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In deiner Hand

In deiner Hand

Titel: In deiner Hand Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Joey Tintenfee Lewis
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sensationsgeil?“
Taylor erhob sich abrupt und räusperte sich. „Das ist doch gar nicht wahr! Derlei Heilungen habe ich schon sehr viele Male gesehen!“
„Bei Menschen?“ Meine Skepsis war unüberhörbar.
„Quatsch!“, winkte er lässig ab und erstarrte sofort. „Vergiss was ich gesagt habe!“ Er hob abwehrend die Hände. „Ich sehe mal nach, wo Brian solange …“, begann er und flüchtete mit flatterndem Mantel nach draußen.
„Taylor!“, rief ich mit zittriger Stimme, aber er kam nicht zurück. Völlig aufgewühlt saß ich da, einen Berg Kissen im Rücken und starrte geistesabwesend auf mein Bein. Er musste etwas Derartiges bei Vampiren gesehen haben, sonst wäre er nicht in diesem halsbrecherischem Tempo davongestürmt. Aber selbst wenn dem so war, was hatte das mit mir zu tun?
Ich bin doch kein Vampir!
    Sie alle, Jenks, Brian und Taylor, blieben unendlich lange fort. Annie rührte sich ebenfalls nicht und mir fehlte der Mut sie anzusprechen. Dabei spukten in meinem Kopf so viele beruhigende Worte umher, die ich mir zurecht gelegt hatte und ihr sagen wollte. Doch feige wie ich war, kam nichts davon über meine Lippen, aus Angst, vor den Kopf gestoßen zu werden. So war ich allein mit mir und beobachtete das schauderhafte Treiben meines Beines, dessen Haut mittlerweile blubberte wie ein Topf voll Suppe. Wenigstens waren diese eigenartigen Adern wieder verschwunden. Jäh sauste ein heftiges Ziehen durch mein Bein, so als stünde jemand am Bettende, hielt mein Fußgelenk fest umfasst und zog daran. Panik wallte in mir hoch und ich musste mich beherrschen nicht hysterisch zu schreien. Wie eiskalte kleine Insekten, kroch etwas von meinen Zehen aus an den Knochensplittern entlang. Der Druck und das Ziehen wurden immer aggressiver. Würde ich die Augen schließen, brauchte es nicht viel, um mir vorzustellen, dass gerade jemand versuchte mir das Bein auszureißen.
Dreh jetzt bloß nicht durch!
Annie würde den Schock ihres Lebens bekommen, wenn ich so laut schrie, wie ich es gern tun würde. Stattdessen lag ich mucksmäuschenstill auf dem verdammten Bett und musste ertragen, wie unsichtbare Wesen mein ganzes Bein zerfetzten, zerbissen und daran rissen. Gerade stand ich kurz davor völlig die Nerven zu verlieren, da wurde die Tür aufgestoßen. Brian, Taylor und ein sehr krank aussehender Jenks betraten den Raum. Mit aufgerissenen Augen starrte ich sie an, steif wie ein Brett.
„Schneid es ab!“, wimmerte ich so leise wie möglich. Mein Bein zuckte unkontrolliert und hatte die Farbe schwarzer Johannisbeeren angenommen. „Schneid es ab!“
Völlig entgeistert starrte Jenks auf mein Bein, dann in mein Gesicht. Er streckte den Arm aus, zog ihn aber sofort wieder zurück. Wieder riss es in meinem Bein. Die Kniescheibe rutschte unter der Haut umher, das spürte ich genau. Ich warf stöhnend den Kopf in den Nacken. Jemand drückte mir die Hand auf den Mund. Ein anderer schloss die Vorhänge rings um mein Bett. Mein ganzer Körper wurde von den Zuckungen erfasst. Ich spürte Hitze die Kälte in mir ersetzen. Hitze, die zu einem brennenden Inferno wurde. Nun schrie ich doch, in der Hoffnung, dass die Hand es irgendwie dämmte. Annie durfte das nicht mit ansehen! Sie würde nie wieder ein Wort mit mir reden, wenn sie erfuhr, was ich für ein Freak war. Und was für ein Freak ich noch zu werden gedachte…
Dieses Mal erlöste mich die Bewusstlosigkeit nicht. Der Schmerz hielt an und die Minuten dehnten sich zu Stunden. In meinem schwammigen Gehirn formte sich langsam aber sicher die einzige Erklärung für meinen aktuellen Zustand. Der Schmerz, das Brennen. Wie weit hergeholt war wohl der Gedanke, Malik könnte zugebissen und mich vergiftet haben? Im Bruchteil einer Sekunde? Bedurfte es dafür nicht sehr viel mehr Zeit und müsste sich das Gefühl nicht auf meinen ganzen Körper übertragen? So wie in den scheiß Büchern?
Auch wenn mir das hier eine Menge Stress ersparen würde, Malik gehörte eigentlich nicht auf die Liste auserkorener Blutsauger, die mich wandeln durften. Schlimm genug, dass eine solche Liste in meinem Kopf bereits Form angenommen hatte.
„Verry?“ Jenks stand schon die ganze Zeit mit seinem beschissenen Notizblick neben mir und kritzelte darauf herum. So fühlten sich garantiert Jenks Versuchsobjekte, sollte er je welche besessen haben - wovon ich stark ausging. Dennoch verkniff ich mir eine giftige Bemerkung, denn Jenks sah aus, als hätte er, seit wir uns das letzte Mal begegneten, sehr

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