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Hände weg oder wir heiraten: Roman (German Edition)

Hände weg oder wir heiraten: Roman (German Edition)

Titel: Hände weg oder wir heiraten: Roman (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Eva Völler
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ein.
    Ich wusste nicht, was ich schlimmer fand, dass sie meinen Vater Rolfi nannte oder dass Annabel kurz vorm Zusammenbruch stand.
    Ich fasste Annabel kurzerhand unter und schleifte sie die Treppe rauf, zurück in ihr Zimmer. Vernichtet sank sie auf den Stuhl hinter ihrem Schreibtisch und stützte den Kopf in beide Hände, und dann, von einem Augenblick auf den nächsten, sprang sie wieder auf und begann, sich das Kleid vom Körper zu zerren.
    »Ich kann das keine Sekunde länger anhaben«, sagte sie gepresst. »Wenn ich daran denke, dass ich es getragen habe, als sie und Klaus … Und vorhin auch schon wieder. Ich trage mein Hochzeitskleid für ihre Fotos, damit sie einen Eindruck hat, wie sie mit Sven … Nein!« Unterdrückt aufschluchzend schleuderte sie das Kleid in die Ecke.
    Meine Beine fühlten sich merkwürdig taub an. Ich setzte mich aufs Bett und versuchte immer noch, die ganze Ungeheuerlichkeit in Gedanken nachzuvollziehen. Sven … Der wunderbare, einfühlsame, liebenswürdige Sven … Ich hatte gedacht, er wäre etwas Besonderes. Hatte mir eingebildet, das mit uns wäre einmalig, weltbewegend, unvergleichlich – kurz gesagt, der helle Wahnsinn. Das war es wohl auch, aber mit umgekehrten Vorzeichen. Es war ein Wahnsinn, der Methode hatte und in regelmäßigen Abständen über uns hereinbrach, in Gestalt der männermordenden Serena.
    Sven wollte Serena heiraten, aber das hielt ihn nicht davon ab, mal eben mit mir ins Bett zu steigen. Warum auch nicht. Er stand tierisch auf runde Hintern, das hatte er selbst gesagt, genau mit diesen Worten, und ich hatte nun mal weit und breit den dicksten. Und praktischerweise wohnte ich auch noch hier. Da hatte es sich förmlich angeboten, mal eben über die Stränge zu schlagen. Männer dachten sich nicht viel dabei. Für sie fiel es schlicht unter Hörner abstoßen. Besonders gern taten sie es, wenn es nichts kostete, wenn sie dafür nicht großartig jemanden suchen mussten und wenn sie hinterher deswegen nicht emotional in die Zange genommen wurden, von wegen feste Bindung und so. Im Prinzip hatte ich alle diese Kriterien wunderbar erfüllt. Es war ja mehr oder weniger ausdrücklich zwischen uns ausgemacht, dass es nichts wirklich Festes wäre, genauer gesagt, er hatte das ausgemacht.
    Wie hatte er es noch gleich formuliert? Ach ja. Ich empfand es aus meiner Sicht immer als höchstes Prinzip menschlicher Vernunft, einer Ehe aus dem Weg zu gehen.
    Er hatte noch etwas gesagt, als er das erste Mal hergekommen war und sich mit mir unten in der Küche unterhalten hatte.
    Für mich besteht das eigentliche Problem an der ganzen Heiraterei darin, dass es ein Spiel auf Zeit ist. Schnell gefreit, lang bereut.
    Am liebsten hätte ich einen markerschütternden Schrei ausgestoßen. Mir hatte er vorgemacht, quasi gegen das Heiraten allergisch zu sein, und in Wirklichkeit war er sozusagen schon auf dem Sprung zum Traualtar!
    Annabel weinte leise vor sich hin. »Ich würde sie gern umbringen«, sagte sie. »Meinst du, wenn ich es sofort tue, wäre es im Affekt?«
    Ich hob die Schultern. »Da müssten wir einen Juristen fragen, am besten einen Anwalt.«
    Es war keine gute Idee gewesen, das zu sagen. Ihr Gesichtsausdruck sprach Bände. Sie sah aus wie das personifizierte Elend.
    Wenigstens, so tröstete ich mich, musste ich jetzt ihretwegen kein schlechtes Gewissen mehr haben. Wir würden schnellstens hier ausziehen und sie würde sich diesen verlogenen Kerl in Nullkommanichts aus dem Kopf schlagen. Am besten, indem sie einen anderen ins Auge fasste. Das hatte ja bei Klaus ebenfalls hervorragend funktioniert.
    Und ich würde ganz einfach dasselbe machen und wir würden alle glücklich und zufrieden sein.
    Wem wollte ich eigentlich hier was vormachen? Was immer ich mir da eben an guten Plänen zurechtgelegt hatte – nichts davon würde klappen. Es tat scheißweh, und es war eine Million mal so schlimm wie der Anblick von Serena mit Thomas im Bett.
    Tränen liefen aus den Innenwinkeln meiner Augen und tropften mir von der Nasenspitze in den Schoß. Ich saß mit gesenktem Kopf auf dem Bett und wollte auch jemanden töten, vorzugsweise Sven. Oder am besten gleich alle beide, ihn und seine Braut. Das Problem war nur, dass ich bis zur Hochzeit warten musste, damit mir das Geld sicher war, weil sonst die Russen meinen Vater umbrachten.
    Annabel zog sich andere Klamotten über und ging aus dem Zimmer. Wenig später kam sie mit einem Tablett zurück, auf dem ein Teller mit Schnittchen stand

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