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Glencoe - Historischer Roman

Titel: Glencoe - Historischer Roman Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Charlotte Lyne
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du schlägst dich nicht übel, Rob«, hatte er gesagt. »In jedem Fall sieht es hier nicht schlimmer aus als in Glenlyon.« Damit war er in sein blödes Lachen ausgebrochen und hatte Rob, der sich die Zähne zermahlte, stehen lassen.
    »Was für ein Besucher ist das?«, fragte er den Burschen, einen stinkenden Hütejungen, der zu dumm zum Weineinschenken war.
    »Ein vornehmer Herr«, antwortete der Bursche. »Er sagt, er ist auf der Durchreise und hofft dringlich, Euch zu sprechen.«
    »Seinen Namen hat er dir nicht genannt?«
    »Doch, Captain. Aber ich bitt um Vergebung, ich hab ihn nicht verstanden.«
    Rob verpasste dem Simpel eine Backpfeife und hielt dem kleinen Rekruten, der noch immer auf dem Hintern saß, die Peitsche hin. »Los. Mach die zwei Dutzend voll, und gib ihm ein halbes obendrein. Und du bring den Herrn in mein Quartier.« Immerhin kam er dank des Besuchers aus dem Regen, aus der ewigen Kälte, wenn auch das mickrige Feuer in seiner Behausung vor sich hin starb, der Wein essigsauer war und der Whisky dünn wie das Haar einer Greisin. Wie Helens Haar. Das Haar seiner Mutter war nie dünn gewesen.
    Wen hatte er erwartet, während er den Weg hinaufgetrottet war? Noch einmal Breadalbane mit neuen Schlägen für seinen Stolz, oder gar Argyll, der ihm das Blaue vom Himmel versprochen und endloses Grau dafür geboten hatte? In jedem Fall nicht den Mann, der beim Feuer stand und ihm eine versiegelte Tonflasche hinhielt. Obwohl Inverlochy Cameron-Land warund er mit solchem Besuch hätte rechnen müssen, trat Rob vor Überraschung einen Schritt zurück.
    »Rob«, sagte Ewen Cameron von Lochiel und ergriff seine Rechte, während er ihm eine Flasche in die Linke drückte. »Wie erfreulich, Euch wohlauf zu sehen. Ich dachte, ich bringe Euch einen Tropfen von meinem dreimal Gebrannten zum Antrittsbesuch.«
    Die Schnelligkeit, mit der er den Korken aus dem Flaschenhals brach, erschreckte Rob. Wie weit war es mit ihm gekommen, wie restlos hatten sie ihn ausgehungert? Lochiel nickte ihm zu und wies auf den Becher, der noch vom Morgen auf dem Pult stand. Rob schenkte sich ein und trank, ohne innezuhalten. Welche Wohltat – als striche man Balsam auf die Wunden eines Ausgepeitschten. Man mochte gegen die Lochaber-Clans sagen, was man wollte, aber sie brauten ein Lebenswasser, das einen getretenen Wurm binnen Kurzem wieder zum Mann machte. Beinahe zärtlich fuhr er über den glasierten Leib der Flasche. Dann besann er sich, dass er auch Lochiel hätte einschenken müssen, doch noch während er sich nach einem zweiten Becher umsah, schüttelte der Gast den Kopf. »Genießt ihn nur. Mich ehrt es, wenn er Euch zufriedenstellt. Vor Jahren hörte ich oft sagen, nirgendwo bewirte man so erlesen wie auf Meggernie.«
    Robs Hand schloss sich um die Flasche wie um die Hand eines Freundes. Kam auch Lochiel, um ihn zu verspotten? Zollte ihm in seinem Geburtsland keine Seele mehr Respekt? »Ohne Frage wisst Ihr, dass mir Meggernie nicht mehr gehört, daher scheint mir Eure Bemerkung ein Affront zu sein«, bemerkte er.
    »Sie war als solcher nicht gemeint«, entgegnete Lochiel. »Sondern als Ausdruck des Bedauerns. Unsere goldenen Zeiten sind vorbei, nicht wahr? Schätzen wir uns glücklich, dass wir darin gebadet haben wie die Wildsau im Schlamm, denn unsere Söhne werden sich mit bitterem Brot bescheiden müssen und uns verfluchen, weil wir nichts für sie aufgespart haben.«
    Wovon salbaderst du, Schwätzer? Hat man dir vielleicht Achnacarry genommen? War dir dein hölzernes Achnacarry jemals, was mir mein ewiges Meggernie war? Haust du in zugigen Baracken, leerst du dir den Hintern in stinkenden Aborten? Hast du den guten Namen verkauft, den deine Mutter dir gab?
    Lochiel spielte mit einem Silberknopf an seinem Rock. Er trat zum Fenster und sah hinaus in den Hof, der sich nach der Auspeitschung geleert hatte. »Merkwürdig, wieder hier zu sein«, stellte er fest, »am gleichen Fenster zu stehen und in den gleichen Hof zu stieren, nur dreißig Jahre älter und beträchtlich steifer in den Hüften. Ich hatte hier einst einen Freund, John Hill. Er gehörte der anderen Seite an, war ein Sassenach im Dienst des Königsmörders, aber das hinderte ihn nicht, ein feiner Kerl zu sein.« Er drehte sich um und lächelte Rob zu. »Ich bin sicher, Ihr erinnert Euch seiner. Es geht das Wort um, er käme hierher zurück. Habt Ihr davon gehört?«
    Rob schwieg mit zusammengebissenen Zähnen.
    »Ich verstehe«, bemerkte Lochiel, der sich wieder

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