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Glencoe - Historischer Roman

Titel: Glencoe - Historischer Roman Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Charlotte Lyne
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Gesicht und küsste ihn auf den Mund, so hart, so wütend und so verliebt, wie sie ihn geschlagen hatte, und so lange, bis er sie zurückküsste. Was bist du nur für ein Rindvieh, Sandy Og. Einer, der so dreckig küssen kann, sollte nicht erst Maulschellen brauchen, um es zu tun. Hätte sie eine Hand frei gehabt, so hätte sie sie ihm in den Hintern gegraben, und hätte sie ein Auge frei gehabt, so hätte sie Eiblin ein Zwinkern geschickt.
    Er hätte sie in ihr Haus geführt, aber Sarah war ein Tier in dieser Nacht und wollte es tun wie Tiere, in der Nässe, im Wilden, irgendwo im Schlamm. Als sie miteinander fertig waren, waren sie beide so verdreckt, dass sie sich auf dem Fest nicht mehr blicken lassen konnten, und so durchnässt, dass ihnen die Zähne klapperten. Sandy Og breitete sein triefendes Plaid um Sarahs Schultern, was etwas albern war, und sie legte ihm den Arm um die Taille, was bei aller Kälte erfreulich war. So trotteten sie nach Hause. »Einer von uns sollte Duncan holen«, sagte Sandy Og.
    »Duncan will nicht geholt werden. Angus bringt ihn uns heim.«
    »Er hat mich gebeten, ihn morgen zu wecken.«
    »Wen wundert’s? Er ist ja auch ein Mann. Mich lass gefälligst schlafen, ich brau dir nicht noch dein Süppchen, ehe du dir den Hals durchschneiden lässt. Falls du doch wiederkommst, was kaum anzunehmen ist, hast du ja bald zwei kleine Männer, die deine Dummheit bejubeln.« Sie bohrte ihm ihre Nägel ins Fleisch. Was sie noch dachte, sprach sie nicht aus: Es darf nicht sein, dass du nicht wiederkommst. Es darf nicht sein, weil nicht nur ich dich brauche.
    Sie schob die Tür ihres Hauses auf. Er beugte sich zu ihr, küsste sie und rieb sein nasses Gesicht an ihrem. Drinnen war es dunkler als draußen, wo die Kerzen des Reichen brannten, und recht warm dafür, dass Sarah so schlampig mit dem Feuer war. »Ich kann nicht schlafen«, sagte Sandy Og. »Müssen wir schlafen gehen, Sarah?«
    »Nein. Aber uns aus all dem nassen Zeug befreien.«
    Sie schälten sich unter Zittern aus den Kleidern und holten sich Decken, stellten ihre Kerze vors Fenster und starrten in die Nacht. Er schob eine Hand auf ihren eiskalten Bauch, und sie schob ihre auf seinen und wunderte sich darüber, wie rasch er warm wurde.
    Er streichelte sie. »Kannst du mir Nachricht senden, Sarah? Wenn das Kleine auf der Welt ist?«
    »Weshalb soll ich das tun? Bis dahin bist du längst verreckt.«
    »Tust du’s trotzdem?«
    »Wenn dir so viel daran liegt, werd ich’s tun.«
    »Ich hab dich nicht verdient. Ich sollte dir so viel sagen.«
    »Aber du sagst es nicht, richtig?«
    Er schüttelte den Kopf. »Ich bin schlecht, Sarah.«
    Sie hielt inne. Musste sich, ehe sie sprach, auf die Lippen beißen und an Ewen Cameron denken. »Dann bessere dich.«
    Er sah vom Fenster weg in ihr Gesicht. Sie nickte ihm zu.

    Ehe sie am Morgen aufbrachen, kam noch Nachricht von General Buchan. Captain MacDonald solle seine Leute an den Loch Ness führen, um Proviant aufzunehmen, und erst von dort nach Cromdale marschieren, ließ er bestellen. Dass ein Befehlshaber, der wochenlang Zeit gehabt hatte, für Proviant zu sorgen oder aber den Feldzug abzublasen, durch zusätzliche Märsche Kraft verschleuderte, sprach nicht für ihn, aber Sandy Og war es recht. Es schenkte ihm einige Tage, in denen er sich in törichter Hoffnung auf einen Ausweg wiegen konnte.
    Es war seltsam, die Stelle des Vaters zu füllen, dem Pfeifer – nicht Big Henderson, sondern einem seiner Schüler – das Zeichen zu geben und das feurige Kreuz entgegenzunehmen. Das Gewicht der Verantwortung zu tragen, das wie der gelbe Mantel dem Vater um die Schultern hing. Im Anreiten darauf zu achten, dass man den Rücken schnurgerade hielt und den Kopf, als wolle man ein Liedchen pfeifen und wisse nichts Vergnüglicheres, als sein Tal zu verlassen, sein schönes Mädchen und seine Kinder, um sich binnen eines Herzschlags zu fühlloser Masse zerschießen zu lassen.
    Er dachte an das, was sein Vater zu tun pflegte, um die Moral seiner Leute zu stärken. In den Papieren, die er von Buchan erhalten hatte, stand, dies sei eine große Gelegenheit, den Thronräubern die entscheidende Schlappe beizubringen, denn der Willie werde alle tauglichen Kräfte nach Irland schaffen und Livingstone im Hochland mit der letzten Reserve abspeisen. Davon hätte er den Männern erzählen sollen: von der Hoffnung und vom Preis des Sieges. Aber er erzählte ihnen nichts – nicht weil er sich scheute zu lügen, sondern

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