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Idol

Idol

Titel: Idol Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: R Merle
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das? Wofür sie bestrafen?‹
    In Wirklichkeit verstehe ich selbst nie ganz richtig, was ich tue. Es ist wahr, ich habe beschlossen, mit Caterina zu schlafen,
     um sie dem Einfluß des Kardinals zu entreißen und sie zu einem Werkzeug für meine Pläne zu machen. Allerdings kenne ich meine
     Pläne noch nicht – abgesehen von dem, was mir stets das wichtigste war und ist: Vittoria zu schützen.
    Doch Caterina ist mehr als nur ein Werkzeug. Der Beweis: in dem Moment, da ich sie vor mir ausgestreckt sehe, empfinde ich
     sowohl heftige Begierde als auch eine Art Zärtlichkeit. Da ich ihr meine Begierde nicht verheimlichen kann, verberge ich wenigstens
     die Zärtlichkeit vor ihr, zumindest solange es geht. Ich mißtraue diesen Kraken-Frauen. Caterina hat, seitdem sie nackt ist,
     die ihr eigene Keckheit zurückgewonnen. Ihr Atem geht schneller und heftiger, und als sie mich mein Wams aufknöpfen sieht,
     streicht sie mit der Hand von unten nach oben an meinem Beinkleid hinauf. Ihre Finger zittern leicht, als sie mir den Schnürverschluß
     löst. Doch das hat nichts mehr mit Angst zu tun.
    Vier Tage später sitzt Caterina während der Messe in unserer |105| Kapelle auf der letzten Bank hinter mir und flüstert mir ins Ohr,
il mancino
wolle mich sprechen. Ich schiebe ihr meinen Zimmerschlüssel zu, den ich ständig bei mir trage, damit die Superba ihre Nase
     nicht in meine Angelegenheiten stecken kann.
    »Schließ ihn ein und bring mir den Schlüssel zurück«, sage ich leise. »In einer Viertelstunde bin ich bei ihm.« Als ich das
     Zimmer betrete, erhebt sich
il mancino
mit einer Verbeugung. Die respektvolle und doch stolze Art zu grüßen gefällt mir an diesem muskulösen kleinen Mann, der sich
     kerzengerade hält. Er läßt mich spüren, daß die Wertschätzung, die er mir schuldet, durch seine Selbstachtung gemildert ist.
     Wie seine Schwester, hat auch er seinen Dialekt abgelegt, er drückt sich in korrektem, sogar elegantem Italienisch aus. Er
     ist gewandt. Durch seine vollendete Höflichkeit gibt er zu verstehen, daß er seinerseits eine gewisse Rücksichtnahme erwarte.
     Seit kurzem zeigt er in seinem Verhalten mir gegenüber eine Art höflicher Vertraulichkeit. Ich bin zwar weder Brigant noch
     Zuhälter, aber er weiß natürlich genau, daß ich mich am hellichten Tag mitten in Rom meines Dolches bedient habe und daß ich
     von der Großzügigkeit der Signora Sorghini lebe.
    »Setz dich bitte, Domenico«, fordere ich ihn auf und erwidere seine Verbeugung. »Möchtest du einen Becher Wein?«
    »Vielen Dank, Signore«, sagt er mit einer zweiten Verbeugung, »ich trinke nicht zwischen den Mahlzeiten.«
    »Und das bekommt dir offenbar sehr gut.«
    »Wenn Ihr gestattet, Signore, möchte ich gleich zur Sache kommen: ich habe Euch etwas zu bestellen, und ich habe zwei nützliche
     Informationen für Euch. Die Bestellung ist umsonst, dafür hat der Auftraggeber mich schon bezahlt. Die Informationen dagegen«,
     er schlägt mit vornehmer Schamhaftigkeit die Augen nieder, »werden Euch etwas kosten.«
    »Gut, laß zuerst die Bestellung hören.«
    »Der Fürst Orsini, Herzog von Bracciano, möchte Euch morgen mittag Schlag zwölf Uhr in einer Kammer im ›Ölberg‹ treffen.«
    »Der Fürst Orsini! Im ›Ölberg‹! In der Kammer einer Hure!«
    »Gewiß, der Ort ist bescheiden«, räumt
il mancino
ein, »doch unauffälliger zu betreten als Montegiordano. Und überdies – ich kenne mich dort aus. Viele gute Christen ziehen
     den |106| Hut tief in die Stirn und vergraben die Nase im Mantel, um in die Taverne zu gelangen. Er wird also unerkannt bleiben.«
    »Ich werde da sein. Und jetzt deine Informationen.«
    »Es sind zwei«, sagt er. »Die erste kennt Ihr vielleicht schon, Signore, denn wenn sie heute noch nicht öffentlich bekannt
     ist, wird sie es spätestens morgen sein. In diesem Falle wäre sie kostenlos. Andernfalls schuldet Ihr mir dafür zwanzig Piaster.
     Ich vertraue auf Euer Wort.«
    »Das kannst du auch.«
    »Die ehebrecherische Gemahlin des Fürsten wurde ins Jenseits befördert – nach so langem Aufschub, daß man schon glauben mußte,
     es würde überhaupt nichts mehr geschehen.«
    »Wann war das?«
    »Vor einer Woche.«
    »Die zwanzig Piaster sind dein.«
    »Die zweite Information kostet Euch fünfzig Piaster, Signore.«
    »Ich höre.«
    »Auf Befehl eines Dritten«, sagt
il mancino
, ohne mit der Wimper zu zucken, »hat meine Schwester Caterina ihren beiden Galanen den Laufpaß gegeben. Der eine

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