In deiner Hand
den Augen reiben, als ich mit dem Ellenbogen gegen das blöde Geschenk von Donna stieß. Der Dildo plumpste laut platschend in die Wanne. Fluchend riss ich das Teil raus, warf ihn aber nicht auf den Boden, sondern starrte ihn an. Mein Blick glitt über das von meinem Blut verfärbte Wasser, zurück zu dem Monstrum in meiner Hand und wieder zum Wasser. In meinem Kopf begannen merkwürdig verschwommene Bilder aufzublitzen, wie in einer Diashow, mit einem defekten Projektor. Die Bilder tauchten immer schneller auf, wirbelten herum und Gesprächsfetzen dröhnten durch meinen Schädel. Plötzlich war da Erik, mit eben jenem Dildo in der Hand, und starrte mich wütend an. Er deutete mit dem Teil in irgendeinen Ecke eines total verwüsteten Zimmers. Die Szene verblasste und plötzlich spürte ich Hände auf meinem Körper und heißen Atem auf meinem Mund. Dann sah ich Brian, in einer Wanne liegen. Ein zertrümmertes Waschbecken. Ein Zertrümmertes Doppelbett. Und wieder Brian in der Wanne, voll mit Blut und Wasser. Sah die offene Wunde an seinem Hals. Hörte mich Erik und Brian anschreien und vernahm Donnas Moralpredigt. Und dann spürte ich Brians Lippen auf meinem Mund, seine Zunge und mir wurde so heiß, dass ich kreischend aus dem Wasser hechtete, in mein Zimmer rannte und so laut Rockmusik aufdrehte, bis meine Ohren klingelten. Nackt und zur Musik grölend warf ich mich auf mein Bett und versuchte mit aller Macht die Bilder niederzukämpfen, die in meinem Kopf umherschwirrten und mit 100 prozentiger Sicherheit vorher nicht dort gewesen waren.
Mein Herz schlug mir bis zum Hals und mein Schoß brannte wie Feuer.
„Ich hab ihn nackt gesehen!“, schrie ich übergeschnappt ins Kissen und biss mir fest in die Handkante. „OH MEIN GOOOOOOTT!!!“
Das konnte ich mir unmöglich eingebildet haben! Diesen Körper! Und … überhaupt die ganze Aktion! Verbissen versuchte ich mich zu erinnern, wie ich überhaupt in dieses Schlafzimmer gekommen war! Was zum Henker hatte mich denn dazu bewegt, mir von Brian den Tanga ausziehen zu lassen?
„Denk an Gummibärchen, Verry oder an ekelige, runzlige Omas!“, rief ich laut und klatschte mir die flachen Hände fest auf die Wangen. Mein Gesicht glühte. Vor weniger als einer Stunde hatte ich noch Taylors verpasster Entscheidung wegen geheult und nun konnte ich an nichts anderes mehr denken als an Sex mit meinem Lehrer. An diese Hände, diese Lippen und oh mein Gott, an diesen Arsch! Oder an das Gefühl ihn so nah zu spüren. Oder seinen Geschmack! Seine Wärme! Und … diese Augen!
Panisch rollte ich auf den Rücken und begann laut irgendeinen schwachsinnigen Song zu singen, während meine Hände ganz andere Dinge tun wollten. Am Ende stürmte ich auf meinen Kleiderschrank zu, warf mir die hässlichste Unterwäsche und die dicksten Klamotten über, verkrümelte mich ins Wohnzimmer vor die Glotze und knabberte angeregt an meinen Fingernägeln. Es gelang mir nicht, auch nur eines der Bilder zu verdrängen. Frustriert saß ich auf der Couch, die Knie fest angezogen und puhlte an den Stricksocken von Granny herum. Wieder fiel mir der bescheuerte Dildo ein, der ausschlaggebend genug gewesen war, mich wieder an all das zu erinnern und auch an die Tatsache, dass Brian in meinem Kopf herumgepfuscht hatte! Brian hat meine Erinnerungen gelöscht!
Als ich endlich zu dieser einzig logischen Erklärung gekommen war, begannen all die Dinge, die danach passiert waren, einen Sinn zu ergeben. Es war ihm peinlich gewesen! Deswegen hatte er mein Gehirn manipuliert und war tags darauf so gemein zu mir!
„Ich bin so ein Vollidiot!“, fluchte ich. Eben noch so scharf wie Chili, kühlte ich jetzt schneller ab, als Gemüse beim Schockfrosten. Brian hatte nur einen Fehler ausradiert. Das war alles! Ich war nur ein dummer kleiner Fehler, den ein Erwachsener gemacht hatte. Er wollte nicht, dass ich danach wie ein total verknallter Teenager an seinem Arm hing und ihn anhimmelte.
Mir brach das Herz, was mich nur noch wütender machte, als die Tatsache, dass Brian versucht hatte, das Geschehene einfach auszulöschen. Totunglücklich sank ich auf dem Sofa zusammen und wünschte mir, Mum wäre hier, um mich tröstend in den Arm zu nehmen. Stattdessen schluchzte ich in das hässliche Strickkissen, dass sie auf einem SecondHandBasar ergattert hatte und fühlte mich so einsam wie noch nie in meinem Leben. Warum war sie nicht hier? Wo war sie überhaupt? Wieso meldete sie sich gar nicht bei mir? Hatte sie mich bereits
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