In deiner Hand
nach der Form griff, um sie zurück in den Ofen zu stellen und vergeblich nach Topflappen suchte.
Ich hatte das Teil mit bloßen Händen aus dem Backofen geholt ohne mir die Finger zu verbrennen!
Wiederholt musste ich Erik für diese Heilkräfte danken! Wobei meine Dankbarkeit sich in Grenzen hielt. Allmählich wurde es gruselig. Meine Heilfähigkeiten wurden von Tag zu Tag stärker, dabei hatte man mir doch nur eine geringe Steigerung versichert. Nur genug, damit ich nicht sofort krepierte. Aber ich hatte die verdammte Auflaufform mit barhändig angefasst und überhaupt nichts gespürt! Das war doch nicht normal!
Ehe ich mir weiter darüber Gedanken machen konnte, klingelte es an der Haustür. Zögernd blieb ich stehen. Nach Besuch war mir jetzt eigentlich überhaupt nicht. Davon einmal abgesehen, wer zum Henker sollte mich schon besuchen? Dieser jemand klingelte nun energischer.
„Mein Gott, ich komme ja!“, rief ich in den Flur, stellte das Geschirr ins Waschbecken und warf einen prüfenden Blick zur Mikrowelle. Keine Reste zwischen den Zähnen, prima! Zugleich neugierig und genervt öffnete ich die Haustür. Donna quetschte sich sofort an mir vorbei und stöckelte die Treppe hoch. „Hey Baby!“, rief sie mir noch zu, ehe sie in einem der Zimmer verschwand. Völlig bedröppelt sah ich ihr nach, die Hand immer noch auf der Türklinke. Jemand räusperte sich leise.
„Darf ich?“, fragte Taylor. Mit hochgezogener Augenbraue musterte ich den in schwarzen Jeans steckenden Riesen. Er hatte seine Wurstfusseln zu einem komischen Zopf nach hinten gebunden und trug ein weißes Hemd, dessen obere Knöpfe offen waren. Die Narben zogen sich scheinbar über seinen gesamten Oberkörper. Was war ihm wohl passiert? „Ja, sicher. Komm rein.“ Ich trat zur Seite und ließ ihn vorbei. Auf der Straße standen zwei meiner Nachbarn und gafften sensationsgeil zu uns rüber.
„Du hast geweint“, lenkte mich Taylor ab und musterte mich mit zusammengekniffenen Augen.
„Warum?“
„Die Pubertät“, murmelte ich nur und zeigte an die Decke. „Was läuft hier?“ Er zuckte mit den Schultern.
„Sie will dich heute Nacht mitnehmen.“
„Mitnehmen?“, fragte ich und musterte ihn skeptisch. „Wohin mitnehmen?“ Er steckte seine Hände in die Hosentaschen und zog den Kopf ein.
„Tanzen.“
Ich schnaubte wie ein Ackergaul. „Du machst Witze?“
Wir hatten uns redend ins Wohnzimmer begeben und Taylor plumpste auf die Couch. Keiner der Vampire würde jemals zur normalsterblichen Innenausstattung passen. Was besaßen die in ihren Wohnungen wohl für Möbel? Ganz sicher nichts von Ikea! Irgendwie wirkte neben ihnen alles so klein, zerbrechlich und irgendwie schäbig.
„Kein Witz“, meinte er nur und begann angestrengt in der Fernsehzeitung zu blättern
„Und du … legst deine Knarren zum Tanzen einfach ab?“
War es echt so leicht, einen Blutsauger zu entwaffnen? Komm, wir gehen tanzen, lass die Wumme daheim? Naja, sonst würde er beim Herumhampeln vermutlich ausversehen jemanden erschießen. Aber trotzdem. Das war schon seltsam. Taylor schob das linke Bein vor und zog den Saum seiner Jeans ein Stück nach oben. An seinem Schienbein klemmte eine riesige Handfeuerwaffe und mindestens drei extra Magazine. Ich konnte mir ein Grinsen einfach nicht verkneifen. Er grinste zurück und damit war das Gespräch beendet. Irgendwo über mir wuselte Donna durch das Haus, ließ aber keinen Ton verlauten.
„Okay … ehm … und jetzt? Was treibt sie da oben?“
„Wieso siehst du nicht nach?“
Wieder schnaubte ich. Das sollte ich mir wirklich abgewöhnen. „Ich hab keine Lust.“
„Du hast Angst!“, stellte er breit grinsend fest und lehnte sich auf der Couch weit vor.
„Wieso gehen Vampire tanzen?“, lenkte ich ab und war wirklich neugierig auf die Antwort.
„Stressabbau. Aggressionstherapie. Nenn es wie du willst.“
„Vampire haben Stress?“ Ich sah ihn äußerst verblüfft an. „Ihr habt doch alle Zeit der Welt!“
Taylor legte den Kopf auf die Seite. „Du bist nicht auf dem neusten Stand der Dinge, Kleines.“
„Ach nee?“ Er schüttelte den Kopf. „Im Augenblick steht alles auf der Kippe. Wir wissen nicht was passiert, wenn Erik stirbt. Onyx hat sein Amt bereits offiziell abgetreten. Alle erwarten einen Anführer. Aber es wird keinen geben. Die anderen sind darüber noch nicht informiert worden. Es wird eine harte Zeit auf uns alle zukommen. Keiner weiß was die Zukunft bringt. Es ist … anstrengend. Und deswegen gehen
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