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Glencoe - Historischer Roman

Titel: Glencoe - Historischer Roman Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Charlotte Lyne
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ist.«
    Dergleichen und noch Ärgeres hatte bereits Argyll angedeutet. Wenn alles zutraf, war der Vertrag verlorene Liebesmüh. »Um wen handelt es sich denn bei diesen illustren Gestalten?«, fragte Rob, darauf bedacht, sich keine Ungewissheit anmerken zu lassen.
    »Um Robert Stewart von Appin«, antwortete Hill. »Fast noch ein Kind, dem man seine Taten kaum zurechnen darf. Und um den Sohn des alten MacIain, den Zweitgeborenen. Über den MacIain von Glencoe mögt Ihr sagen, was Euch beliebt, und doch habe ich eine Schwäche für den Mann. Er mag ein Rebell und Hitzkopf sein, aber das Holz, aus dem sein Kern geschnitzt ist, das ist prächtig.«
    Keine alte Jungfer schwatzt so einfältig daher, fluchte Rob innerlich, aber gleichzeitig musste er einen Freudenschrei unterdrücken. Entschieden legte er Hill die Hand auf den Arm. »Wisst Ihr was, mein Gouverneur? Ich habe meine Meinung geändert. Euer Plan, die Gefangenen hier in Gewahrsam zu halten, hat etwas für sich. Warum gleich die Pferde scheu machen, nur weil ein paar junge Flegel sich unflätig betragen? Und wisst Ihr noch etwas? Das Völkchen nähme ich mir gern selbst zur Brust. Ihr dürft sie meiner Obhut anvertrauen.«
    Keine Stunde später traf das Bataillon mit dem Zug der Gefangenen ein. Rob hatte zwei Strafbaracken herrichten lassen, in denen sonst unbotmäßige Gefreite ihre Dunkelhaft absaßen, und erwartete die Delinquenten am Tor, wo eine Brücke über den endlich ausgehobenen Graben führte. Sie waren mit Stricken aneinandergefesselt und wurden jeder von einem Mann bewacht, der die Muskete im Anschlag hielt. Der, den Rob suchte, nach dem er sich wie Argyll nach seiner Liebsten gesehnt hatte, ging an zweiter Stelle. Er war verdreckt, hatte Schuhe und Strümpfe verloren, und das Gesicht verunzierten Schürfwunden, doch ansonsten schien er unverletzt. Stolz wie ein Pfau, fand Rob. Der Rücken gerade, der Kopf erhoben, das zerschlagene Gesicht unbewegt. Ich treib’s dir aus, flüsterte er. Dieses Stolze, Schöne, davon ist nichts mehr übrig, wenn ich mit dir fertig bin.
    Hinter den Gefangenen her trugen Soldaten das Gepäck, das man bei ihnen gefunden hatte, die Fässer mit dem geraubten Proviant, und zuletzt führte ein Knecht zwei Pferde. Als Rob den schwarz-weißen Gaul erkannte, auf dem Sandy Og wie angewachsen gesessen hatte, und als er dann noch sah, wie sein Feind den Kopf nach dem Tier drehte, vergaß er sich. Er zog die Waffe, prüfte die Ladung und zielte mit Sorgfalt. Rob liebte Pferde. Während er den Hahn durchdrückte, dachte er an seinen Goldfuchs, den er stets eigenhändig gestriegelt hatte, damit keine achtlose Hand das edle Tier erschreckte.
    Die Detonation schleuderte das Geschoss aus der Mündung – so schnell, dass der Schwarzweiße wieherte, stieg und doch längst getroffen war, in den Kopf, den er noch einmal aufwarf, ehe er ihm am Hals herunterknickte. Nicht viel wert, der Klepper. Grobschlächtig, zottelhaarig, durch und durch schottisch, ohne englische Eleganz. Wie sein Besitzer. Den Augenblick, in dem dieser sich bäumte, schrie und an den Fesseln riss, dass das Jüngelchen vor ihm in den Matsch plumpste, genoss Rob in gierigen Zügen. Sein Bewacher musste dem Kerl die Muskete zweimal über den Kopf hauen, bevor er niederging und sich bändigen ließ.
    Rob hörte das Krachen der Schläge und den Aufprall des Körpers, und sein Herz hüpfte vor Freude. Als er sich umwandte, hatte er den Tod des Pferdes versäumt; der massige Leib lag schon hingestreckt, der Knecht darübergebeugt.
    Major Forbes kam auf ihn zugerannt, gefolgt von dem keuchenden Hill. »Seid Ihr von Sinnen?«
    Rob verbeugte sich und verlieh seiner Stimme den schmiegsamen Klang, der ihm in seiner Jugend Weiber wie Gläubiger gefügig gemacht hatte. »Ich bitte um Vergebung.«
    »Ihr hattet kein Recht auf das Pferd. Es war Teil der Beute, die meinen Männern zugestanden hätte.«
    »Richtig, richtig. Euren Männern soll jedes Gramm Fleischdaran gehören, ebenso Zaum und Sattelzeug. Noch einmal bitte ich um Vergebung, ich habe mich wohl getäuscht, als ich annahm, der tückische Gaul stünde im Begriff, Euren Knecht anzugreifen.«
    »Ihr seid nicht bei Trost«, sagte Forbes. »Schießt einem tauglichen Reitpferd den Schädel weg, weil Ihr Angst habt, es könnte einen Knecht beißen?«
    Rob vernahm nur allzu deutlich, dass der Mann ihm kein Wort glaubte. Es kümmerte ihn nicht. Forbes konnte nicht mehr von ihm fordern, als das Tier zu ersetzen, und so hart es ihn

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