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Idol

Idol

Titel: Idol Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: R Merle
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verbeugte mich abermals, »Ihr solltet begreifen, daß dieses Theater lächerlich ist. Die Tatsache,
     daß Ihr Vittorias Mutter seid, gibt Euch noch lange nicht das Recht, Geständnisse zu erpressen und Vittoria am Schlafen zu
     hindern. Ein Rat, Signora, den Ihr bitte beherzigen wollt: zieht Euch zurück!«
    »Wer bist du denn, daß du es wagst, mir Ratschläge zu erteilen?« schrie sie, drehte sich zu mir um und sah mich verächtlich
     an. »Ein Mörder und Zuhälter!«
    »Mutter«, rief Vittoria empört, »reizt Marcello nicht!«
    »Ich wiederhole: ein Mörder und Zuhälter!« schrie Tarquinia in höchstem Zorn. »Und meine Tochter, die nichts zu sagen weiß,
     wenn ich ihr Fragen stelle, findet plötzlich ihre Stimme wieder, um diesen Banditen zu verteidigen.«
    »Signora«, sagte ich, »es ist nicht recht, daß Ihr so schnell zu Beschimpfungen kommt. Denn von da ist es nicht weit bis zu
     Tätlichkeiten. Wenn Ihr Euch nicht umgehend hinwegbegebt, muß der hier anwesende Bandit Euch leider hinauswerfen.«
    »Ruchloser! Ihr wagt es, Gewalt gegen Eure Mutter anzuwenden?«
    »Ja, sogar mit Vergnügen«, antwortete ich lächelnd.
    Tarquinia sah mich mit funkelnden Augen an, doch als sie merkte, daß ich entschlossen war, meine Worte wahr zu machen, raffte
     sie mit der Hand ihre Röcke und rauschte hinaus. Was mich an der Superba aufbringt, dachte ich abermals, ist |101| nicht nur ihr unausstehlicher Charakter: es ist ihr falsches Theater.
    »Vittoria«, sagte ich, »ich laß dich jetzt allein. In Zukunft solltest du deine Tür immer verriegeln, um dir Überfälle durch
     das ›fünfte Rad am Wagen‹ zu ersparen.«
    Normalerweise hätte ihr dieser harmlose Scherz ein Lächeln entlockt. Aber heute war sie nicht aufzuheitern. Ich betrachtete
     sie im Spiegel. Sie sah müde aus und bürstete ihr Haar ohne die gewohnte Energie. Ihr schönes Gesicht zeigte keinerlei Gemütsbewegung,
     nicht einmal Traurigkeit.
    Halblaut fuhr ich fort: »Vergiß es bitte nie, Vittoria: was immer du willst, das will ich auch …«
    Ich weiß nicht, warum ich diesen Satz sprach, der sich in der Folgezeit als so prophetisch erweisen sollte. Ich bin jedoch
     sicher, daß ich meinem wahren inneren Gefühl gehorchte. Ich habe mich niemals als ein von Vittoria wirklich unabhängiges Wesen
     betrachtet.
    »Danke, Marcello. Danke für alles.«
    Bei diesen Worten sahen wir uns im Spiegel an. Da ihr Gesicht von den Kerzen zu beiden Seiten des Spiegels hell beschienen
     wurde, meins dagegen im Schatten lag, trat unsere so verschiedene Hauttönung weniger zutage, um so deutlicher aber wurde die
     Ähnlichkeit unserer Gesichtszüge und des Ausdrucks sichtbar. Mein Herz begann zu klopfen. Mir schien, das Geheimnis meines
     Lebens läge darin beschlossen und ich brauchte es nur noch zu entschlüsseln.
    Sie wiederholte: »Ich danke dir, Marcello«, und schloß für einen Moment die Augen. Man hätte meinen können, ein Vorhang senke
     sich über einem Stück, das in den Kulissen weitergespielt wird. Ich überließ sie ihren Gedanken, ging aus dem Zimmer und schloß
     leise die Tür hinter mir.
    Caterina hatte sich nicht weggerührt von dem Schemel, auf den ich sie gesetzt hatte. Auf den ersten Blick sah ich, daß sie
     in der Zwischenzeit zwei Knöpfe ihres Leibchens geöffnet hatte, um ihre Brüste in dem rechteckigen Ausschnitt besser zur Schau
     zu stellen. Was war sie doch für eine Fleischesfalle, dieses Mädchen! Und wie war sie selber darin gefangen! Ganz hingebungsvolles
     Weibchen, war sie von den Wurzeln ihrer glänzenden Haare bis zu den Waden, die der kurze Rock kaum bedeckte, nichts weiter
     als Köder, Lockpfeife, Leimrute, Fangnetz …
    |102| Bei meinem Eintritt erhob sie sich, vor Angst halb tot, und setzte sofort ihre großen Augen ein, den halbgeöffneten Mund,
     ihren kurvenreichen Körper, und das alles mit dem Ausdruck geheuchelter Verwirrung, falscher Naivität und ehrlicher Unterwürfigkeit.
     Hätte sie mir, als sie mir gegenüberstand, außer den schönen Brüsten gleichzeitig ihren hübschen Hintern zeigen können – ich
     wette, sie hätte es getan. Erstaunlicherweise wirkt sie nicht einmal vulgär, wie sie mir so ihre Reize darbietet.
    An ihrer hingebungsvollen Haltung wird mir klar, daß sie auf eine Bestrafung wartet und daß ich selbst sie züchtigen muß,
     da ich sie nicht bei Peretti anschwärzen kann, der sie sofort vor die Tür setzen würde: das aber will ich um keinen Preis,
     da Vittoria ihr sehr zugetan ist. So

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