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Hände weg oder wir heiraten: Roman (German Edition)

Hände weg oder wir heiraten: Roman (German Edition)

Titel: Hände weg oder wir heiraten: Roman (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Eva Völler
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abgesehen kam es mir vage bekannt vor, doch ich wusste nicht, woher.
    Ihr Haar hatte sie mit Papilloten zu aberhunderten feiner Löckchen gedreht und hie und da einen schimmernden Goldfaden hineingewebt. Weitere Bündel der glitzernden Fäden lagen überall verteilt auf dem Boden herum, drapiert über dem Stroh.
    »Das mit dem Lametta ist eine gute Idee«, sagte ich anerkennend. »Ich wusste gar nicht, dass wir noch welches hatten!«
    Sie blickte von dem Buch auf, das sie gerade las. Es war Die perfekte Liebhaberin.
    »Hallo, Britta«, sagte sie. »Ich befasse mich gerade mit der Korbflechterei.«
    Ich deutete auf die Spindel zu ihren Füßen. »Sieht eher aus wie Spinnerei.«
    »Oh, die Spindel. Die habe ich günstig in einem Wollgeschäft abgestaubt, sie hatten sie da als Deko-Stück stehen. Aber sie funktioniert natürlich nicht mehr. Sie ist zwar steinalt, doch es fehlen lauter Teile. Man kann nicht mehr damit spinnen, und schon gar kein Gold.«
    »Sieht aber cool aus.« Ich musterte sie bewundernd. »Genau wie du. Wie eine richtige Prinzessin! Wo hast du das Kleid her?«
    »Erkennst du es nicht?«, fragte sie erstaunt.
    Ich betrachtete irritiert die blaue Seide, dann schluckte ich. »Es ist dein Hochzeitskleid.«
    »Heute Nachmittag eingefärbt. In der Waschmaschine. Es war kinderleicht. Ist zwar etwas eingelaufen, aber wen stört das schon. Hinterher hab ich’s in den Garten gehängt, es war in Nullkommanichts trocken. Sieht doch gut aus, oder?«
    Als ich beklommen nickte, fuhr sie fröhlich fort: »Die Korbflechterei ist eine Technik, zu der die Autorin von einer Frau mit multipler Sklerose angeregt wurde, da deren Handgelenke leicht ermüdeten. Die Korbflechterei ist sehr praktisch, weil man dafür beide Hände benutzt. Eine unterstützt dabei sozusagen die andere.«
    Ich verstand nicht im Entferntesten, worum es ging, hatte aber im Moment auch kein Interesse dafür. »Es war nett von dir, alles herzurichten«, sagte ich zerstreut, während ich zum Telefonhörer griff. »Ich mache gleich die Fotos, aber vorher muss ich mit Thomas telefonieren. Und dich brauche ich dafür als Zeugin.«
    Annabel ließ entgeistert das Buch sinken. »Du willst mit Thomas telefonieren? Mit diesem … diesem … Luderlover? Warum um alles in der Welt willst du das tun?«
    »Um nicht bis zu fünf Jahre in den Knast zu gehen.« Während ich seine Nummer wählte, überlegte ich, dass Luderlover eine wunderbar treffende Bezeichnung für ihn war. Wieso kamen eigentlich immer nur andere Leute auf so was Originelles?
    Ich war erleichtert, als Thomas sich meldete. Nachdem ich einmal den Entschluss gefasst hatte, ihm reinen Wein einzuschenken, wollte ich es auch schnell hinter mich bringen. Ich stellte den Lautsprecher auf Maximalstärke, damit Annabel mithören konnte.
    »Hallo, Thomas«, sagte ich. »Tut mir Leid, wenn ich störe, aber ich muss dir etwas Wichtiges mitteilen. Es geht sozusagen um Leben und Tod.« Ich räusperte mich, um meine Stimme für den Ernst der Lage angemessen zu stärken. »Wie du sicher weißt, hat Serena mich beauftragt, eure Hochzeit zu organisieren. Sie sagte, sie will noch dies und das mit dir klären, wegen des Termins und was weiß ich. Aber …«
    »Was?«, stieß er hervor. »Du … du organisierst unsere Hochzeit?«
    »Thomas, ich verstehe durchaus, wenn es dir unangenehm ist, dass ausgerechnet ich den Auftrag für die Hochzeitsplanung bekommen habe, aber Serena fand, das wäre mehr oder weniger der kleine Ausgleich, den ich vielleicht dafür verdient hätte, dass du mit ihr … Na ja. Falls du generell dagegen bist, dass ich das mache, musst du das mit Serena abklären.«
    »Nein, nein!«, rief er aufgeregt aus. »Ich finde das toll! Ich meine, warum auch nicht? Wenn es irgendwas gibt, wovon du etwas verstehst, dann sind das Hochzeitsplanungen!«
    Annabel steckte sich einen Finger in den Mund und symbolisierte heftiges Erbrechen.
    Thomas wollte mir irgendwas erzählen, aber ich fiel ihm ins Wort.
    »Warte«, sagte ich mit fester Stimme. »Jetzt kommt der Grund meines Anrufs. Ich möchte dir folgende Tatsachen mitteilen. Erstens. Serenas Mutter hatte vier Männer. Eigentlich fünf, wenn man Serenas Vater mitrechnet, aber der war ja schon vorher tot. Die anderen sind auch gestorben. Alle vier. Einer nach dem anderen.«
    »Ja, und? Was soll mir das sagen?«
    »Ich teile dir nur die Fakten mit. Deine Schlüsse musst du selber daraus ziehen.« Ich holte Luft. »Zweitens. Serena war schon mal

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