Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Historical Lords & Ladies Band 38

Historical Lords & Ladies Band 38

Titel: Historical Lords & Ladies Band 38 Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Julia Byrne , Paula Marshall
Vom Netzwerk:
mehr zu sagen.“
    John schwieg. Dann gab er dem Impuls nach, der ihn aus heiterem Himmel überfallen hatte. Er beugte sich vor, streckte die kräftige Hand aus und zog Cassies Kopf zu sich heran. Er küsste sie, zuerst keusch auf die Wange, doch dann suchte und fand sein Mund ihre zarten Lippen.
    So süß! So süß! Sie war nie geküsst worden, und sein Mund fühlte sich so weich auf ihrem an, so zart. Er löste Schauer in ihr aus, die sie bis zu den Zehenspitzen erfassten und dabei Bereiche berührten, die zu haben keine Dame sich eingestehen durfte.
    Oh Gott! Kanonenschüsse dröhnten in seinem Kopf. John merkte, dass er erregt war, erregt durch das unverschämte Kind, dessen Unschuld nicht zu zerstören er gelobt hatte. Er hatte den Wunsch, Cassie und sich zu entkleiden, zu ihr ins Bett zu steigen und das zu beenden, was er fälschlicherweise angefangen hatte. Er hatte sie nur mit einem brüderlichen Kuss belohnen, sie ein wenig trösten wollen, weil sie so ein braves Mädchen war, und nun fühlte er sich, wie er sich seit Jahren nicht gefühlt hatte. Er war ein Junge, der sein erstes Mädchen küsste. Die verlorenen Jahre, die ihm die Jugend genommen hatten, ehe er sie genießen konnte, verschwanden. Er war die Unschuld, die Unschuld küsste.
    Woher er die Selbstbeherrschung nahm, sich von Cassie zu lösen, wusste er nicht.
    Sie klammerte sich an ihn und murmelte: „Oh, John! Oh, John!“
    Er hätte sie besitzen können. Doch die Ehre gebot ihm: Nein! Was immer er aufgegeben hatte, sein Ehrgefühl hatte er nie verloren. „Ich hätte das nicht tun dürfen“, sagte er spröde. „Verzeih mir, Cassie.“
    „Ich soll dir verzeihen?“ Ihre Miene wirkte benommen, betäubt, als hätte sie Laudanum zu sich genommen. „Was sollte ich dir verzeihen? Es war … wundervoll. Ich habe nicht gewusst, dass Küssen so schön sein kann.“
    Oh, verdammt, verdammt, verdammt. Er hatte ihre Unschuld verletzt.
    Sie wollte fragen: „Warum hast du aufgehört?“ Die Vernunft riet ihr jedoch, dass junge Damen, selbst eine frischverheiratete Countess, eine solche Frage wahrscheinlich nicht stellen durften. Es war Sache der Männer, die Führung zu übernehmen, und die der Frauen, ihnen zu folgen, in der Ehe wie im Leben. Oder etwa nicht?
    John sprang auf. Er ging zu der Weinflasche, schenkte sich ein und leerte das Glas. Er nahm die halb leere Flasche und kehrte zu Cassie zurück, die das dumpfe Gefühl hatte, dass sie irgendwie etwas falsch gemacht hatte. „Meine Liebe“, sagte er, „wir müssen den Dienstboten etwas zum Nachdenken geben. Morgen früh werde ich den restlichen Inhalt der Flasche auf das Laken schütten, damit sie, wenn sie das Bett machen kommen, Grund zum Tratschen haben.“
    Cassie nickte. Durch sein Verhalten ließ er erkennen, dass der Kuss nicht zu weiteren Zärtlichkeiten führen würde. Zum ersten Mal empfand sie Zorn. Er hatte kein Recht. Sie war seine Frau. Sie war kein Kind, auch wenn er sie dafür halten mochte. Und wenn er in Wut geraten konnte, brachte auch sie das fertig. Aber jetzt würde sie ihre Gereiztheit nicht zeigen. „Wie sollen wir dann schlafen?“, fragte sie ihn ein wenig schüchtern. „Teilen wir uns das Bett?“
    Er nickte. „Du liegst unter der Bettdecke. Ich lege mich darauf“, erklärte er ihr energisch. Er glaubte, er könne der Versuchung widerstehen, falls er die Gattin nicht anfasste. Er hatte herausgefunden, dass sie erstaunlicherweise eine echte Bedrohung für seine Selbstbeherrschung war. Und keineswegs auf die Art, wie Dickie und alle anderen das annahmen. Er zog den Morgenmantel aus und löschte die Kerzen.
    Cassie streckte sich unter dem Laken aus.
    John legte sich auf die Bettdecke. Er war sich nicht bewusst, dass Cassie, bevor sie überraschend schnell einschlummerte, versuchte, sich nicht von seinem maskulinen Duft beunruhigen zu lassen.

6. KAPITEL
    G leich nach dem Aufstehen war John ausgeritten, und Cassie hatte allein gefrühstückt. Sie sah ihn erst am Spätnachmittag wieder, als er in den hübschen Salon kam, wo das Porträt seiner Mutter über dem Kamin hing. Seine Mutter trug den „Stern von Risapore“. John brachte einen Stoß amtlich aussehender Papiere mit, die er auf den kleinen Tisch im Erker legte. Er war elegant gekleidet und erkundigte sich ernst, ob er bei Cassie bleiben könne, während er arbeitete.
    Sie war emsig mit einer Stickerei beschäftigt, einem Kniekissen für die Familienkapelle in Coverham, und murmelte: „Selbstverständlich.“

Weitere Kostenlose Bücher