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Herbstfraß

Herbstfraß

Titel: Herbstfraß Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Sandra Busch
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einen Sex-Shop? Um Himmels willen, wieso sollte ich? Sehe ich etwa pervers aus? Haben Sie noch weitere unsinnige Fragen, mit denen Sie meine kostbare Zeit verschwenden wollen?“
    Unvermittelt wird Bo sauer. „An Ihrer Zeit scheint Ihnen mehr gelegen zu sein, als an Ingo.“
    Herr Nolte steht auf und rückt seinen teuren Nadelstreifenanzug zurecht.
    „Ich vertraue ganz und gar auf die Polizei“, erklärt er kühl.
    „Die hat Ingo bislang nicht gefunden“, sagt Bo. Ich zupfe ihn am Ärmel, um ihn zu bremsen.
    „Sie haben auch keinen Erfolg vorzuweisen, Herr Amundsen“, bekommt er Kontra. „Wenn die Herren mich bitte entschuldigen würden? Es gibt Leute, die für ihr Geld durchaus arbeiten müssen.“
    Na also, Rausschmiss. Wir verabschieden uns in einer ziemlich frostigen Atmosphäre und kehren zum Wolf und in den kalten Herbstwind zurück.
     
     
    17:21 Uhr
    Ich lege zwei Fertigpizzen in den Einkaufswagen, während Bo eine Kiste stilles Mineralwasser für Oma Jansen auf die unteren Rasten des Wagens schiebt.
    „Nee, bloß keinen Thunfisch.“ Im nächsten Moment tauscht Bo Thunfisch gegen Quattro Stagioni aus.
    „Ich hätte mal wieder Appetit auf Spaghetti Bolognese mit Zucchini in der Soße“, meldet er zaghaft seine Wünsche an, weil ich ihn weiterhin im Ungewissen lasse, ob sich mein Ärger mittlerweile vollkommen gelegt hat.
    „Kannst du haben.“ Ich gebe mich gönnerhaft. In der Gemüseabteilung suche ich zwei schöne Zucchinis heraus, packe außerdem Äpfel und Kartoffeln ein. Inzwischen schleppt Bo eine Palette Katzenfutter heran. Laut Oma Jansen ein Sonderangebot.
    „Scheiß Teppichratte“, höre ich Bo knurren. Dann ertappt er mich dabei, wie ich nachdenklich einem Mann hinterher schaue, der nichts als Fertigessen und eine Packung dreilagiges Toilettenpapier mit Blümchenmuster im Wagen hat. Mmmhm, attraktiv ist er, mit seinen kurzen, blonden Haaren, dem markanten Gesicht und einer sportlichen Figur. Toller Hintern. Seine sehr, sehr blauen Augen mustern das Angebot an Duschgels. Lecker. Und ich meine nicht das Duschgel, welches gerade in seinen Einkaufswagen wandert, sondern den Fertigessen-Esser.
    „Dot, was muss ich tun, damit du mir endlich verzeihst?“ Bo packt mich am Kinn und dreht mein Gesicht so, dass ich ihn ansehen muss anstatt weiterhin den Fremden anzugeiern. Die Miene meines Tweetys drückt pure Verzweiflung aus.
    „Verwöhn mich heute Abend.“ Die Situation frech ausnutzend grinse ich ihn herausfordernd an.
    „Okay“, sagt Bo leise.
    „Das schließt das Abendessen mit ein. Und unter einem Abendessen verstehe ich nicht das Aufreißen einer deiner Einmannpackungen von der Bundeswehr, um sie über einem Bunsenbrenner aufzuwärmen.“
    „Ich werde eine Pizza in den Ofen schieben können.“ Aber Bo, der mit einer Küchenfee rein gar nichts gemein hat, seufzt bereits.
    „Ich will Salat dazu.“
    „Robin!“
    Ich schweige vielsagend.
    „Okay, okay. Du bekommst deinen verdammten Salat.“
    „Du wirst dir Mühe geben müssen, Bo. Ich bin zutiefst gekränkt.“
    „Solange du nicht diesem Kerl von eben hinterher rennst, gebe ich mir alle Mühe. Sieh mal.“ Neben Packungen mit Kartoffelbrei, Reis und Graupen küsst mich Bo. Kein keusches Bussi auf die Wange sondern einen von diesen Küssen, die einem weiche Knie und dafür harte andere Körperteile bescheren. Zum Glück leben wir in einer toleranten Großstadt, sonst hätte man uns unweigerlich rausgeworfen. So müssen wir bloß zwischen kichernden Hausmütterchen bis zur Kasse Spießrutenlaufen.
    „Gibt es Wein zur Pizza?“
    Bo flucht, lässt mich mit dem Einkaufswagen stehen und saust in Richtung der Alkoholika davon. Ich beginne gerade, die Einkäufe auf das Band zu laden, als er mit einer Flasche Rotwein zurückkommt.
    „Ist dir der recht?“
    Ich sehe mir das Etikett prüfend an und kann es nicht lassen ihn ein bisschen zu ärgern: „Nicht wirklich.“
    Bo stöhnt leidvoll und will schon die Flasche tauschen gehen. Rasch packe ich ihn am Ärmel und lache.
    „War nur Spaß. Bleib hier.“
    „Treib es nicht zu weit, Robin Berger. Ich versohle dir sonst den Hintern. Ganz streng und wenig züchtig.“
    „Oh yes! Spank me!“
    Den irritierten Blick der Kassiererin ignorieren wir.
     
     
    18:03 Uhr
    Auf dem Parkplatz entdecke ich den Fertigessen-Leckerbissen, der seine Errungenschaften in den Kofferraum eines Audis lädt. Kann man tatsächlich von viermal Kasseler mit Kartoffelbrei aus der Mikrowelle überleben? Einer

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