Höhlenwelt-Saga 7 - Die Monde von Jonissar
du hättest dich
in Cathryn verliebt!« »Wie bitte? In Cathryn?«
»Natürlich! Das war, nachdem sie deine Verletzung geheilt hatte. Da hast du es zu uns allen gesagt, selbst Marius war dabei!«
Sie boxte ihn wieder.
Er lachte auf, hob abwehrend den Arm. »Wirklich? Aber das war
doch nicht so gemeint...«
»Und Alina! Das hast du uns schon auf dem Palastdach gebeichtet, da kannten wir dich kaum eine halbe Stunde! Was ist mit
deiner kleinen Laura? Die liebst du doch auch, was?«
Sein Lachen war dröhnend. »Das hast du schon mal behauptet.
Nun hör endlich auf. Was kann ich denn dafür, wenn...«
»Was... wenn?«, forderte sie und hörte auf, ihn zu boxen.
Er seufzte betont leidenschaftlich und hob die Arme.»... wenn
ihr alle so wundervoll seid?«
Azrani hielt inne, musterte ihn eine Weile, dann setzte sie eine
versöhnliche Miene auf und ließ ein leises Seufzen hören. Er war
nicht gerade ein Bild von einem Mann, dennoch zog es sie zu ihm
hin. Sie fühlte sich nicht nur beschützt, wenn er in ihrer Nähe
war, sondern er strahlte etwas aus, das ihre Stimmung hob. Ihre
Laune war dann einfach gut, sie war zuversichtlich, und oft überkam sie sogar ein wenig Übermut. Er beherrschte die Kunst, sie
zum Lachen zu bringen, doch sein feiner Humor war stets respektvoll. Einem plötzlichen Wunsch nachgebend, umarmte sie ihn
und küsste ihn auf die Wange. Wieder einmal. »Pass auf. Ich fange sonst an, mich daran zu gewöhnen«, meinte er gutmütig.
»Möchtest du denn eine von uns haben?«, fragte sie herausfordernd.
Wieder seufzte er mit Leidenschaft. »Meinen rechten Arm würde
ich dafür geben! Mein Schicksal gar – mein Leben!«
Das musste ein Zitat aus irgendeiner Dichtung sein...
Azrani atmete erleichtert auf, dass er ihre etwas ungeschickt
gestellte, reichlich konkrete Frage so vage beantwortet hatte.
Dennoch... etwas war gerade passiert.
Verwirrt lauschte sie dem Echo ihrer Worte, und je tiefer sie in
ihrem Inneren verhallten, desto klarer trat ein neuer, plötzlicher
Wunsch aus dem Hintergrund hervor. Ihr Herz begann etwas
schneller zu schlagen, als sie sich fragte, ob sie Ullrik mehr geben
wollte. Mehr, als er sich vielleicht vorzustellen wagte.
Sie schluckte, war sich nicht sicher, dann fiel ihr etwas ein, das
ihr etwas Zeit gab, zu überlegen und ihre Gefühle zu überprüfen.
Sie hatte das Vertrauen, dass er niemals versuchen würde, gegen
ihren Willen über eine bestimmte Grenze hinauszugehen.
Rasch stemmte sie sich in die Höhe. Als sie neben ihm stand,
streckte sie einen Fuß vor und verschaffte sich damit Platz zwischen seinen Beinen. »Los, mach mal Platz da«, verlangte sie
leise.
Ullrik gehorchte verwundert. Sie ließ sich nieder, saß kurz darauf vor ihm, zwischen seinen Beinen, hatte ihm den Rücken zugewandt, wie bei ihrem Flug auf dem Drachen. Sie zog seine Arme zu sich heran und legte sie sich um den Oberkörper; seine
Hände platzierte sie übereinander auf ihrem Bauch, die ihren legte sie noch darüber. Dann lehnte sie sich zurück, schmiegte sich
in seine Arme. Ihr Kopf lag direkt auf seiner Brust. Sie hörte sein
Herz pochen – es schlug noch heftiger als das ihre. Azrani war
sich ihrer Nacktheit sehr bewusst. Was sie im Moment am meisten antrieb, war das Bedürfnis, ihm zu zeigen, dass sie sich ihm
voll und ganz anvertraute, dass sie keine Bedenken hatte, völlig
nackt in seinen Armen zu liegen, wo er ihr doch gerade erst gesagt hatte, dass er sie liebte. Seine Hände lagen auf ihrem Bauch,
keine Handbreit von ihrem Schoß entfernt, seine Oberarme berührten ihre Brüste. Sie bemühte sich, ruhig zu atmen.
»Ich vermisse sie wirklich«, sagte sie leise und wusste nicht
recht, was sie dazu bewog, ausgerechnet das jetzt auszusprechen.
»Wir werden Marina befreien. Das schwöre ich dir«, hörte sie
Ullrik sagen und spürte einen sanften Kuss auf ihrer Schläfe.
Dann wusste sie, warum sie davon angefangen hatte. Sie hatte
eine Gegenleistung des Vertrauens von ihm haben wollen, und die
hatte er ihr soeben gegeben. In diesem Moment spürte sie, dass
das Vertrauen zwischen ihnen wirklich da war, und jetzt war sie
dazu bereit, ihm mehr zu geben – wenn er wollte.
Es war Ullrik, der es auf den Weg brachte, und wie immer tat er
es mit Feinsinn. Sie staunte ein wenig über seinen Einfall.
»Würdest du mir einen Gefallen tun, Azrani? Einen großen Gefallen?«
»Welchen denn?«
Er zögerte kurz. »Seit ich euch kenne«, flüsterte er ihr ins Ohr,
»dich und Marina und die anderen,
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