolonialminister der Fabier Sidney Webb, Erziehungsminister Sir Charles Philip Trevelyan, ein entschiedener Linker. Erstmals gehörte dem Kabinett auch eine Frau an: Arbeitsministerin Margaret Grace Bondfield. Der Lösung der drängendsten Aufgaben, des Abbaus der Arbeitslosigkeit, sollte sich Lordsiegelbewahrer James Henry Thomas widmen. Ihm zur Seite gestellt wurde der als Chancellor of the Duchy of Lancaster, eine Art Minister ohne Geschäftsbereich, der damals zweiunddreißigjährige, zum linken Parteiflügel gehörende Sir Oswald Mosley, der die stagnierende Wirtschaft durch eine Erhöhung der Massenkaufkraft und die Vergabeöffentlicher Arbeiten, aber auch durch Zollschutz für das Empire beleben wollte. (Mit einem ganz ähnlichen, vom früheren Premierminister Lloyd George verfaßten Programm waren die Liberalen in den Wahlkampf gezogen.)
    Die Arbeitslosigkeit hatte im Frühjahr 1929 bereits die Millionengrenze überstiegen; die Zahl der Arbeitslosen zu senken war das zentrale Versprechen der Labour Party im Wahlkampf gewesen. Das neue Kabinett begann seine Arbeit mit einer Reihe von sozialen Reformgesetzen, darunter einem Programm öffentlicher Arbeiten im Umfang von einer Viertelmilliarde Pfund. Mehr zu tun, wie es neben Mosley und Lloyd George auch der Ökonom John Maynard Keynes und der Fabier und Historiker G. D. H. Cole, zwei Mitglieder des Wirtschaftsrates der Regierung, forderten, weigerten sich MacDonald, Snowden und Thomas auch dann noch, als die

Weitere Kostenlose Bücher