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Höhlenwelt-Saga 7 - Die Monde von Jonissar

Höhlenwelt-Saga 7 - Die Monde von Jonissar

Titel: Höhlenwelt-Saga 7 - Die Monde von Jonissar Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Harald Evers
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weit entfernt, sicher noch ein gutes Stück jenseits des Horizonts, und das erleichterte Azrani ein wenig. Nur das blaue Leuchten und die gelegentlich aufflackernden Blitze, wie bei einem Gewitter, kündeten hier
noch von dem unheimlichen Baumwerk. Über die Mauer gab es
noch viele Fragen, eine davon beschäftigte sie jedoch mehr als
die anderen. Womöglich war sie ein wichtiger Ansatzpunkt...
Warum hatte der Plan der Abon’Dhal damals nicht richtig funktioniert? Warum war einer der zwölf Monde von Jonissar hell geblieben und hatte das Überleben des Tals von Okaryn möglich gemacht? Wenn sie das herausfinden konnte, gab es vielleicht einen
Weg, dieses Schwarze Nichts aufzulösen, das wie ein Leichentuch
über ganz Jonissar lag. Dass dies eine schöne Welt war, die es
nicht verdient hatte, so mörderisch erstickt zu werden, konnte
man leicht an dem wundervollen Tal erkennen.
    Sie hörte ein Geräusch und zuckte erschrocken hoch. »Azrani?«
Nicht weit entfernt, in Richtung des Drachenturms, erkannte sie
die Umrisse eines großen Mannes. Sie seufzte erleichtert. »Oh,
Ullrik, du bist es.« »Störe ich dich?« Sie schüttelte den Kopf.
»Nein, nein. Komm nur.« »Vielleicht möchtest du lieber allein
sein...?«, fragte er zögernd.
    »Nun hör schon auf«, meinte sie gutmütig und klopfte mit der
flachen Hand neben sich aufs Gras.
»Komm, setz dich zu mir. Ich bin froh, dass du da bist.«
Mit zwei Schritten erklomm er die winzige Anhöhe und ließ sich
neben ihr im weichen Gras nieder. Erst als er ihr so nahe war,
bemerkte er, dass sie nackt war. »Oh, verzeih mir. Ich wusste
nicht, dass du...«
Sie blickte zu ihm auf, zog die Beine an und schlang die Arme
darum. »Entschuldige... ich dachte, man sieht es nicht, hier in der
Dunkelheit unter dem Baum. Stört es dich?«
Mit einem Auflachen schüttelte er den Kopf.
»Natürlich nicht. Wie könnte mich das stören?« Azrani war froh,
dass sie trotz der Dunkelheit seine Züge halbwegs erkennen
konnte. Okayar spendete dafür das nötige Licht.
»Warum...«, begann er zögernd, »warum hast du nichts an? Ist
dir zu warm?«
Sie schüttelte den Kopf und starrte dann in die Ferne. »Vielleicht kommt es dir seltsam vor. Aber es ist... so etwas wie eine
Angewohnheit. Von der Dreieckswelt, weißt du? Ich glaube, ich
war über zwei Wochen dort, eine davon zusammen mit Marina.
Wir hatten nichts, kein Stück Kleidung, keine Ausrüstung, nur
diese Körperhülle, von der ich dir erzählt habe. Sie war einfach
wundervoll. Sie beschützte uns, wärmte uns, sorgte für alle Bedürfnisse, und doch ließ sie etwas durch. Von allem ein bisschen.
Man konnte die Welt um sich herum spüren, den Geruch und den
Geschmack des Staubes auf der Zunge, die Wärme oder Kälte...
die Strahlen dieser uralten Sonne auf der Haut. Die Hülle hat uns
vor Verletzungen beschützt, mich unter Wasser atmen lassen...
einfach alles. Die schlechten Dinge hat sie von uns fern gehalten
und die guten Dinge spüren lassen.« Sie blickte wieder zu ihm auf
und seufzte leise. »Ich vermisse sie.«
Ullrik musterte sie eine Weile nachdenklich. Dann nickte er. »Du
meinst Marina, nicht wahr? Die guten Dinge, die du spüren konntest.«
Sie sah ihn verwundert an, dann holte sie tief Luft und ließ sich
dankbar gegen seine Schulter sinken. »Ach, du bist wundervoll.
Du hast so viel Gefühl.«
Er legte ihr freundschaftlich den Arm um die Schulter.
Azrani schloss die Augen. Von Marina zu Ullrik war es nicht
mehr weit. Sie fühlte sich beruhigt und sicher, wenn er in ihrer
Nähe war – er besaß das, woran es ihr und Marina mangelte:
körperliche Kraft, verwegenen Mut und einen unbezwingbaren
Willen, wenn es darum ging, sie beide zu beschützen. Und er hatte noch andere Vorzüge: eine angenehme Art von Humor, gute
Manieren und einen klugen Kopf. Sie schmiegte sich wohlig an
ihn. »Und... wir werden Marina wirklich befreien?« »Selbstverständlich!« Es war fast Empörung, mit der es aus ihm herausplatzte. »Das ist das Erste, was wir in Angriff nehmen, wenn wir
zurück sind! Ehe wir sie nicht wiederhaben, gehen wir auf keinen
Fall wieder von hier weg!«
Azrani musste lächeln. »Du liebst sie, nicht wahr?« »Aber ja.
Dich doch auch.«
Sie richtete sich auf und boxte ihm gegen die Schulter.
»Weißt du, was du für ein Problem hast, du riesiges Monster?
Du liebst zu viele Mädchen!« »Was?«
»Ja! Hellami hast du schon angeschwärmt, damals in Veldoor,
abends an dem Lagerfeuer. Du hast sogar gesagt,

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