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Herr des Chaos

Herr des Chaos

Titel: Herr des Chaos Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Robert Jordan
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klargemacht, daß sie mich nicht selbst satteln wollte.«
    Rands Lachen klang zu rauh, um fröhlich zu wirken. »Glaubst du wirklich, Aes Sedai würden mich in Ruhe lassen, nur weil ich sie in Ruhe gelassen habe? Mich? Wenn sich die Burg aufspaltet, ist es das beste, was mir passieren kann. Sie sind zu sehr damit beschäftigt, einander zu beobachten, als daß sie mir ihre volle Aufmerksamkeit zuwenden könnten. Andernfalls würden sich zwanzig Aes Sedai stets in meiner Nähe aufhalten. Oder fünfzig. Ich habe Tear und Cairhien hinter mir, auf gewisse Weise, und hier einen Halt. Ohne die Aufspaltung würde immer jemand sagen, wenn ich den Mund aufmachte: ›Ja, aber die Aes Sedai...‹ Perrin, Moiraine hat ihr Bestes getan, mich festzubinden, bis ich sie zwang, damit aufzuhören. Und um die Wahrheit zu sagen, bin ich nicht sicher, daß sie wirklich aufgehört hat. Wenn eine Aes Sedai sagt, daß sie dich beraten, aber dich entscheiden lassen will, meint sie, daß sie weiß, was du tun solltest, und dich nach allen Kräften dazu bringen wird.« Er hob seinen Becher und trank einen großen Schluck. Als er den Becher wieder senkte, schien er ruhiger. »Wenn die Burg sich einig wäre, würde ich inzwischen von so vielen Strängen gebunden, daß ich ohne die Erlaubnis von sechs Aes Sedai keinen Finger mehr rühren könnte.«
    Perrin mußte fast selbst lachen, und es klang nicht fröhlicher als bei Rand. »Also denkst du, es sei besser, die aufrührerischen Aes Sedai gegen die Burg auszuspielen? ›Spende dem Bullen Beifall, oder spende dem Bären Beifall. Spende beiden Beifall, und du wirst zertreten und gefressen werden.‹«
    »So einfach ist es nicht Perrin, obwohl sie das nicht wissen«, sagte Rand selbstgefällig und schüttelte den Kopf. »Es gilt noch eine dritte Seite zu bedenken, die mich in die Knie zwingen will. Wenn sie erneut Kontakt aufnehmen. Licht! Wir sollten unsere erste gemeinsame Stunde nach so langer Zeit nicht damit verbringen, über Aes Sedai zu reden. Emondsfeld, Perrin.« Sein Gesichtsausdruck wurde fast wieder so weich wie früher, und er lächelte freudig. »Ich habe nur kurze Zeit mit Bode und den anderen verbracht, aber sie erwähnten alle möglichen Veränderungen. Sage mir, was sich verändert hat, Perrin, und sage mir, was gleich geblieben ist.«
    Sie sprachen einige Zeit über die Flüchtlinge und all die neuen Dinge, die sie mit sich gebracht hatten, neue Bohnensorten und Kürbisse, neue Sorten Birnen und Äpfel, das Weben edler Stoffe und auch Teppiche, das Herstellen von Mauer- und Dachziegeln und verspielte Steinmetzarbeiten und Möbel, wie man sie noch nie zuvor gesehen hatte. Perrin hatte sich an die vielen Menschen gewöhnt, die über die Verschleierten Berge gekommen waren, aber Rand schien betroffen zu sein. Die Mauer, die einige Leute um Emondsfeld und die anderen Dörfer ziehen wollten, war heftig umstritten, wie auch die Frage, ob es eine Steinmauer oder eine Holzpalisade sein sollte. Manchmal schien Rand wieder er selbst zu sein, lachte darüber, daß alle Frauen anfangs auf die Gewänder der Taraboner oder Domani geschimpft hatten und jetzt aufgespalten waren in jene, die nichts anderes als gute, feste Zwei-FlüsseKleidung trugen, und jene, die ihre ganze bisherige Kleidung zu Teppichen zerschnitten hatten. Oder darüber, daß sich eine Anzahl junger Männer Schnurrbärte wie Taraboner oder Domani wachsen ließen, was den törichten Bartträger aussehen ließ, als hätte sich ein kleines Tier unter seiner Nase festgesetzt. Perrin machte sich nicht die Mühe hinzuzufügen, daß Barte wie seiner noch beliebter waren.
    Aber es erschreckte ihn, als Rand verdeutlichte, er beabsichtige das Lager nicht zu besuchen, obwohl dort viele Männer waren, die er kannte. »Ich kann dich oder Mat nicht beschützen«, sagte er leise, »aber sie.«
    Danach versiegte die Unterhaltung natürlich, bis sogar Rand erkannte, daß er sie erstickt hatte. Schließlich stand er seufzend auf, fuhr sich mit den Händen durchs Haar und sah sich verdrießlich um. »Du wirst dich sicher ausruhen wollen, Perrin. Ich sollte dich nicht davon abhalten. Ich werde Räume für dich vorbereiten lassen.« Er führte Perrin zur Tür und fügte dann plötzlich hinzu: »Du wirst doch über Tear nachdenken, Perrin? Ich brauche dich dort. Es ist keine Gefahr damit verbunden. Ich werde dir alles erklären, wenn du dich dazu entschließt. Du wirst erst der vierte sein, der von dem wahren Plan erfährt.« Rands Gesicht nahm

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