Höhlenwelt-Saga 7 - Die Monde von Jonissar
gab keinen Ausweg mehr.
Jetzt musste er tun, worauf er sich im Voraus vorbereitet hatte.
Ein kurzer Blick nach links sagte ihm, dass er blitzschnell handeln
musste; unten vor der Treppe standen noch immer die beiden
aZhool.
Um ein paar Sekunden Zeit zu gewinnen, nickte er und sagte
mit gespieltem Ärger: »Sie glauben mir nicht, Liin?
Natürlich hat er das angeordnet!« Er wies auf das Instrumentenpult, auf dem es mit Sicherheit auch eine Sprechverbindung
gab. »Fragen Sie ihn doch! Er ist seit kurzem wieder da! Aber ich
warne Sie – zurzeit ist mit ihm nicht sonderlich zu spaßen!«
Die kalten, geschlitzten Augen des Drakken blitzten, seine typisch herabgezogenen Mundwinkel verstrahlten einen Ausdruck
der Verächtlichkeit. »Das werde ich tun.«
Quendras’ Hirn war längst am Arbeiten. Er spürte die Gegenwart der Amulette deutlich; die über fünfhundert Stück, die kaum
zwei Schritt von ihm entfernt lagerten, ließen das Trivocum hell
und kräftig erstrahlen. Der Liin wandte sich seinem Pult zu, der
andere Offizier machte sich daran, die Metalltür wieder zu schließen. Nun hatte Quendras keine Sekunde mehr zu verlieren. Mit
einer harschen Willensanstrengung riss er das Trivocum auf, so
wild und roh, wie er es seit Jahren nicht mehr getan hatte. Er war
ein Forscher und Künstler in Sachen Magie, kein Kämpfer. Diesmal jedoch war es nötig. Sofort schwappten die rohen stygischen
Kräfte durch den Riss; der Augenblick war so intensiv, dass sogar
die beiden Drakkenoffiziere eine Veränderung in der Atmosphäre
des Raumes zu spüren schienen und unwillkürlich innehielten.
Quendras ballte die Fäuste. Er vollführte eine energische Geste,
rief eine kurze, dunkle Doppelsilbe in den Raum hinaus und hielt
plötzlich in beiden Händen je eine heiß brennende und grell leuchtende Kugel schmutziger stygischer Energien. Die Beleuchtung im
Raum hatte zugleich abgenommen, so als saugten die beiden
Kugeln jegliches hier existierende Quäntchen Licht in sich auf.
Die beiden Drakken fuhren erschrocken zu ihm herum.
Quendras hasste es, jemanden hinterrücks mit Magie anzugreifen, aber er musste es tun. Es ging um Royas Leben. Erst holte er
mit dem rechten Arm aus und warf seine flammende Kugel in
Richtung des Liin, der zu seinem Pult wollte, gleich darauf griff er
den anderen an. Die Kugeln fauchten durch den Raum und trafen
kurz darauf ihr Ziel. Die Drakken hatten keine Chance.
Quendras trat einen Schritt zurück. Noch immer fehlte ihm die
Kaltblütigkeit, jemanden ohne jede Gemütsregung umzubringen –
selbst wenn es einer der verhassten Drakken war. Seine magischen Geschosse fuhren durch ihre Opfer hindurch und fällten sie
auf der Stelle; es waren Zusammenballungen der Kräfte des
Chaos, sie zerrütteten jegliche geordnete Struktur und setzten sie
dem Zerfall, der Auflösung und der Unordnung aus. Kein lebendes
Wesen konnte es überstehen, wenn sein Leib von einer solchen
Kraft durchdrungen wurde.
Lautlos gingen die beiden zu Boden.
Quendras' Kehle entrang sich ein Keuchen, als er das unheimliche, zerstörerische Werk seiner Magien sah. Allein er wusste um
die Wirkung seiner Magie, und es schockierte ihn umso mehr,
dass die beiden getötet worden waren, ohne dass man ihnen
überhaupt etwas ansah. Sein Blick fuhr herum in Richtung des
Eingangs und der Treppe, wo bereits einer der aZhool heraufgeeilt war.
Der Drakken sah seine beiden getöteten Offiziere am Boden liegen und zog bemerkenswert schnell die richtigen Schlüsse. Augenblicke später senkte er die Waffe und feuerte.
Quendras brüllte auf, als ihn der erste Schuss aus der Drakkenwaffe – ein hell orangefarben strahlender Feuerball von der Größe
eines Kinderkopfes – mitten in die Brust traf. Er fühlte einen heißen, stechenden Schmerz, der seinen Oberkörper durchdrang –
aber er war nicht so schlimm, wie er einen Augenblick lang befürchtet hatte. Ein glühender Hauch fuhr über sein Gesicht, so als
wäre er einem heißen Feuer zu nahe gewesen, und der Geruch
verkohlter Haare drang in seine Nase.
Ich lebe!, schoss es ihm durch den Kopf.
Zeit, über das Warum nachzudenken, hatte er nicht. Mit einem
verzweifelten Sprung warf er sich nach rechts, zwischen die Wand
und das Instrumentenpult. Hart schlug er auf dem Boden auf und
rutschte noch ein Stück weiter; ein zweiter Schuss ging mit einem
Fauchen an ihm vorbei und schlug in eine Scheibe der Fensterfront zur Verdichterhalle ein. Sie hielt! Schoss der aZhool mit
verminderter Kraft
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