Historical Lords & Ladies Band 38
und redete lebhaft auf ihn ein, während der respektvolle und amüsierte Neffe den beiden folgte. Das war Cassie? Angesichts der starrenden Blicke, die sie trafen, und der Ehrenbezeugungen, die ihr zuteilwurden, hatte sie eindeutig für eine kleine Sensation gesorgt.
Als John näherkam, begrüßte ihn Wellington mit einem leicht verwunderten Ausdruck im Habichtgesicht, derweilen er sich zu erinnern trachtete, wo er den Earl schon einmal getroffen hatte.
John verneigte sich ebenfalls und äußerte alle die korrekten Floskeln, die man in Gesellschaft von ihm erwartete. Er bemühte sich, die Gattin, die das Bild jugendlicher Unschuld bot, nicht zu scharf anzusehen. Er hoffte, der Duke möge ihre jugendliche Unschuld respektieren, war sich jedoch nicht sicher, wer von den beiden den anderen manipulierte, denn er war zu sehr damit beschäftigt, Cäsar anzustarren, der an der Leine zu zerren begonnen hatte. Dennoch entledigte er sich seiner Höflichkeitspflichten gut, ehe der Duke ihn entließ. Dann begann er, nachdem er dem Neffen kurz zugenickt hatte, mit der Gattin zum Landauer zurückzuschlendern. „Ich dachte, du würdest gern mit mir nach Haus fahren“, sagte er.
„Oh, wunderbar“, erwiderte Cassie eifrig. Zum ersten Mal hatte er so etwas vorgeschlagen. „Ich nehme an, du konntest deine Geschäfte schneller erledigen.“
„Ja, und ich bin rechtzeitig zurückgekehrt, um feststellen zu können, dass meine Frau die Sensation des Parks ist. Und was ist diese Kreuzung zwischen einem Kalb und einem Wolf, wenn ich fragen darf?“ John zeigte auf Cäsar, dem in der Hitze die lange rosafarbene Zunge aus der Schnauze hing.
„Das? Oh, das ist Cäsar, der Hund, von dem ich dir erzählt habe.“
„Der? Du hast dieses Monster gekauft? Nanu, ich erinnere mich genau, dass du gesagt hast, du wolltest einen Pudel kaufen.“
„Du warst derjenige, John, der vorgeschlagen hat, ich solle einen Pudel kaufen“, erwiderte Cassie wahrheitsgemäß. „Ich habe nichts dergleichen gesagt.“
„Es sieht dir gar nicht ähnlich, nichts zu diesem Thema oder irgendeinem anderen zu sagen“, entgegnete er boshaft. „Du hast mich an der Nase herumgeführt, nicht wahr?“
Cassie musste über diese rasche und scharfsinnige Einschätzung ihrer leichten Unartigkeit kichern. Sie blieb jäh stehen, setzte eine sittsame Miene auf und bemerkte ernst: „Du hast dich selbst an der Nase herumgeführt, John.“ Es entzückte sie zu sehen, dass er nicht wirklich ärgerlich auf sie war, sie nur neckte, und das vor den Augen seiner Schwester, die ihn vom Landauer her finster anstarrte, wo sie zweifellos damit befasst war, die arme Stroody zu belästigen.
John lachte sie an. „Ja, ich merke, dass ich genauer auf das hören muss, was du mir sagst. Und nun, Lady Devereux, stell dich darauf ein, von deinem Mann, den du so erfolgreich an der Nase herumgeführt hast, durch den Park und dann nach Haus kutschiert zu werden. Den Hund musst du jedoch Stroody übergeben, damit sie sich um ihn kümmert. Ich will ihn nicht in der Karriole haben. Nur ein Pudel hätte auf so beengtem Raum Platz. Hinauf mit dir.“ Er half ihr auf den Sitz, verabschiedete sich kühl von seiner Schwester und lenkte die Karriole durch den Park.
Cassie nickte graziös vom Sitz aus den vielen neuen Freunden zu, die sie sich in den vergangenen Wochen gemacht hatte. Sie nahm den zu ihrem Spenzer im Uniformstil passenden Tschako ab und ließ die Locken frei fallen. Noch eine Überraschung für John.
Sofort richteten seine Augen sich automatisch auf die Locken. „Du hast dir das Haar schneiden lassen, Cassie!“, sagte er vorwurfsvoll.
„Ja“, bestätigte sie fröhlich. „Stroody sagt, mit dem kürzeren Haar sähe ich wie Lady Caroline Lamb aus.“
„Kein sehr vorteilhafter Vergleich, möchte ich anmerken!“, erwiderte John eisig.
Oje! Diesmal hatte Cassie ihn wirklich verärgert. Sie beschloss, die beste Taktik sei, die Unschuldige zu spielen. „Meine neue Frisur gefällt dir also nicht?“
John schaute sie genauer an, ein wenig verdutzt über die fröhliche Zurschaustellung guten Willens, die sie angesichts seiner Missbilligung zeigte. Seit den Flitterwochen hatte er sie wirklich nicht genau angeschaut. Er musste zugeben, dass sie recht hübsch aussah. Ihr Teint hatte die Blässe verloren, ihre Wangen waren gerötet, und ihre Augen leuchteten. „Es ist nicht so, dass ich deine Frisur nicht mag, aber …“ Er hielt inne, weil er nicht wusste, wie er fortfahren
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