Größenwahn
mehr?
CLODIUS
lacht.
's ist aber auch wahr! – Was forderst Du?
CÄSAR. Vor allem verfüge ich über Deine Banden für die bevorstehende Wahl. Du magst einen leichten Druck auf die freien Wähler verüben, wirst ihnen mit Knüppel und Messer den rechten Weg weisen.
Ein Diener tritt auf und spricht leise mit Cäsar.
CLODIUS. Den rechten? Welchen?
Diener ab.
CÄSAR. Schlau bemerkt. Da meldet sich eben der Wegweiser.
Zeigt auf ein Nebengemach.
Dort hinein. Ich werde Dich rufen.
Clodius ab. Pause. Dann tritt Catilina ein, vermummt. Beide grüßen stumm. Catilina schweigt stolz.
CÄSAR. Man sagt. Du hast Dich an Gift gewöhnt. Darum schlägt der Haß aller Götter auch so gut bei Dir an. Du bist sehr stolz.
CATILINA. Ich bin Catilina – was sollt ich anders sein?
CÄSAR
trocken.
Ein Hochverräther.
CATILINA. Das weiß ja der Koth auf der Gasse. Bah, so reden wir doch! Du giebst mir Deine Stimme zu meiner Wahl?
CÄSAR. Nein.
CATILINA. Nein? Damit wären wir im Reinen. Aber das Wichtigste hast Du vergessen: Dich selbst. Meine Späher nisten in allen Ritzen des Erdballs: Pompeius ist bald wieder da. Ich weiß es so gut wie Du.
CÄSAR
kalt.
In der That?
CATILINA. Die That wird schon kommen, wenn er kommt mit seinen Legionen. Er ist Dir gram, Dein theurer Schwiegervater. Man weiß, daß Deine Gattin viel über Dich klagt. Eine Ehe ist leicht gelöst.
CÄSAR. Wirklich?
Für sich.
Ich komm' ihm zuvor, verstoße Pompeia wegen der Clodius-Sache.
Laut.
Was soll das alles?
CATILINA. Nun, ich dächte, einem so geistvollen Haupt wie Dir fällt die Folgerung nicht schwer. Er kommt an und Du machst Dich aus dem Staube. Denn Deine Rolle ist ausgespielt. Dein meisterliches Schaukeln zwischen den Partheien hilft da nichts mehr.
CÄSAR. Meinst Du, edler Sergier?
CATILINA. Ja, ich meine, edler Julier. Ich meine auch: Wer bezahlt Deine Schulden? Um im Ton des alten Crassus zu reden: »Geschäft ist Geschäft. Wann, theurer Busenfreund?«
CÄSAR
leichthin.
Wann! Wenn ich meine Provinz habe.
CATILINA. Deine Provinz? Geduld, junger Hahn! Wer verschafft sie Dir? Pompeius? Gewiß nicht. Aber der Consul Catilina tilgt Deine Schulden
Pause.
CÄSAR. Bestechung? – Der Consul Catilina? Ich sehe Monarchieen in Deinem Blick. Hebt auf den Schild ihn, den Rebellenkönig!
CATILINA. Ha! – Doch um in Vater Cato's Ton zu reden: ›Cäsar, Du bist des Todes schuldig: Hast von Königen geredet!‹ Pah, ich bins . Für leere Titel bin ich viel zu groß.
CÄSAR
für sich.
O Wahn der Größe!
Laut.
Wenn nicht etwa mit dem Sturz vom Tarpejischen Felsen, wie willst Du enden?
CATILINA. Vielleicht, wenn der Tag der Freiheit flammend aufgeht über zerbrochenen Ketten und Lictorbeilen, wenn der Panzer der Adelsnarrheit und das erschlichene Goldkleid der Plutokratie zum Kehricht der Vergangenheit verscharrt, aus dem nur noch historische Lumpensammler ihre Säcke füllen, – dann gieß ich Gift in meinen besten Falerner und mit dem letzten Schluck ruf ich zum letzten Mal: Freiheit! – Vielleicht! vielleicht auch nicht! – Du giebst mir Deine werthe Stimme?
CÄSAR. Vielleicht! vielleicht auch nicht.
CATILINA
heftig.
Es ist der Worte genug. Ja oder nein?
CÄSAR
fest.
Lucius Sergius Catilina, Du bist ein großer Mann. Dein Leib ist von Granit und Deine Seele glatt wie die Schlange. Lucius Sergius Catilina, Du bist ein elender Selbstling. Jeder Legionär, der seine verblichene Rüstung putzt, ist ein Gott neben Dir im Wahn Deiner Grüße.
CATILINA. Du bist – – zu Hause.
CÄSAR. Ruhig und höre mich an! Du glaubst die Menschen zu kennen, mich auch? Hoher Menschenkenner, und das ist das Ganze? Wolltest den Cäsar kennen und weißt nicht einmal, daß er ein Römer ist?
CATILINA. Was soll das?
CÄSAR. Ich spreche römisch. Auch meine Toga hat den historischen Zipfel: Krieg oder Frieden! Ich diktire ihn – Du nimmst ihn an. Wo nicht – gut. Aber ich, Julius Cäsar, schwöre bei den Töchtern der Nacht und bei Fortuna, meiner Göttin, sei's geschworen: Mag Säbelheld Pompeius die Welt in einem einzigen Brand in Asche stürzen, wegschreitend über alle Pläne, die mir theuer – ich hindr' ihn nicht. Und risse er sich einen ewigen Ruhm selbst von den Sternen, während müßig ich hier lungere, und kreuzte er mir völlig meiner Bestimmung Laufbahn – mag er's thun! Doch wie der Leu, den man im Rücken faßt, sich auf den Hauptfeind stürzt, der vorn ihm droht, – so stürz ich mich auf Dich, nicht eher rastend, bis Du
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