Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Herr des Chaos

Herr des Chaos

Titel: Herr des Chaos Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Robert Jordan
Vom Netzwerk:
Macht hoffte. Das Licht gebe, daß es sich bei alledem nur um Gerüchte handle: Männer, die mit der Macht umgehen konnten und sich nun in Caemlyn versammelten, den Königlichen Palast unsicher machten und die Stadt in Angst und Schrecken versetzten...
    »Ihr vernehmt eine ganze Menge«, sagte Morgase. »Verbringt Ihr eure ganze Zeit damit, an Türritzen zu lauschen?«
    Marandes Lächeln verstärkte sich. Sie war nicht in der Lage gewesen, dem Druck, eine von Morgases Hofdamen zu spielen, zu widerstehen, aber sie war auch stolz genug, um ihr Mißvergnügen eindeutig und ohne jede Furcht kundzutun. Sie war wie ein Dorn, der tief in ihrem Fuß steckte, ein Herausziehen war nicht möglich, und bei jedem Schritt spürte sie einen scharfen Stich. »Ich habe durch das Vergnügen, Ihrer Majestät zu dienen, nur wenig Zeit zum Lauschen übrig, doch ich bemühe mich, alle nur möglichen Neuigkeiten aus Andor aufzuschnappen, damit ich mich mit Ihrer Majestät darüber unterhalten kann. Wie ich höre, trifft der falsche Drache täglich mit den Adligen Andors zusammen. Mit Lady Arymilla und Lady Naean, Lord Jarin und Lord Lir und anderen ihrer Freunde.«
    Einer der Falkner hob einen schlanken, grauen Vogel mit schwarzen Schwingen und einer Haube über dem Kopf zu Morgase hoch. Silberglöckchen an den Halteriemen des Falken bimmelten leise, als der Vogel sein Gewicht auf dem Handschuh des Falkners verlagerte.
    »Ich danke Euch, aber für heute habe ich genug von der Jagd«, sagte Morgase zu ihm, dann erhob sie die Stimme: »Meister Gill, ruft die Eskorte zusammen. Ich kehre in die Stadt zurück.«
    Gill fuhr zusammen. Er wußte recht gut, daß er nur dazu da war, um hinter ihr herzureiten, aber nun begann er damit, zu winken und den Weißmänteln Befehle zuzurufen, als glaube er im Ernst, sie würden ihm gehorchen. Was sie selbst betraf, ließ Morgase ihre schwarze Stute auf dem Fuß wenden. Natürlich ließ sie das Tier nicht schneller als im versammelten Schritt weitergehen. Norowhin wäre wie der Blitz zugegen gewesen, hätte er die Möglichkeit ins Auge gefaßt, sie wolle entkommen.
    Aber auch so galoppierten die Weißmäntel - ganz ohne ihre gewohnten weißen Umhänge - heran und bildeten eine Eskorte, bevor die Stute auch nur zehn Schritte zurückgelegt hatte, und noch vor Erreichen des Rains um die Weide war Norowhin an ihrer Seite, ein Dutzend Männer voraus und der Rest nicht weit hinter ihm. Die Diener und Musiker und Falkner ließen sie zurück. Sie sollten alles zusammenpacken und ihnen dann folgen, so schnell es ihnen möglich war.
    Gill und Paitr nahmen ihre Plätze gleich hinter ihr ein, und die Hofdamen folgten ihnen. Marande trug ihr Lächeln nun wie ein Zeichen des Triumphs zur Schau. Allerdings hatten ein paar der anderen die Stirnen mißbilligend gerunzelt. Nicht zu deutlich natürlich, denn auch wenn die Frau sich Niall beugen mußte, besaß sie doch genug Macht in Amadicia, um sie Vorsicht walten zu lassen, aber immerhin bemühten sich die meisten, ihre unerwünschte Aufgabe dennoch gut zu erfüllen. Der größere Teil hätte wahrscheinlich sogar Morgase freiwillig und gern gedient, aber sie wohnten nur äußerst ungern in der Festung des Lichts.
    Morgase hätte gelächelt, wäre sie sicher gewesen, daß Marande es nicht sehen könnte. Der einzige Grund, warum sie nicht schon vor Wochen darauf bestanden hatte, die Frau wegzuschicken, war deren loses Mundwerk gewesen. Marande genoß es, bei ihr zu sticheln, wie sehr Andor doch ihrem Zugriff entglitten sei, aber die Namen, die sie zu diesem Zweck ausgewählt hatte, waren Balsam auf Morgases Seele. Alles Männer und Frauen, die sich während der Auseinandersetzung um die Thronfolge gegen sie gestellt hatten, alles Speichellecker Gaebrils. Von ihnen erwartete sie genau das und nicht mehr. Hätte Marande andere erwähnt, wäre das Ergebnis ganz anders ausgefallen. Lord Pelivar oder Abelle oder Luan, Lady Arathelle oder Ellorien oder Aemlyn und andere. Die waren aber bei Marandes Sticheleien niemals aufgetaucht, und ganz gewiß hätte die Frau ihre Namen erwähnt, wäre aus Andor auch nur der Hauch irgendeines Gerüchts über sie aufgetaucht. Solange Marande sie nicht nannte, bestand wenigstens noch Hoffnung, daß sie noch keinen Kniefall vor al'Thor getan hatten. Sie hatten damals Morgases Anspruch auf den Thron von Anfang an unterstützt, und wenn es das Licht wollte, würden sie auch jetzt noch dazu stehen.
    Fast kahle Wälder teilten sich über einer Straße

Weitere Kostenlose Bücher