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Im Tal des Fuchses: Roman (German Edition)

Im Tal des Fuchses: Roman (German Edition)

Titel: Im Tal des Fuchses: Roman (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Charlotte Link
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Schrecklichem geschieht, es müsste in einem Zusammenhang mit mir stehen.
    Es gelang ihm nicht, sich besser zu fühlen. Ständig sah er Debbie vor sich, dann wieder Corinne, und dann wieder verschmolzen die beiden Frauen zu einer Person.
    Und dann tauchte Vanessa Willards Gesicht vor ihm auf.
    Was war aus ihr geworden?
    10
    »Lass mich«, sagte Janine und schob den schlafenden Mann, der, irgendetwas Unverständliches brummend, auf ihre Seite herübergerutscht war und seine Hand ziemlich tollpatschig auf ihre rechte Brust hatte fallen lassen, von sich. Sie hatte gerne Sex mit Nick, aber nicht, wenn er so zugekifft war wie jetzt.
    Nick brummte und griff erneut nach Janines Brust. Er überschätzte sich wieder einmal vollkommen und raffte überhaupt nichts. Sie betrachtete seinen nackten Körper, der zum Teil von dem Laken bedeckt wurde, das ihnen als Bettdecke diente. Das Laken sah schmuddelig aus, war voller undefinierbarer Flecken und wies etliche Brandlöcher auf. Sie rauchten beide zu oft im Bett. Manchmal fragte sich Janine, wie lange es dauern würde, bis sie die alte Farm abfackeln würden. Wobei sie wahrscheinlich selbst mit draufgehen würden. Sie konsumierten Alkohol und Drogen in großen Mengen, und es war unwahrscheinlich, dass sie im Falle einer Katastrophe wach genug wären, um rechtzeitig ins Freie zu gelangen.
    Sie stand auf, st öhnte, weil ihr Kopf so schmerzte, als wolle ihr Gehirn explodieren. Sie griff sich ein Hemd von Nick, das zusammengeknäult auf dem Fußboden lag, und streifte es über den Kopf. Teufel, war das kalt im Zimmer! Die Farm, die Nick von seinem Großonkel geerbt hatte und die eigentlich längst abgerissen gehörte, konnte ganz nett und romantisch sein bei schönem Wetter, aber im Herbst und Winter oder während eines verregneten Frühlings war es hier schwer auszuhalten. Die Fenster schlossen nicht richtig, das Dach war undicht, es gab keine Heizung, sondern nur große Kamine, die nicht richtig abzogen, was meist dazu führte, dass man ein Zimmer voller Rauch hatte, das trotzdem eiskalt blieb. Nick störte das nicht. Er lag so wieso die meiste Zeit über im Bett. Oder war so zuge dröhnt, dass er normaler Empfindungen nicht fähig war.
    Janine schaute zum Fenster hinaus. Die Farm lag gut zwanzig Meilen von der nächsten Ortschaft entfernt, und ringsum gab es nur die Hochmoore mit ihrem bräunlichen Heidekraut und ihren flachen, windzerzausten Büschen. Nicks Großonkel hatte hier Schafe gezüchtet. Schafe gab es längst nicht mehr auf der Farm, aber manchmal verirrten sich die Tiere anderer Bauern hierher. Janine kniff die Augen zusammen. Zu dem Besitz gehörte ein alter Obstgarten, der völlig zugewildert war, und jenseits davon schloss sich ein kleines Wäldchen an, durch das ein Bach floss, und beides konnte man vom Schlafzimmer aus sehen. Am Rande des Wäldchens, noch halb verborgen unter den Bäumen meinte Janine etwas entdeckt zu haben, einen hellen Fleck, der dort nicht hingehörte. Sie konnte jedoch nicht ausmachen, worum es sich handelte. Vielleicht tatsächlich ein Schaf? Es war Frühling, es gab jede Menge kleiner Lämmer. Vielleicht hatte sich eines von seiner Herde entfernt und verirrt?
    Janine war ziemlich kurzsichtig, und es machte wenig Sinn, etwas erkennen zu wollen, solange sie ihre Brille nicht trug. Leider wusste sie wieder einmal nicht, wohin sie sie gelegt hatte. Sie hatte am Vorabend dermaßen viel getrunken, dass sie nicht einmal eine schwache Vorstellung da von hatte, wie sie überhaupt ins Bett gekommen, ge schweige denn, was aus ihrer Brille geworden war. Suchend blickte sie sich im Zimmer um, wobei ihr jede Bewegung ihres Kopfes höllisch wehtat. Wenn sie Glück hatte, fand sie noch ein Aspirin in der Küche.
    »Weißt du, wo meine Brille ist?«, fragte sie in Richtung Nick, aber sie erwartete nicht wirklich eine Antwort, denn Nick schlief längst wieder tief und fest. Vor dem Abend würde er nicht ansprechbar sein.
    Janine fand auch ihre Hausschuhe nicht und tappte schließlich barfuß die Treppe hinunter, obwohl sie die Kälte als grausam empfand und spürte, wie sie ihr über die Füße die Beine hinaufkroch. Unten schaute sie kurz in den Wohnraum hinein. Sie entdeckte ein paar schlafende Gestalten, dazwischen leere Bierflaschen, überquellende Aschenbecher, Teller mit angeklebten Essensresten. Es war nie ganz klar, wie viele Menschen eigentlich auf der Farm lebten, wer nur zu Besuch da war, wer zu Nicks Freunden gehörte oder wer einfach aufgekreuzt

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