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Idol

Idol

Titel: Idol Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: R Merle
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so daß ich mich
     fragte, ob ich nicht wie Giulietta meine Formen verlieren und austrocknen würde.
    Zwei trübselige lange Wochen verstrichen, da überbrachte mir
il mancino
eines Abends einen Brief von Raimondo. Darin schlug er mir vor, mich im Palazzo Rusticucci zu besuchen, |117| und er verlangte einen Plan des Hauses, damit er den Weg fände. Ehrlich gesagt, ich wußte zunächst nicht, was ich antworten
     sollte. Das Unternehmen schien mir sehr riskant. Doch ich war so ausgehungert nach Raimondos Umarmungen, daß ich nicht mehr
     schlafen konnte und bereit war, ihm zu gehorchen, als mich Marcello beim Lauschen an Vittorias Tür ertappte, mir zwei Ohrfeigen
     gab, die einen Ochsen hätten zur Strecke bringen können, und mich nahm. Seit ich in Signora Vittorias Diensten stand, hatte
     ich so oft von ihm geträumt, daß ich nach wenigen Sekunden in seinen Armen den Gipfel des Glücks erreichte. Ich war im siebenten
     Himmel! Mir wuchsen Flügel!
    Ich beichtete Marcello meine Berichte an den Kardinal und zeigte ihm Raimondos Brief.
    »Du bist dumm wie der Mond, liebe Caterina«, meinte Marcello. »Es wurde höchste Zeit, daß ich mich um dich kümmere. Glaubst
     du wirklich, daß Raimondo einen Plan des Palazzo für ein Stelldichein mit dir wollte?«
    Er lachte.
    »Wenn du einverstanden bist, lasse ich diesen Brief durch deinen Bruder mündlich beantworten.«
    Ich stimmte zu. Marcello braucht mich nur anzusehen, und ich sage zu allem ja.
    Was er Raimondo ausrichten ließ, ist mir nicht bekannt, doch es muß wenig freundlich gewesen sein, denn mein Bruder brachte
     mir zwei Tage später ein wütendes »Liebesbriefchen« meines ehemaligen Galans:
     
    »Caterina, Du bist wirklich die nichtswürdigste Dirne, die je auf der Erde herumgelaufen ist: zwei so wohlgeborenen Edelleuten
     wie Silla und mir den arroganten Stutzer vorzuziehen, der Dir diese Antwort diktiert hat! Aber warte nur: mit seinem Herzblut
     soll er mir für diese Beleidigung bezahlen. Und Du, wenn ich Dich nach Deiner Klausur auf der Straße treffe, kannst sicher
     sein, daß ich mit meinem Dolch Spitze aus Deinen Därmen häkle. Gezüchtigt soll werden, womit Du gesündigt hast, Du elende
     Hure.
    Raimondo«
     
    Dieses Billett versetzte mich in Angst und Schrecken, und sowie ich in Marcellos Zimmer schlüpfen konnte, gab ich es |118| ihm zu lesen, noch bevor ich mich auszog. Er schüttelte ernst den Kopf.
    »Caterina, hast du von den beiden Geld und Geschenke angenommen?«
    »Nein, nie.«
    »Dann haben sie kein Recht, dich ›Hure‹ zu nennen. Hingegen trifft der Ausdruck auf die beiden Edelleute zu, die sich von
     dem Fürsten Orsini aushalten lassen. Und auch auf mich trifft er zu, denn ich lebe von Margherita Sorghinis Großzügigkeit.
     Es gibt also drei Männer, die ›Huren‹ sind, und ein ehrliches Mädchen, das seinen Lebensunterhalt durch Arbeit verdient und
     sein hübsches Hinterteil aus Lust verschenkt, nicht für Geld.«
    »Signor Marcello«, sagte ich und neigte den Kopf zur Seite, »findet Ihr mein Hinterteil wirklich hübsch?«
    »Es ist perfekt«, antwortete Marcello ernst. »Ich bin sicher, man findet in ganz Rom nicht seinesgleichen. Aber jetzt hör
     mir zu, Caterina, und beruhige dich. Für mein Herzblut besteht durch ihre Dolche überhaupt keine Gefahr. Wie könnten sie wagen,
     den Sekretär ihres mächtigen Cousins zu töten? Und daß sie jetzt, wo ihr Glied nicht mehr zugelassen ist, mit ihrem Stilett
     in deinen Bauch eindringen, träumen sie aus lauter Wut. Wenn sie das wirklich tun wollten, hätten sie nicht diesen Brief verfaßt
     und unterschrieben, der gegen sie verwandt werden kann.«
    Marcello meinte noch, das besagte Billett müsse von Silla und nicht von Raimondo stammen, da letzterer des Lesens und Schreibens
     unkundig sei. Ich war nun beruhigt und wollte das Gespräch beenden. Also begann ich, mich auszuziehen. Vielleicht bin ich
     ein bißchen dumm – vor allem in den Augen eines so gebildeten Mannes wie Signor Marcello –, aber eine Eigenschaft kann mir
     niemand bestreiten: ich weiß immer ganz genau, was ich will.
    Drei Tage später – ich bürstete gerade die goldene Haarpracht von Signora Vittoria, die vor ihrem Spiegel saß – erschien Marcello
     auf leisen Sohlen, das Wams nur lose um die Schultern gelegt. Als er das rutschende Wams auffangen wollte, wurde sein linker
     Arm in einem blutbefleckten Verband sichtbar. Vittoria, die das im Spiegel sah, schrie erschrocken auf; ich konnte meinen
     Schrei

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