Höhlenwelt-Saga 7 - Die Monde von Jonissar
träume ich davon, einmal eine
eurer Drachentätowierungen zu sehen.«
Sie blickte über die Schulter zu ihm auf. »Du willst meine Tätowierung sehen?«
Er kleidete seinen Wunsch wiederum in ein sehnsuchtsvolles
Seufzen. »Ja. Und danach sterben.«
Sie musste leise lachen. »Aber... es ist Nacht!« Ullrik blickte
über die Schulter zu Okayar auf, der mild durch die Zweige des
Baumes funkelte. Wieder beugte er sich zu ihrem Ohr und sagte
ganz leise: »Im Mondlicht. Da vorn. Das wäre noch viel romantischer, als ich es mir je ausgemalt habe.« Azranis Herz begann
wieder schneller zu schlagen. Eine leise Furcht hatte sich ihrer
bemächtigt, dass er es wirklich ernst meinte, und sie schluckte
den Kloß herunter, der sich in ihrer Kehle gebildet hatte. »Du
willst es wirklich... jetzt gleich?«
Sie spürte nur wieder einen Kuss auf ihrer Schläfe.
Eine Weile brauchte sie, um den Schreck zu verdauen. Aber sie
hatte es ja selbst so gewollt.
Sie blickte über die Schulter zu ihm auf – doch als sie sein Lächeln sah, atmete sie erleichtert auf. Nein, er würde es nicht von
ihr verlangen, das sah sie in seinen Augen, er würde kein Aufhebens machen, wenn sie es nicht über sich brachte. In seinem
schelmischen Blick lag sogar etwas, das sie zu einem neuen Spiel
einlud. Anstatt ängstlich zu werden, beschlich sie eine leise Erregung und die plötzliche Lust, etwas Verbotenes zu tun. Etwas
flüsterte ihr zu mitzuspielen.
Doch völlig kampflos würde er sie nicht bekommen. Mit dem
Ellbogen stieß sie ihn leicht in den Bauch. »Du frecher Kerl! Du
willst mich nur nackt sehen!«
»Ja, stimmt«, brummte er lächelnd. »Deine Drachentätowierung
sehen zu wollen, bedeutet dich nackt sehen zu wollen.«
Sie zog einen Schmollmund und verschränkte die Arme vor der
Brust. »Nein, da schäme ich mich.«
Zum dritten Mal zog er sie dicht zu sich heran und küsste ihre
Schläfe. Er war zärtlich, und das fühlte sich sehr schön an; beinahe hätte sie geseufzt. Stattdessen setzte sie ihm noch mehr Widerstand entgegen, hielt die Arme vor der Brust verschränkt,
spielte die Beleidigte.
»Du schämst dich? Wofür denn?«, fragte er.
Sie stieß einen unbestimmten Laut aus.
Er überlegte eine Weile. »Siehst du die Sterne da oben?«, fragte
er schließlich.
Gespannt auf seinen Versuch, sie umzustimmen, blickte sie in
die Höhe. »Die Sterne?«, fragte sie streng. »Was ist mit ihnen?«
»Das ist das Weltall, der Kosmos. Weißt du, was ich denke?«
»Nein. Was denn?«
»Dass du das schönste Mädchen unter all den Sternen bist.«
»Ich?«, platzte sie heraus und richtete sich auf.
Ungläubig starrte sie hinauf, als könnte ihr der Blick ins All nähere Aufschlüsse bringen. »Das schönste Mädchen? Unter allen?«
Er nickte verbindlich.
Azrani runzelte die Stirn. »Leandra ist dort draußen!«
»Leandra?«, fragte er. »Die kenne ich nicht. Und komm mir
nicht mit Roya, die kenne ich auch nicht.«
»Aber Alina!«
»Alina? Ach, die ist nur ein kleiner Frosch gegen dich.«
Sie lachte auf. »Alter Lügner. Was ist mit Marina?«
»Naja«, meinte er. »Marina kommt fast an dich heran. Aber nur
fast.«
Sie verstummte, sah ihn an mit einer Mischung aus Erstaunen
und Glücklichsein. Nach einer Weile ließ sie sich wieder in seine
Umarmung sinken und überlegte.
Schließlich sagte sie leise: »Du findest mich wirklich so schön?«
»Ja, das tue ich. Ich schwöre es.« Sie holte Luft. »Dann... dann
gibt es ja eigentlich nicht viel, wofür ich mich schämen müsste,
nicht wahr?«
Er schüttelte verbindlich den Kopf. »Nein. Bestimmt nicht.«
Sie blieb noch eine Weile, wo sie war, und versuchte Mut zu fassen. Es war schön mit ihm, und ein immer stärker werdendes
Verlangen, seine Küsse auf ihrer Haut zu spüren, erfüllte sie. Aber
was sie nun tun sollte, lag oberhalb der Grenzen ihres Selbstbewusstseins.
Sie sollte das schönste Mädchen unter all diesen Sternen sein?
Nein, das war sie gewiss nicht – es war nicht lange her, da hatte
sie sich noch für hässlich gehalten. Leandra hatte ihr das ausgeredet, und Marina hatte sie sogar davon überzeugt, dass sie
hübsch war – und nur umso hübscher, je mehr sie daran glaubte.
Aber nun einem Mann ihren ganz und gar nackten Körper zu zeigen, das war fast zu viel.
Beinahe hätte sie den Mut nicht gefunden – wo sie es doch
wirklich gern getan hätte und schon im Vorhinein Bedauern empfand für den Fall, dass sie es nicht wagen sollte. Sie fühlte sich so
beschützt in seiner Umarmung,
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