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Grant County 05 - Gottlos

Grant County 05 - Gottlos

Titel: Grant County 05 - Gottlos Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Karin Slaughter
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Schädlingsbekämpfung setzt man es ein. Zyanid ist in Zigarettenrauch enthalten. Beim Verbrennen von Wolle und verschiedenen Kunststoffen wird Blausäure freigesetzt.»
    «Es dürfte ziemlich schwierig sein, Rauch durch ein Rohr nach unten zu leiten.»
    «Außerdem müsste der Täter eine Maske tragen. Du hast recht. Es gibt einfachere Methoden.»
    «Zum Beispiel?»
    «Es ist ein Salz, das erst in Verbindung mit Säure wirkt. Wenn man Zyanid mit Küchenessig verrührt, kann man damit einen Elefanten töten.»
    «So wie Hitler in den Vernichtungslagern. Waren das nicht auch Salze?»
    «Ich glaube schon.» Sara fröstelte.
    «Wenn sie vergast worden ist», Jeffrey dachte laut, «wären auch wir in Gefahr gewesen, als wir die Kiste aufgemacht haben.»
    «Vielleicht hat es sich verflüchtigt. Oder das Holz und die Erde haben es absorbiert.»
    «Was ist mit Giftmüll in der Gegend? Könnte das Zyanid im Boden sein?»
    «Das ist ein Naturschutzgebiet, und außerdem sind ziemlich viele Leute dort unterwegs. Jogger zum Beispiel. Ich glaube kaum, dass jemand Giftmüll dort abkippen könnte, ohne Aufsehen zu erregen.»
    «Aber theoretisch wäre es möglich?»
    «Theoretisch schon», gab sie zu. «Schließlich hat es ja auch jemand geschafft, das Mädchen unbemerkt dort zu vergraben. Alles ist möglich.»
    «Wie hättest du es getan?»
    Sara dachte nach. «Ich würde Zyanid mit Wasser mischen und durch das Luftrohr kippen», sagte sie dann. «Sie muss den Mund nah an der Öffnung gehabt haben, um zu atmen. Sobald das Gift ihren Magen erreicht, fängt es zu wirken an. Nach ein paar Minuten ist sie tot.»
    «Am Stadtrand gibt es einen Galvaniseur. Er macht Vergoldungen und so was.»
    «Dale Stanley», ergänzte Sara.
    «Pat Stanleys Bruder?», fragte Jeffrey. Pat Stanley war einer seiner besten Streifenpolizisten.
    «Das war seine Frau, die eben hier war.»
    «Was fehlt ihrem Baby?»
    «Bakterielle Infektion. Vor drei Monaten war sie mit ihrem Ältesten da. Tim hat das schlimmste Asthma, das ich seit langer Zeit gesehen habe. Er muss immer wieder ins Krankenhaus.»
    «Sie sah selbst nicht sehr gesund aus.»
    «Ich habe keine Ahnung, wie sie sich noch auf den Beinen hält», stimmte Sara zu. «Aber sie will sich nicht von mir behandeln lassen.»
    «Glaubst du, sie ist krank?»
    «Ich glaube, dass sie kurz vor einem Nervenzusammenbruch steht.»
    Jeffrey dachte nach. «Ich schätze, ich sollte mal dort vorbeischauen.»
    «Jeffrey, es ist ein grauenhafter Tod. Zyankali führt zur Atemlähmung. Es blockiert das Hämoglobin im Blut und verhindert damit die Sauerstoffübertragung, bis man innerlich erstickt. Sie hat gespürt, was passiert ist. Ihr Herz hat gerast.» Sara schüttelte den Kopf, wie um das Bild loszuwerden.
    «Was meinst du, wie lange es gedauert hat?»
    «Hängt davon ab, wie das Gift verabreicht wurde. Zwischen zwei und fünf Minuten. Ich schätze, es ging relativ schnell. Jedenfalls zeigt sie keine der klassischen Anzeichen einer länger anhaltenden Zyanidvergiftung.»
    «Die da wären?»
    «Durchfall, Erbrechen, Krämpfe, Bewusstlosigkeit. Im Grunde versucht der Körper das Gift so schnell wie möglich auszuscheiden, auf jede erdenkliche Art.»
    «Das geht? Ich meine, der Körper kann so was?»
    «Normalerweise nicht. Das Zeug ist hochgiftig. In der Notaufnahme hat man zehn Möglichkeiten, mit denen man es versuchen kann, von Aktivkohle bis Amylnitrit – Gegengifte. Tatsache ist allerdings, dass man eigentlich nur versuchen kann, dieauftretenden Symptome zu behandeln, und das Beste hoffen. Es wirkt unheimlich schnell und fast immer tödlich.»
    Jeffrey hakte noch einmal nach: «Du glaubst also, dass es schnell gegangen ist?»
    «Ich hoffe es.»
    «Ich möchte, dass du das hier mitnimmst.» Er griff in seine Jackentasche und nahm das Handy heraus.
    Sie rümpfte die Nase. «Ich will das Ding nicht.»
    «Ich möchte wissen, wo du bist.»
    «Du weißt doch, wo ich bin», gab sie zurück. «Bei Carlos, dann in Macon und danach wieder hier.»
    «Und was ist, wenn ihr bei der Obduktion was findet?»
    «Dann benutze ich eins der zehn Telefone im Labor und rufe dich an.»
    «Und was ist, wenn ich den Text von ‹Karma Chameleon› vergesse?»
    Sie sah ihn finster an, und er lachte. «Ich liebe es, wenn du mir etwas vorsingst.»
    «Das ist nicht der Grund, warum ich es nicht haben will.»
    Er legte das Telefon vor ihr auf den Untersuchungstisch. «Wahrscheinlich ändert es deine Meinung nicht, wenn ich dich darum bitte, es

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