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In deiner Hand

In deiner Hand

Titel: In deiner Hand Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Joey Tintenfee Lewis
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auftauchte, fing mich auf und zog mich vor den mordlustigen Vampiren fort. Malik lachte, erst zurückhaltend, dann lauter, schien sich mit jedem Lacher mehr hineinzusteigern bis ihm die Augen fast aus den Höhlen quollen. Er wirkte wie der Wahnsinn in Person.
„Es hat sich rein gar nichts geändert!“, kicherte er zahnlos. Es dauert einen Augenblick, bis mir klar wurde, dass zahnlos genau das beschrieb, was ich hier vor mir sah. Mir fiel die Kinnlade runter. Im Raum wurde es mucksmäuschenstill. Malik sah sich stirnrunzelnd um.
„Was???“, brüllte er übergeschnappt und zertrümmerte den Schreibtisch mit der rechten Handkante. Einer seiner Lakaien deutete mit dem Zeigefinger an seine eigenen Zähne. Ich, viel zu perplex den Blick abzuwenden, starrte Malik entgeistert an. Ihm fehlten beide Vorderzähne und wenn ich mich nicht irrte, machte seine Nase einen merkwürdig verschobenen Eindruck.
„Sauber!“, kommentierte Taylor trocken, nahm Annie an die Hand und zog sie hinter sich her. Brian gelang es nur, mich ebenfalls nach draußen zu hieven, weil ich immer noch zur Salzsäule erstarrt in seinen Armen hing und Maliks löchrige Fresse ansah.
„Ich hab ihm … hast du … habt ihr?“, stammelte ich. Brian schleppte mich an durstigen, gierig glotzenden Blutsaugern vorbei ins Freie. Ich war verwundet, leichte Beute, dennoch machte keiner von denen Anstalten uns anzugreifen. Ich stellte mir vor, dass sie, sobald wir uns außer Reichweite befanden, auf die Knie sanken und mein Blut vom Boden ableckten. Schauder reinen Ekels durchfuhren mich. Draußen angekommen schlug mir ein eiskalter Wind ins Gesicht und strich über meine so ziemlich nackten Beine. Ich bekam die Bilder von Maliks Kauleiste überhaupt nicht mehr aus dem Kopf.
„Hast du … hast du das gesehen?“, hauchte ich wie zu mir selber. Brian murmelte etwas dicht an meinem Ohr. Da wurde mir erst richtig bewusst, dass er mich auf den Armen trug. Keine zehn Minuten früher und ich wäre rot geworden wie ein Feuermelder. Stattdessen spürte ich Übelkeit meine Kehle hinaufkriechen. Malik fehlten jetzt zwar ein Paar Zähne, aber so wie es aussah – ich blickte auf die matschigen Überreste meiner Gliedmaße – konnte ich mein Bein vergessen.
Ganz automatisch streckte ich die Hand aus und wollte es anfassen, einfach nur, um zu sehen, dass das, was ich da sah, wirklich real war.
„Lass das!“, zischte Brian streng.
„Es ist kaputt“, nuschelte ich wie eine Volltrottel. „Es ist total kaputt!“
Er ignorierte mein Gefasel und passte sich Taylors schnellem Lauftempo an. Der hatte direkt vor dem Laden seinem Gaul die Sporen in die Seiten gerammt und war losgeflitzt wie ein Wiesel, das vor den grellen Scheinwerfern eines PKWs floh. Noch erreichten die beiden Blutsauger nicht die unsterbliche Überschallgeschwindigkeit, aber mit einem Nescar-Rennwagen konnten sie es bestimmt locker aufnehmen.
„Wieso nehmen wir nicht die Limousine?“, fragte ich in einem Moment geistiger Klarheit und warf einen Blick zurück. Die Limousine hatte in einer Seitenstraße gegenüber des Clubs geparkt. Ich verstand nicht, wieso wir jetzt unbedingt zu Fuß durch die Gegend latschen mussten. In mir stieg ein ungutes Gefühl empor, das meinen Magen zum Schlingern brachte. Meine Finger bohrten sich in Brians Hemd. Irgendetwas hatte ich vergessen. Das wusste ich genau. Aber der Schock, den mir das Zusammentreffen mit Malik bereitet hatte und die heftige Angst um Annies Leben blockierten meine Gehirnzellen zusehends. Die Augen fest zusammengekniffen, versuchte ich mich zu konzentrieren. Was wirklich schwierig wurde, denn allmählich spürte ich mein Bein wieder. Auf das Blut auf meiner Haut linsend schoss mir der Gedanke an Donnas rotes Haar durch den Kopf. Die Tatsache, dass sie nicht bei uns war verursachte mir nur noch mehr Übelkeit.
„Donna!“, stieß ich hervor und begann in Brians Armen zu zappeln. „Wir haben Donna vergessen! Du musst zurück!“ „Keine Sorge. Donna hat sich bestimmt irgendeinen Schnösel geangelt und sich mit dem in ein Hotel verzogen.“
„In ein Hotel?“ Ich sah Brian ziemlich doof an. „Wieso denn in ein Hotel?“
„Vielleicht hat er auch einen Wagen mit einer geräumigen Rückbank“, meinte Brian beinahe abfällig. „Was … wieso denn eine Rückbank?“ Ich verstand nur Bahnhof, was ich wohl ebenfalls dem Schock zuschreiben durfte.
Brian sah mich aus den Augenwinkeln an und blieb stehen. Taylor verschwand vor uns in der Dunkelheit ohne dass

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