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Hände weg oder wir heiraten: Roman (German Edition)

Hände weg oder wir heiraten: Roman (German Edition)

Titel: Hände weg oder wir heiraten: Roman (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Eva Völler
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wir haben ihn gemeinsam hergezaubert!«
    Pauline verdrehte nur entnervt die Augen. »Diesen Scheiß meinst du doch nicht ernst, oder?«
    In dem Punkt musste ich ihr insgeheim beipflichten, mein Vater war Äonen von dem entfernt, was auch nur ansatzweise in die Kategorie Traummann passte, und es wurde auch dadurch nicht besser, dass man ihn Rolfi nannte.
    Annabel kippte ihren Bowlenbecher auf ex und stellte ihn zur Seite. »Wir machen es diesmal ganz anders.« Sie erklärte Pauline in leicht verwaschen, aber sehr blumig klingenden Sätzen, worauf es bei dem neuen Zauber ankam, nämlich auf die feste innere Überzeugung, dass wir so was Ähnliches wie Liebesgöttinnen wären, überirdische Wesen voller Sex und magischer Anziehungskraft, und wenn wir dank des Zaubers erst innerlich zu solchen Geschöpfen mutiert wären, würden wir das zwangsläufig auch ausstrahlen – mit der bereits erwähnten Wirkung, dass sämtliche Männer willenlos vor uns in den Staub fallen und uns bis ans Ende unserer Tage verehren und begehren und vor allen Dingen niemals und unter gar keinen Umständen mit anderen Weibern rummachen würden.
    Der Rest lief dann so wie gehabt, wir hatten es ja schon mal getan. Nachdem wir uns alle noch einen bis drei Becher von der Bowle einverleibt hatten, stieß Annabel mit zurückgeworfenem Kopf kehlig klingende und absolut unverständliche Zaubersprüche hervor, und ich schwöre, während der ganzen Zeremonie zog es im Zimmer wie Hechtsuppe, obwohl Tür und Fenster fest geschlossen waren.
    Danach vernichteten wir den Rest von der Feuerzangenbowle, und nachdem ich mich vergewissert hatte, dass von den guten Schnittchen keins mehr umkommen konnte – vorsichtshalber futterte ich die letzten beiden auch noch –, schleppte ich mich auf Annabels Bettsofa und fiel in betrunkenen Tiefschlaf.
    Irgendwann wurde ich wach, weil es an der Tür klopfte. »Britta?«, rief es leise von draußen. »Es ist später geworden, ich hatte noch Mandantschaft. Schläfst du schon?« Das war unverkennbar Svens Stimme. Anscheinend hatte der Zauber schon gewirkt. Er war gekommen, um vor mir in den Staub zu sinken und meine Füße zu küssen. Vielleicht sogar meine Knie oder meine Oberschenkel?
    Ein paar ziemlich lüsterne Vorstellungen durchzuckten mein umnebeltes Hirn, doch dann fiel mir ein, dass er ja Serena heiraten wollte. Es klopfte noch mal kurz, doch ich reagierte nicht. Er war kein Traummann, sondern ein Albtraum.
    Aus Annabels Bett tönte rasselndes Schnarchen, sie kriegte nie richtig Luft, wenn sie zu viel Punsch trank. Ich ließ mich vom geräuschvollen Rhythmus ihres Atems einlullen und versank wieder ins Reich der Träume.
    *
    Ich kam zu mir, als Annabel jammernd im Zimmer herumsprang und ihre Klamotten zusammensuchte. »Ich habe verschlafen«, fuhr sie mich an, als wäre es meine Schuld.
    Ich setzte mich auf und umklammerte mit beiden Händen meinen Kopf, der mir definitiv sonst von den Schultern gefallen wäre.
    »Zwei«, sagte Annabel hektisch.
    »Zwei was?«
    »Es sind zwei Patienten, die jetzt in ihren Betten liegen und warten, dass ich ihnen eine frische Windel anziehe und ihnen Frühstück mache!«
    Sie war völlig verzweifelt. Ich dachte an Schnittchen und Punsch und Zauberei und daran, was sie sonst noch alles für mich getan hatte. Energisch schwang ich die Beine aus dem Bett und ignorierte die Schwindelgefühle, die mich beim Aufstehen erfassten. »Ich komme mit und helfe dir.«
    »Das würdest du echt für mich tun?«
    »Ja«, sagte ich heldenmütig.
    Dann ging ich erst mal ins Bad, um mich zu übergeben. Die letzten beiden Schnittchen waren wohl zu viel gewesen.
    Ohne Dusche, ohne Kaffee zum Wachwerden und vor allem, ohne Sven über den Weg zu laufen, fuhren wir mit Annabels lila Smart zu ihrem ersten Patienten, einem Herrn Weberknecht. Ich hatte einen komatös vor sich hindämmernden Uropa erwartet, aber der alte Mann grinste uns rüstig, wenn auch zahnlos an, als wir ins Zimmer kamen.
    »Heute gleich ffwei fföhne Frauen«, sagte er erfreut.
    Ich hatte den Eindruck, dass er sich noch mehr freute, als wir ihn anschließend in Gemeinschaftsarbeit auszogen und wuschen.
    »Er hatte eine Erektion«, zischte ich Annabel zu, als sie in die Küche ging, um Kaffee zu machen. »Meinst du, das ist der Zauber von gestern Abend?«
    Sie kicherte. »Nein, das ist eine Morgenlatte, das hat er noch manchmal.«
    Ich staubte eine Tasse von Herrn Weberknechts Kaffee ab, während Annabel ihn kämmte und das Gebiss aus dem

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