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Glencoe - Historischer Roman

Titel: Glencoe - Historischer Roman Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Charlotte Lyne
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weggestellt und den Putzlumpen aufgehängt hatte, ging sie zum Spind, nahm das Pfefferfass und zog den Brief heraus. Es war nicht so, dass sie an den Brief gedacht hatte. Seit Eiblin gekommen war, hatte sie nur an eines gedacht: daran, wie Sandy Og Ceana auf die Lippen küsste. Auch jetzt nahm sie den Brief nur kurz in die Hand und schob ihn sich unters Hemd. Nicht in ihr Arisaid, sondern in das alte Tuch, das sie von der Großmutter hatte, wickelte sie die wenigen Kleider, die sie brauchte, außerdem Kleider für Jean, einen Laib Brot und den Rest des Lebenswassers.
    Ich geh weg aus Glencoe.
    Hätte sie Eiblin keinen Glauben schenken, sondern sie wegschicken sollen wie das erste Mal? Sie hätte Eiblin nicht einmal anhören müssen, um zu wissen, dass sie die Wahrheit sagte. Sandy Og hatte sie verraten. Inmitten von Krieg und Not und Todesangst hatten sie sich aneinander festgehalten, aber Sandy Og hatte losgelassen, um Halt bei Ceana zu finden. Dass du mit deinem Mund, nach dem ich verrückt war, ihren Mund küsst, tut weh, doch dass du ihr anvertraust, was du mir verschweigst, bringt mich um. Er hatte sie gemieden, seit er aus Achallader heimgekehrt war. Stunde um Stunde hatte Sarah gehofft, er werde zu ihr kommen; er jedoch hatte keine Sarah gebraucht, sondern hatte sich die wunde Seele von Ceana hätscheln lassen.
    Hätte sie all das nicht kümmern sollen, wo er doch fort war und womöglich nicht wiederkam? Wie seltsam das ist, Sandy Og. Vielleicht ist Liebe ja ein Lied in den Bergen, ein Totenlied, und das singt dir Ceana. Sogar deinen Tod schenkst du ihr.
    Sie trat vor das Lager, auf dem ihre Kinder schliefen, hob Jean hoch und band sie sich in die Trageschlinge. Ihren Jungen hatte sie nicht noch einmal ansehen wollen, aber dann tat sie es doch und wünschte, er wäre noch so klein, dass er nicht von seiner Mutter getrennt werden durfte. Sie musste sehr schnell gehen, um ihn nicht aufzuheben und in ihre Schlinge zu binden, um ihn bei sich zu behalten. Er ist Duncan MacDonald, der Enkel des MacIain, Heldensohn, Pistolenschütze. Dass er ihr kleiner Junge gewesen war, lag so lange zurück, als sei es nicht mehr wahr.
    Der Regen war stürmisch, die Steine im Boden glatt und das Kind nicht leicht. Sarah hatte einen weiten Weg vor sich, wie weit genau, wusste sie nicht. Sie war nur einmal über das Moor gekommen, auf einem Pferd, und damals hatte sie nicht auf den Weg geachtet, weil sie ihn eingeschlagen hatte, um nicht zurückzukehren.
    Jetzt aber kehrte sie zurück. Liebe Nichte, stand in dem Brief. Es würde mir viel Schmerz bereiten, wenn dir ein Leid geschähe. Komm heim, ehe es zu spät ist. Unter meinem Dach ist Platz für dich.
    Sarah beugte sich vor, um Jean vor dem Regen zu schützen. Ihr war ein Leid geschehen. Sie hatte keine aus Glencoe sein dürfen, und ihr Mann hatte sie wieder zum Nichts gemacht. In dem Brief jedoch stand, dass sie jemandem wichtig war. Vergiss nicht, dass du eine Campbell bist .

    Robert Stewart hatte sein Lager in Lorn, am Rand von Appin, aufgeschlagen. Fünfzehn Mann umfasste sein Trupp, der den Befehl hatte, Transportschiffe, die Proviant für die Schwarze Garnison geladen hatten, abzufangen und niederzubrennen. Er hatte den Ort mit Geschick gewählt, denn er lag in einer Waldung verborgen, im Knick eines Flussarms, von dem sich ein Späher nur ein Stück weit durchs Unterholz schleichen musste, um den Loch weithin zu überblicken. Der junge Clanchief, Ardshiels Augapfel, der jahrelang die Studienbank gedrückt hatte, brannte darauf, sich zu bewähren, und flößte älteren Gefährten mit seinem Feuereifer und seiner Zuversicht Respekt ein. Sandy Og mochte Robert Stewart. Er erinnerte ihn an seinen Bruder, auch wenn John gut fünfzehn Jahre älter war, und an den jungen Mann, der er selbst gern gewesen wäre. Robert war so geradlinig wie ein Sturzbach und schrieb täglich einen Brief an seine Verlobte, auch wenn er aus dem Hinterhalt keine Boten schicken konnte, sondern die Episteln aufbewahren musste.
    Zu Sandy Og sprach er wie zu einem Helden. »Dass ich einem Mann wie dir Befehle gebe, ist nicht recht. Ich lasse dir freie Hand, du kannst alles nach deinem Gutdünken tun.«
    »Aber dir untersteht der Trupp. Du bist unser Befehlshaber.«
    »Und du bist Sandy Og MacDonald von Glencoe«, erwiderte der junge Mann. »Dein Claymore ist die Sense von Killiecrankie.«
    »Ich habe es nicht mehr.«
    »Man erzählt sich, du seist mit der Pistole noch besser. Einen Mann wie dich hätte ich

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