Invasion 03: Der Gegenschlag
drei (manche behaupteten vier) Dimensionen zu bewältigen und den nächsten Gang zu erreichen.
Seltsamerweise hatte Wendy mit dem Labyrinth nie Probleme gehabt, selbst wenn es völlig abgedunkelt war. Vielleicht hatte es doch auch sein Gutes gehabt, lebend in Fredericksburg begraben gewesen zu sein; sie hatte so etwas wie Klaustrophobie nie kennen gelernt. Dasselbe konnte man von Shari sagen, die all die Wochen wach verbracht hatte. Wenn sie zu Klaustrophobie geneigt hätte, hätte sie sicherlich zur Spritze gegriffen wie die Feuerwehrfrau, die dort mit ihr zusammen eingeschlossen gewesen war.
Was keineswegs hieß, dass es leicht gewesen war.
Sich zu bewegen erwies sich als ausgesprochen schwierig. Aber Wendy hatte kein Problem und dachte auch daran, nicht den glatten Tunnel zu nehmen. Der Plastiktunnel war nach ein paar Fuß eingefettet und glitschig, und wenn man einmal in ihm steckte, konnte man nicht mehr zurück. Man rutschte einfach in die Tiefe und plumpste der für die Beurteilung zuständigen Person vor die Füße.
Wendy andererseits kam aus dem gerippten Tunnel und richtete sich einigermaßen erfrischt auf. Sie wusste, dass sie im Labyrinth eine gute Zeit geschafft hatte, und der nächste Test, der Türbruch, war auch einer, der für sie »gut« war.
Sie eilte die Treppe zum Dach hinauf und holte dort die wesentlichen Werkzeuge für den Türbruch ab: einen Rucksackbehälter voll flüssigem Stickstoff und eine Centerpresse auf CO2-Basis. Das Testgerät befand sich in der Dachmitte; ein scheinbar freistehender Türstock mit einer geschlossenen Tür aus Memoryplastik.
So, wie die Tür gebaut war, musste man ungewöhnliches Gerät einsetzen. Aus Sicherheitsgründen waren Türen aus Memoryplastik so konstruiert, dass sie in der »Grundkonfiguration« geschlossen waren. Das bedeutete, dass man eine genau berechnete Ladung anbringen musste, um sie dazu zu veranlassen, sich zu »öffnen« oder in ein Rohr an der Seite zusammenzuklappen.
In ausgefahrener Konfiguration waren die Türen äußerst zäh; man konnte den ganzen Tag mit einem Vorschlaghammer auf sie eintrommeln, ohne ihnen damit etwas anhaben zu können. Und aus Sicherheitsgründen musste die Ladung an einem etwas zurückgesetzten Rand angebracht werden. Als die Feuerwehrleute sich zum ersten Mal mit dieser Konstruktion konfrontiert sahen, wussten sie zunächst nicht weiter, aber dann wies ein ehemaliger Feuerwehrmann von der Marineinfanterie darauf hin, dass Lexan verhältnismäßig leicht zerspringt, wenn man es unterkühlt. Und schon war eine neue Methode zum Aufbrechen derartiger Türen geboren.
Die Prüferin nickte, als Wendy sich den Rucksack übergestreift hatte, hob ihre Stoppuhr und drückte den Startknopf und brüllte: »Los!«.
Für einen Türbruch gab es mehrere Schritte, die alle präzise ausgeführt werden mussten. Mit schnellen Schritten ging sie auf die Tür zu, stellte sich auf die linke Seite, streifte ihre Nomex-Handschuhe ab und fuhr dann mit der Hand über Tür und Türrahmen. Sie fing ganz oben an und strich schnell quer über die Tür nach unten. Als sie die linke untere Ecke erreicht hatte, stellte sie plötzlich fest, dass es dort wärmer wurde. Die wollten sie reinlegen!
Sie trat zurück und schrie: »Heiße Tür!«
Die Prüferin drückte den Knopf an ihrer Stoppuhr und machte eine Eintragung auf ihrem Klemmbrett, während Wendy sich die Handschuhe wieder überstreifte. »Die Tür ist als heiß zu betrachten, kann aber gebrochen werden«, sagte die Prüferin. Auf die Feststellung, dass Wendy disqualifiziert worden wäre, wenn sie die Wärme nicht festgestellt hätte, verzichtete sie, das war ohnehin klar. »Weitermachen«, fügte sie dann hinzu und drückte wieder auf ihre Stoppuhr.
Wendy trat einen Schritt zurück und sah auf die Druckanzeige des Stickstoffbehälters. Aus der Flasche führte ein Schlauch zu einer Tülle, die an einen Flammenwerfer erinnerte. Man konnte den Druck, unter dem der flüssige Stickstoff austrat, regulieren und damit einstellen, wie weit der Strahl reichte. Es gab eine maximale Reichweite, aber die war ohne Belang. Viel wichtiger war es, das Zurückspritzen so weit wie möglich zu vermeiden.
Der Stickstoff trat in einem weißen, schäumenden Strahl aus der Tülle aus und dehnte sich explosionsartig zu Dampf aus, sobald er mit Zimmertemperatur in Berührung kam und sich erwärmte. Dass der Test auf dem Dach durchgeführt wurde, hatte zwei Gründe; zum einen konnte sich das Gas schnell
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