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Herr des Chaos

Herr des Chaos

Titel: Herr des Chaos Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Robert Jordan
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sozusagen mitgezerrt - und wir rannten den ganzen Weg. Ich war ehrlich gesagt nicht sicher, daß wir rechtzeitig gekommen waren, bis Ihr gerade eben die Augen öffnetet.«
    »Natürlich«, sagte Merana mit tonloser Stimme, »hatten beide Anteil an der Falle - und an der Warnung. Die Aiel und der Mann. Es ist eine Schande, daß wir ihn entkommen ließen, aber wir waren so um Euch besorgt, daß er entwischen konnte, bevor jemand daran dachte, ihn aufzuhalten.«
    Demira hatte an Milam gedacht und daran, wie dies die Suche in der Bibliothek beeinflussen würde, daran, wie lange es dauern würde, Stevan zu beruhigen, und Meranas Worte drangen nur langsam zu ihr vor. »Ihn festhalten? Eine Warnung? Wovon sprecht Ihr, Merana?« Berenicia murmelte etwas darüber, daß sie es vielleicht verstehen würde, wenn sie es ihr schwarz auf weiß zeigten. Berenicia konnte manchmal sehr bissig sein.
    »Habt Ihr jemanden den Schankraum betreten sehen, um etwas zu trinken, seit wir eingetroffen sind, Demira?« fragte Merana geduldig.
    Es stimmte - sie hatte niemanden gesehen. Eine oder auch zwei Aes Sedai fielen unter den Gästen einer Schenke in Caemlyn kaum auf, aber bei neun Aes Sedai war es schon etwas anderes. Herrin Cinchonine hatte kürzlich offen darüber gesprochen. »Dann wollte man Euch absichtlich wissen lassen, daß Aiel mich getötet hätten. Vielleicht, damit ich gefunden würde, bevor ich tot wäre.« Sie hatte sich gerade an das gräßliche Gesicht des Burschen erinnert, der sie drohend angesprochen hatte. »Ich sollte Euch alle auffordern, Euch von al'Thor fernzuhalten. Jemand sagte wörtlich: ›Richtet den anderen Hexen aus, sie sollen sich vorn Wiedergeborenen Drachen fernhalten.‹ Diese Nachricht hätte ich wohl kaum tot überbringen können... Wo war ich verletzt?«
    Stevan regte sich auf seinem Stuhl und warf ihr einen gequälten Blick zu. »Es wurde in beiden Fällen keines der Organe getroffen, deren Verletzung tödlich gewesen wäre, aber Euer immenser Blutverlust...«
    »Was sollen wir jetzt tun?« unterbrach Demira ihn, die Frage an Merana gerichtet, bevor Stevan damit fortfahren konnte, ihr vorzuwerfen, wie töricht sie gewesen war, sich auf diese Art erwischen zu lassen.
    »Ich denke, wir sollten die verantwortlichen Aiel suchen«, sagte Berenicia bestimmt, »und an ihnen ein Exempel statuieren.« Sie kam aus den Grenzgebieten Shienars, und Überfälle der Aiel waren in ihrer Kindheit üblich gewesen. »Seonid ist meiner Meinung.«
    »O nein!« widersprach Demira. »Ich werde mir die erste Gelegenheit, Aiel zu beobachten, nicht entgehen lassen. Es war immerhin mein Blut. Außerdem scheint mir offensichtlich, daß sie auf Befehl gehandelt haben, wenn der Mann, der Euch gewarnt hat, nicht auch ein Aiel war. Und ich glaube, es gibt nur einen Mann in Caemlyn, der Aiel befehligt.«
    »Wir anderen«, sagte Merana, während sie Berenicia fest ansah, »stimmen mit Euch überein, Demira. Ich möchte nichts mehr davon hören, Zeit und Kräfte zu verschwenden, um unter Hunderten ein Rudel Jagdhunde ausfindig zu machen, während sich der Mann, der sie zur Jagd aufgefordert hat, ins Fäustchen lacht.« Berenicia murrte ein wenig, bevor sie den Kopf beugte, aber das tat sie stets.
    »Wir müssen al'Thor zumindest zeigen, daß er Aes Sedai nicht auf diese Art behandeln kann«, bemerkte Berenicia scharf. Ein Blick von Merana mäßigte sie, obwohl sie nicht glücklich darüber klang. »Aber natürlich auch nicht so deutlich, daß es alle unsere Pläne gefährden würde.«
    Demira tippte sich mit den Fingern an die Lippen und seufzte. Sie fühlte sich schwach. »Mir fällt gerade etwas ein. Wenn wir ihm offen vorhalten, was er getan hat, wird er alles abstreiten, und wir können ihm nichts beweisen. Nicht nur das - er wäre vielleicht sogar so klug zu verkünden, daß er sich berechtigt fühlt, Aes Sedai wie Hasen zu jagen.« Merana und Berenicia wechselten Blicke und nickten verständig. Der arme Stevan runzelte zornig die Stirn. Er hatte niemals jemanden ungestraft gelassen, der sie verletzt hatte. »Wäre es nicht besser stillzuhalten? Das würde ihn sicherlich zum Nachdenken bringen. Warum haben wir nichts gesagt? Was werden wir unternehmen? Ich weiß nicht, wieviel wir tun können, aber wir können ihm zumindest Angst einjagen.«
    »Ein stichhaltiges Argument«, sagte Verin vom Eingang her. »Al'Thor muß die Aes Sedai respektieren, sonst wird es keine Zusammenarbeit geben.« Sie bedeutete Stevan zu gehen - er wartete

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