Historical Lords & Ladies Band 38
Lord Devenham holt die Kutsche hierher“, sagte er freundlich. „Mr Langdon könnte Sie dann, wenn Sie erlauben, das kurze Stück tragen.“
„Ja, danke.“ Sophie schien sehr betroffen zu sein, denn sie wandte sich an ihren Freund aus Kindertagen, der immer da war, wenn sie Trost brauchte. „Ach, James, es tut mir so leid. Ich habe euch den Tag verdorben.“
„Unsinn“, entgegnete er. „Es ist ohnehin Zeit, nach Hause zu fahren. Gräm dich nicht, Sophie, zu deinem Ball wirst du wieder in Ordnung sein.“
Sie lächelte unter Tränen. „Ganz bestimmt“, pflichtete Sarah ihm bei. „Sophie, soll ich dir den Stiefel ausziehen? Es tut bestimmt sehr weh. Die Gentlemen könnten inzwischen die Pferde holen.“
Die beiden jüngeren Männer verstanden den Wink und entfernten sich. Sarah schaute nervös auf Ravensdene, als dieser nicht sofort deren Beispiel folgte.
Ihre Blicke trafen sich. Er lächelte schwach, stand auf, nahm Devenhams Arm und ging den anderen wortlos nach.
Sarah wusste Ravensdenes Schweigen nicht zu deuten, doch zwei Tage später wünschte sie, Julia würde sich an ihm ein Beispiel nehmen.
„Sarah, du kannst die Einladung von Lady Ravensdene nicht ablehnen. Das wäre äußerst unhöflich, wenn du keine anderen Verpflichtungen hast.“
Trotzig schnitt Sarah eine weitere Rose für die Bibliothek ihres Onkels. „Woher willst du wissen, dass ich keine habe?“, fragte sie.
Julia runzelte die Stirn. „Weil ich die gleichen hätte. Wir bewegen uns schließlich in denselben Kreisen. Übrigens, Mama und ich wurden ebenfalls eingeladen. Du wirst also nicht allein dort sein. Lady Ravensdenes Nachricht besagt, dass wir bei gutem Wetter den Tee am See nehmen werden. Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen.“
Und nichts wäre besser geeignet, die Erinnerung an das Picknick und ihre hysterische Flucht vor Ravensdene wachzurufen.
Auf dem Heimweg und auch in den letzten beiden Tagen hatten sich ihre Gedanken nur um die sehnsüchtigen Gefühle gedreht, die Ravensdene in ihr weckte. Vergeblich hatte sie versucht, sie zu ignorieren, und statt dessen den Eindruck gewonnen, etwas sehr Wertvolles verloren zu haben.
Und nun die persönlich gehaltene Einladung von Ravensdenes Mutter.
„Halt, warte!“, rief sie plötzlich, als Julia ihr den Korb aus der Hand nahm und sie zum Haus zog. „Wohin willst du? Ich bin noch nicht fertig …“
„Du wirst Lady Ravensdene einen netten Brief schreiben und die Einladung annehmen“, antwortete Julia energisch. „Ich werde dich nicht aus den Augen lassen, bis das erledigt ist. Meine Zukunft steht auf dem Spiel.“
„Was?“ Sarah folgte der Freundin durch die Halle in den Salon. „Was soll das heißen, deine Zukunft steht auf dem Spiel?“, fragte sie, als Julia neben dem Schreibtisch stehen blieb und auf die Feder deutete. „Wovon sprichst du eigentlich?“
Julia rang verzweifelt die Hände. „Ach, Sarah, ich habe Barney – ich meine Lord Devenham – seit dem Picknick nicht mehr gesehen. Gestern hat er Papa einen Besuch abgestattet, während Mama und ich aus waren. Als wir zurückkamen, war Papa wegen irgendwelcher Geschäfte bereits in die Stadt gefahren. Ich weiß nicht einmal, was sie besprochen haben. Und warum ist Barney – ich meine Lord Devenham – heute nicht gekommen? Seinetwegen bin heute den ganzen Nachmittag hiergeblieben. Wenn nur Mama und ich nach Comberford fahren, zieht Ravensdene sich womöglich zurück und Barney könnte sich ihm anschließen. Dann sähe ich ihn wieder nicht, und das halte ich nicht aus.“
„Barney?“
Julia errötete. „Ich sagte dir doch, dass ich Lord Devenham gut kenne. Sein Name ist Barney.“
Sarahs Gedanken überschlugen sich: Julia und Devenham gemeinsam aus der Krypta kommend, der verwirrte Ausdruck in Julias Augen, ihr leicht geröteter Mund, Devenhams angespannte Miene … „Gütiger Himmel!“, rief sie bestürzt aus. „Die Ruinen … Du warst … Er war …“
„Ja, wir waren, und er ganz besonders“, bestätigte Julia, die offensichtlich das Gestammel verstanden hatte, mit strahlenden Augen. „Ach, Sarah, als er mich küsste … das war unbeschreiblich.“
„Unbeschreiblich“, wiederholte Sarah schwach.
„Ja. Aber da ist noch mehr. Als ich es Barney sagte, lächelte er nur und … Sarah, bei diesem Lächeln bekam ich ganz weiche Knie.“
Sie wusste genau, was Julia meinte. Sie kannte dieses Gefühl.
„Ich muss ihn so schnell wie möglich wiedersehen. Du wirst also jetzt sofort
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