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Herr des Chaos

Herr des Chaos

Titel: Herr des Chaos Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Robert Jordan
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Schultern liegen sehen. Dieser Vormittag verlief aber absolut nicht gut. Und wieder Myrelle! Sie hätte am liebsten geschrien.
    Drüben bei den Novizinnen warf ihr Elayne ein stolzes Lächeln zu, doch Nynaeve schüttelte lediglich den Kopf und wandte sich ab. Sie würde jetzt zurück in ihr Zimmer gehen. Es war so typisch für die Art, wie dieser Tag verlief, daß sie noch nicht einmal auf halbem Weg Dagdara Finchley begegnete, genauer gesagt, Dagdara prallte überrascht auf sie, und sie fiel platt auf den Rücken. Sie mußte ausgerechnet jetzt rennen! Eine Aes Sedai! Die grobschlächtige Frau blieb nicht einmal stehen und hatte es auch nicht nötig, wenigstens eine Entschuldigung nach hinten zu rufen, während sie weiter ihren Weg durch die Menge pflügte.
    Nynaeve raffte sich hoch, klopfte sich den Staub von der Kleidung, stampfte wütend weiter bis zu ihrem Zimmer und knallte die Tür hinter sich zu. Es war heiß hier und eng, die Betten waren nicht gemacht, weil sich Moghedien noch nicht darum kümmern konnte, und das Schlimmste überhaupt war dieses überwältigende Gefühl, daß jeden Moment ein furchtbarer Hagelsturm über Salidar hereinbrechen mochte. Aber hier würde sich wenigstens niemand an sie heranschleichen oder sie niedertrampeln.
    So lag sie dann auf den zerknitterten Laken und spielte mit dem silbrigen Armreif. Ihre Gedanken schweiften von der Frage, was sie heute wohl an neuen Informationen aus Moghedien herausbekommen könne, bis Siuan und ob sie wie versprochen am Nachmittag auftauchte, von Lan bis zu ihrem geistigen Block und weiter, ob sie in Salidar bleiben werde. Es wäre ja eigentlich kein richtiges Weglaufen. Sie würde wahrscheinlich nach Caemlyn gehen, zu Rand, denn er brauchte unbedingt jemanden, der ihm den Kopf zurechtrückte, wenn er zu eingebildet wurde, und Elayne würde es außerdem auch gefallen. Irgendwie kam ihr die Abreise - kein Davonlaufen! - jetzt, nachdem sie Theodrins Absichten nun kannte, noch reizvoller vor.
    Sie erwartete, in den durch den Adam strömenden Gefühlen etwas darüber erkennen zu können, ob Moghedien ihre Arbeit beendet habe, denn dann würde sie sich auf die Suche nach der Frau machen, die sich oft versteckte, wenn sie am Schmollen war, aber die übliche Scham und Empörung ließen nicht nach. So war sie völlig überrascht, als sich die Tür mit einem Knall öffnete.
    »Also hier seid Ihr«, jammerte Moghedien. »Schaut her!« Sie hielt ihre Hände hoch. »Kaputt!« In Nynaeves Augen sahen sie nicht anders aus als alle Hände, nachdem man Wäsche gewaschen hatte: weiß und runzlig, sicher, aber das gab sich wieder. »Es reicht noch nicht, daß ich völlig verwahrlose, daß ich bedienen und schleppen muß wie eine Dienerin, nein, nun erwartet man auch noch von mir, wie eine primitive...!«
    Nynaeve unterbrach ihren Redeschwall mit einem einfachen Heilmittel: Sie dachte an einen kurzen Schlag mit einem Lederriemen, was das für ein Gefühl war, und dann verschob sie den Gedanken in den Teil ihres Gehirns, in dem die von Moghedien her empfangenen Gefühle ihren Platz hatten. Die andere Frau riß die dunklen Augen auf, klappte augenblicklich den Mund zu und preßte die Lippen aufeinander. Kein harter Schlag, aber eine Mahnung.
    »Schließt die Tür und setzt Euch«, sagte Nynaeve. »Ihr könnt die Betten später machen. Wir haben jetzt Unterricht.«
    »Ich bin wirklich an Besseres gewöhnt«, grollte Moghedien, als sie dem Befehl nachkam. »Ein Nachtarbeiter in Tojar führte da ja noch ein besseres Leben!«
    »Wenn ich mich nicht völlig verschätze«, sagte Nynaeve in scharfem Tonfall zu ihr, »dann stand bei einem Nachtarbeiter in wo-auch-immer kein Todesurteil im Raum. Wenn Ihr das wünscht, sagen wir gern Sheriam, wer Ihr wirklich seid.« Das war ein reiner Bluff - schon bei dem bloßen Gedanken an so etwas zog sich Nynaeve der Magen zu einem ätzenden Klumpen zusammen -, aber von Moghedien her ergoß sich eine beißende Flut von Angst durch den A'dam. Nynaeve bewunderte fast schon die Art und Weise, wie diese Frau ihre Miene beherrschte. Hätte sie das gleiche empfunden, würde sie sich vermutlich verzweifelt auf dem Boden wälzen und mit den Zähnen knirschen.
    »Was wollt Ihr von mir gezeigt bekommen?« fragte Moghedien mit ausdrucksloser Stimme. Sie mußten ihr immer sagen, was sie genau von ihr wollten. Von allein bot sie ihnen praktisch niemals etwas an, außer sie übten einen derartigen Druck auf sie aus, daß Nynaeve es bereits als Vorstufe zur

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