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Grabstein - Mùbei: Die große chinesische Hungerkatastrophe 1958-1962 (German Edition)

Grabstein - Mùbei: Die große chinesische Hungerkatastrophe 1958-1962 (German Edition)

Titel: Grabstein - Mùbei: Die große chinesische Hungerkatastrophe 1958-1962 (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Yang Jisheng
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67,5 Milliarden Yuan, doch es könnten nur Waren für 65,5 Milliarden Yuan geliefert werden. […] Für die Getreideimporte müsse man alles, was nur gehe, in den Export pressen. [590]  
    Die Exportwaren bestanden aus Produkten wie Schweinen, Eiern und Öl, die man den Bauern direkt aus dem Mund raubte, während die Getreideimporte ausschließlich in die Städte gingen. Auch das war eine Maßnahme der Politik zum Schutz der Städte auf Kosten der ländlichen Gebiete.
    Zum Glück war aufgrund von Notmaßnahmen wie der Überantwortung der Produktion an die Haushalte die Lage in den ländlichen Gebieten besser als noch zwei Jahre zuvor, und die Ankaufquoten fielen im Vergleich zu den beiden Vorjahren drastisch auf nur noch 67,9 Milliarden Pfund. Dieses Zugeständnis hatte der Tod von Millionen Bauern der Regierung abgetrotzt. Aber in diesem Erntejahr sank auch der staatliche Rückverkauf von Getreide an die ländlichen Gebiete um 15 Milliarden Pfund. Die Bauern kämpften weiter mit dem Hunger. Nach Statistiken des Nahrungsmittelministeriums lagen die durchschnittlichen Rationen für die Bauern 1960 um mehr als 190 Pfund unter denen der Jahre 1955 bis 1957. Im Erntejahr 1961/62 lag die Tagesration für etwa 100 Millionen in den ländlichen Gebieten bei einem halben Pfund oder darunter.
    Ein besonders typisches Beispiel für das »Drücken der ländlichen Gebiete« ist die Lieferung von Speiseöl. Im Frühjahr 1959 wurde Speiseöl knapp, man konnte den Exportverpflichtungen nicht mehr nachkommen, man konnte den Bedarf an Industrieölen nicht mehr decken. Das Zentralkomitee beschloss, die Lieferungen von Speiseöl in die ländlichen Gebiete drastisch zu drücken. Außer in Gebieten, wo man Rapssaatgut produzierte, gab es zwischen Juni und September auf dem Land kein Speiseöl mehr. [591]  
    Nun hat Fett weitaus mehr Kalorien als Getreide. Den Bauern, die ohnehin schon zu wenig Kalorien zu sich nehmen konnten, war hiermit auch die Möglichkeit genommen, sich entsprechend zu versorgen. Von dem verbliebenen Speiseöl ging ein entsprechender Teil in den Export. Im Erntejahr 1958/59 lag der Export von Speiseöl bei 438 Millionen Pfund, im Inland wurden nicht einmal mehr 190 Millionen Pfund verkauft. Von Fleisch und Eiern konnte bei den Bauern überhaupt keine Rede mehr sein. Die zwangsweise vom Staat angekauften Lebendschweine und Eier haben zum einen den Bedarf der Städte gedeckt und gingen zum zweiten in den Export.

Die Kampagnen für Nahrungsmittelersatzstoffe während der Hungerjahre
    Die Nahrungsmittelknappheit führte landauf, landab zu einer Bewegung für die Herstellung von Nahrungsersatzmitteln. Das Zentralkomitee leitete am 14. November 1960 einen »Vorschlag zu einer Herstellung von Nahrungsersatzmitteln im großen Stil« der chinesischen Akademie der Wissenschaften in sämtliche Gebiete weiter. Dieser Vorschlag wies auf Methoden zur Verarbeitung von Nahrungsersatzmitteln hin:
    Erstens Eichelmehl: Zuerst sind die Eicheln von der Schale zu trennen, dann ein, zwei Tage in verdünntem Natriumkarbonat einzuweichen, anschließend ist das nicht zum Verzehr geeignete Tannin zu entfernen und man erhält eine zum Verzehr geeignete Stärke.
    Zweitens Maiswurzelmehl, Weizenwurzelmehl: Die Wurzeln werden zerkleinert, zu Pulver vermahlen, Aussehen und Geruch sind ein wenig wie gebratene Nudeln.
    Drittens Blatteiweiß: Nachdem man zum Verzehr geeignete frische Gräser und Ernteblätter und Laub aussortiert hat, kann man in der Regel aus 100 Pfund zwei bis zehn Pfund Blatteiweißpulver erhalten. Die Gewinnung von Eiweiß aus Blättern ähnelt der von Tofu, das heißt, man muss zunächst die frisch gesammelten Gräser und Blätter häckseln (nach dem Sammeln darf man keine Nacht verstreichen lassen) und sie unter Zugabe von Wasser zu einem Brei vermahlen, den Saft herauspressen und dann auf 70 – 80 Grad Celsius erhitzen, was zu einem Aussedimentieren des Eiweißes führt. Anschließend filtern, trocknen und verwenden.
    Viertens künstlicher Fleischextrakt: Dabei handelt es sich um ein mit Hefepilzen hergestelltes Nahrungsmittel, dessen Nährstoffgehalt dem von Fleisch nahekommt. Aus über 400 Arten wurde ein Hefepilz der Gruppe »Fungi imperfecti« herausgesucht. Diesen Pilz in eine Nährlösung geben (Reiswasser, Fonduebrühe, Gemüsereste, faules Obst, ungiftiges Laub, wilde Gräser, Wurzeln von der Ernte, alles kann durch Kochen zu einer Nährlösung werden), dort bei 20 – 30 Grad Celsius halten, bis

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